Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 41 (7.10.1844)
- Date
- 1844-10-07
- Page
- Seite 583 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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583 sterniß — daher Geheimnißkramerei — sucht!.... Gesprochen wurde viel, besprochen nichts; man konnte zu keinem Endresultate gelangen* **))... die Sitzung wurde nach drei Tagen aufgehoben.... und die Herren Rabbinen zu einer zweiten im Monat ,p©n 5605 (Oktober 1844) in Ofen abzuhaltenden Versammlung eingeladen, zu der sie sich in der Zwischenzeit vorzubereiten haben. Ich überlasse das Amt eines Referenten dem, der mehr mit den Details dieses geistlosen Monstrums vertrauet ist. Von den albernen und widersinnigen Vorschlägen— sammtlich darauf hinzielend, jeden Funken aufkeimender Kultur zu ersticken und das Mittelalter in all' seiner schwarzen Glorie wieder herzustellen — werdet ihr bereits gehört haben, und es genügt zu wissen, daß die Versammlung von den orthodoxen*') Rabbinen Ungarns ausging, um zu erkennen, welcher Geist (8i venia vcrboi) sie beseelte. Ihr kennt sie leider nur zu gut die Rabb. Ungarns, die sich aus allen Kräften gegen Errichtung von Schulen stemmen und für ein Sakrilegium es halten, wenn Talmud und *) Man wird hier unwillkürlich erinnert an die angeblich im sechzehnten Jahrhundert zur Dämpfung der von Sabatai Zebi verursachten Aufregung, in der Ebene von Nagy-Jda (von den meisten Historiographen irrthümlichAgeda) in Ungarn flattgehabten Versammlung von dreihundert ungar. sowol als ausländischen Rabbinen, die acht Tage dauerte und am Ende— Nichts heraus brachte. Die wichtigste, ihr vorgelegte Frage war: „llo Jove quid sentis, oder: was dünkt Euch von Ehristo?" wo sie nach langen Berathungen übereinkamen, daß sie es nicht wüßten. Wenn man der gegenwärtigen ungar. Rabbinerversammlung die Frage vorgelegt hätte: „de Jehova quid senlis, oder: was dünkt Euch von Juden und Judenthum? sie hätten es eben so wenig zu beantworten gewußt, oder — was noch wahrscheinlicher — die Frage gar nicht begriffen. **) Von den gebildeten und dem Fortschritte zugethanen Rabbinen wurde nur Herr L. Schwab berufen, (die jüngeren alle übergangen) und auch dieser nur nach langen geheimen Konferenzen zwischen den orthodoxen Radb., wo man es endlich doch gerathener fand, den Rabbiner der pesther Gemeinde zum Freunde als zum Feinde sich zu machen. Herr Sch. willfahrte — auf Zureden seines Gemeindevorstandes — der an ihn ergangenen Einladung, soll aber zu seinem Leidwesen erfahren haben, daß — „Stein schwer, Sand eine Last, der Thoren Hartnäckigkeit aber unerträglicher als Alles ist." Deutsch in einem Lokale unterrichtet werden; die noch mit dem Auspeitschen (aus der Stadt jagen) drohen dem Bachur, der es wagen werde, ein deutsches Buch zu berühren; die es nicht begreifen können, wie die Juden nach Bürgerrecht streben, da sie doch sammt und sonders geborne trsba—ou sind; die da sagen: wer ein jüdisches Blatt halt, ist auf ‘"jrpn ba* i-iarin arnn ab; die da in öffentl. Deraschot beweisen wollen: die Abschaffung der Mizwotlizitazion fei Vs-an *rc , rrnntn ix; die da öffentlich sagen: jüd. Predigten dürfen nie über Nächstenliebe u. dgl. handeln, da man diese Gegenstände in alle maonü (Kirchen, nach rabbin. Terminologie) besprechen höre u. dgl. Unsinn und Aberwitz mehr"'), wie ihr es nur zu oft gehört haben werdet!!. Doch nur die meisten ungar. Rabbinen sind so, nicht alle, und auch wir zahlen bereits einige Rabb., die mit wissenschaftlicher Bildung und wahrer Kenntniß des Judenthums ausgerüstet, hie und da den Saamen der Kultur und der Fortbildung ausstreueten, diesen bestmöglichst warten und pflegen, daß er sich herrlich und früchtereich entfalte, die es zu ihrer Lebensaufgabe gemacht auch die ungar. Juden mit dem Zeitgeist in gleichen Schritt zu bringen und sich daher auch bemühen, vakante Rabbinatsstellen mit ihnen ähnlichen, .tüchtigen und gebildeten Theologen besitzen zu helfen..... und es ließe sich demnach wol ein günstiges Prognostiken für uns stellen, eine schöne Zukunft erwarten....... aber das ist eben der Stein des Anstoßes! Das ist's eben, was jene lichtscheuen Finsterlinge fürchten und dem sie vorzubeugen suchen! Das war der Hauptzweck der ersten, und wird auch der Hauptzweckder zweiten ungar. Rabdinerversammlung sein!!.... Wohl wissend, daß der Rabb. für das geistige Wohl seiner Gemeinde Alles ist, daß er der Nerv ihres Seelenlebens, die Hauptquelle der Bildung und Aufklärung für seine Untergebenen ist, wollen jene Zeloten und darum die Quelle des Guten und Heilsamen uns abschneiden und uns so in die alte Finsterniß und Barbarei, in die alte *) Die Zahl dieser Kuriosa könnte in's Unendliche vermehrt werden; Ref. beschrankt sich aber nur auf Anführung einiger von denen, die er selbst von verschiedenen, sogar gedildecseinwollenoen Rabbinern Ungarns selbst gehört hat.