Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 41 (7.10.1844)
- Date
- 1844-10-07
- Page
- Seite 582 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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582 Drang und Finsterniß um das Judenthum gelagert, dessen Züge entstellt und dessen wahre Gestalt ganz unsichtbar gemacht hatte, zu zerschlagen, der erstarrten Mumie neues Leben, dem in seine Denen stagnirenden Blute neue Bewegung cinzuhauchen, und nicbc mehr vegetirt das Judenthum, sondern lebt und entwickelt sich herrlich und prachtvoll! Glaube und Forschung', Religion und Wissenschaft, Frömmigkeit und Bildung sind nicht mehr feindliche, sich immer gegenseitig bedrohende Mächte, wo nur der völlige Untergang der einen das Erstehen der andern zuläßt, sondern wie die durch dreifache Bande des Biurcs, der Freundschaft und des gemeinsamen Jnrresses verbündete Mächte schreiten sie vereint einem Ziele — der freiem Entwicklung und Fortbildung, der politischen und religiösen Erhebung und Veredlung der Juden und des Judenthumes entgegen!!..... Auch bis zu uns, Brüder in Israel und Sohne deö theuern Ungarlandes! auch bis zu uns sind bereits die wärmenden Strahlen der allerleuchtenden und allerwärmenden Sonne — Aufklärung — und ihres treuen Satelliten — Fortschritt — gedrungen; auch bei uns fangt bereits die alte Sage von Erstehung der Tobten sich zu realisiren an, und dem rodtgeglaubten Judenthume neues Leben eingehaucht zu werden; auch uns sangt man schon an, den gebildeten und fortschreitenden und den Zeitgeist richtig erfassenden Juden zuzuzahlen; auch uns blühet, schon der Baum der Erkenutniß, wir laben uns an dessen herrlichen Blülhen und Knospen, wie an dem Borgenuß der yerrlichen Früchte, die wir bald einzusammeln hoffen;. wäre cs nicht feige und verwerflich von uns, wenn wir uns diese gleichsam vom Munde wegschnappcn und den Baum sammt der Wurzel ausrcißen ließen? wäre cs nicht Schande und Spott, .wenn durch einige, unleugbar von niedrigsten Jntresse geleirue, Vernunft- und verstandlose Zeloten es dahin gebracht würde, daß wir aus der Zahl jener Bessergesiniueu gestrichen und unser Name bei all' unseren Brüdern des In- und Auslandes zum Spott würde? Last das auch bei uns neu auslebende Judenthum wieder gelobtet und der lebensvolle blühende Jüngling in einen tobten Leichnam verwandelt würde? wäre es nicht Berrath an unsere heiligsten Reckte, wenn wir •— um den Lichtstrahlen der Aufklärung alle Annäherung zu wehren — uns mit einer chinesischen Mauer verschanzen und in ewige Finsterniß bannen lassen wollten???. Wer denn dies wolle? woher diese Gefahr drohe?... 2^'n-o "pirna schildert mit Recht schon der gottbegeisterte Jesaias als das größte Unheil und Berderben eines Volkes. Unsere Rabbinen, unsere Volkslehrer, unsere Wegweiser sind's, die solches Unheil, solche Schande und Schmach über uns bringen wollen!! Sie sollen uns voranleuchten, und — Finsterniß, tiefe undurchdringliche Finsterniß ist ihre Losung! sie sollen uns belehren und bilden, und wollen alle wahre Lehre, alle echte Bildung in die Hölle bannen! sie sollen uns den.rechten Weg zeigen, und kennen selbst nur Schleichpfade und krumme. Wege!!...... Doch, wir wollen deutlicher sprechen!...... Das Ereigniß, welches gegenwärtig die Juden Ungarn's — und zwar mit Recht, da es von großem Einflüsse auf ihre Zukunft zu werden drohet — am mächtigsten aufregt, ist — die ungarische Rabbinerversammlung. — Es ist wol wahr, daß diese schon seit einigen Jahren in Geheim betrieben ward, nicht minder wahr ist es aber, daß die eben abgehaltene deutsche Rabbinerversammlung, die so überaus erfreuliche und für den zeitgemäßen Fortschritt günstige Resultate lieferte, die endlicheRealisirung jener herbeiführte. Und schon in den Vorbereitungen beider zeigte sich der weite Abstand derselben von einander, und lieferte die Ungar, wieder einmal einen eklatanten Beweis, daß Pfaffenthum und „Reich der Finsterniß" identisch sei! Während man von der, durch den für das Judenthum so unermüdet und erfolgreich wirkenden Redakteur dieser vielgelesenen Blätter, angeregten deutschen Rabbinerversammlung lange vor ihrem Zusammentritte überall wußte und sprach, während diese überhaupt alle ihre Schritte offen und weltkundig that, wurde die ung.ar. nur durch Unterhändler und Blindschleichen bewerkstelligt, und wußte — bis einige Tage vor der Zusammenkunft — die Welt nichts davon, und auch jetztnachdem sie sich bereits aufgelöst (zugegeben, daß sie je Etwas war, quod est negandum!) weiß außer den Jntreffcnten noch Niemand etwas Genaues und Offizielles, und nur durch Zufall konnte hie und da ein Laie Etwas erhaschen, — was auch ganz natürlich aus dem Charakter und Bestreben beider folgt, da jene Licht — daher Oeffentlichkeit, — diese Fin-