Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-10-14 · Heft 42 (14.10.1844) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 42 (14.10.1844)
Date
1844-10-14
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3225335-3225378--06375-3315188
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

VIII. Jahrgang. Allgemeine No. 4L. Zeitung -es Zudenthums. Ein unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redakteur: Verlag von Df. Ludwig Philippfon, Baumgärtners iBuchhandlung Rabbiner zu Magdeburg. Leipzig. (Mit Königl. Sächsischer allergnadigster Konzession.) Leipzig, den 14. Oktober 1844. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 96 Bogen in Quart irrkl. des Titels, Megisiers u. s. w. 'imfassen. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22 4- Ngr. (18 gGr.) für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungserpeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die König!. Sächs. wohllöbl. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitender Artikel: Ueber jüdische Homiletik. Zeitungsnachrichten: Oesterreich: Preßburg (Forts, und Schluß), Prcßburg. Preußen: Posen, Königsberg, Meseritz. Deutschland: vom Main, Edenkoben. Großbritannien: London. Rußland: St. Petersburg. Schweden und Norwegen: Christiania. Literar. Nachrichten: Hamburg (Biographie^. Leitender Artikel. Magdeburg, den 7. Oktober. Ueber jüdische Homiletik. Daß die jüdische Kanzelberedtsamkeit in Deutschland m der neuesten Zeit eine vorzügliche Stufe erstiegen, ist anerkannt. Die Juden aller Länder mögen die deutsche Judenheit darum beneiden, so wie diese Thatsache auch von den christlichen Theologen gern ignorirt wird. Es Hiebt Polemiker, die den neueren Phasen des Judenthums gern allen Grund und Boden absprechen möchten; das tüchtige Fundament, welches die jüdische Homiletik jenen darbietet, übergehen sie daher mit Stillschweigen, oder entstellen sie, indem sie sie nur als eine Nachahmung der christlichen ausgeben. Mag nun auch in der Form uud im Tone die neuere jüdische Predigt der christlichen abgelernt sein — Form und Ton sind aber bei der Predigt nur Akzidenzien — der Inhalt, das Wesen und die Originalität wird und muß in der jüdischen Predigt immer jüdisch sein. Hinlänglich ist es übrigens erwiesen, daß die jüdische Predigt früher da gewesen als die christliche, d. h. daß regelmäßige Lehrvorträge in den Synagogen und Lehrhäusern früher statt fanden, als das Christenthum vorhanden war, daß die Vorträge des Stifters und der Apostel des Christenthums jenen unmittelbar entsprungen sind: so daß die Predigt, d. h. ein Lehrvortrag im Gottesdienste eine jüdische Erfindung ist, welche das Chrisienthum wie so vieles Andere, dem Judenthum entlehnt hat, nun aber für sein eigenes Werk, und die regenerirte jüdische Predigt als eine Entlehnung von sich ausgiebt. Dabei hat ja auch die jüdische Predigt gar keinen Stillstand erlitten; und wenn sie auch ihr Leben auf sehr kümmerliche Weise in dem letzten Jahrhundert fristete, in den beiden Draschst an und irsmiün der Rabbinen und den jeweiligen Vorträgen der fc lebte sie doch. Wir dürfen dabei nicht vergessen, daß durch die sogenannte Schiurim für das Bedürsniß des Volkes anderweitig gesorgt war, und daß durch das im Volke verbreitete reiche Maaß theologischen Wissens die Synagogalvorträge sehr erübrigt waren, wie auch durch das überhäufte Gebetmaterial kaum Zeit dazu gelassen war. Gerade aber dadurch, daß die jüdische Predigt die Form und den Ton der christlichen seit ungefähr dem Anfänge dieses Jahrhunderts annahm, konnte es auch leicht möglich werden, daß jene ihre Originalität überhaupt, so wie ihren Zweck im Besondern aus den Augen verlor. Schützte sie zwar hiervor schon sehr das Charakteristische des jüdischen Geistes, der sich von der bloßen Moralpredigt auf die Länge nicht befriedigt fühlt, so wie auch daß das

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.