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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-10-07 · Heft 41 (7.10.1844) · p. Seite 581

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 41 (7.10.1844)
Date
1844-10-07
Page
Seite 581 (sequence 9)
Language
German
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581 land haben und der Sache der Nationalität fremd sind, und auch in anderen Beziehungen die dunkelsten Ideen von Religion und Moral verbreiten. Mit diesem Seminarium in Verbindung sollten sie auch ein Volkslehrer-Seminarium errichten, worin die Unterrichtssprache ausschließlich ungarisch sein soll. Nach gewisser Zeit sollen sie nur solche Individuen als Lehrer und Rabbiner anstellen dürfen, die in diesem Seminarium ihre Studien gemacht haben. Redner wünscht also, daß der erste Gesetzvorschlag vom vorigen Reichstag angenommen werde; sollte er in der Minorität bleiben, so behält er sich vor, auf den zweiten speziellen Gesetzartikel seine Bemerkungen' zu machen. Obgleich sich hierauf noch Mehrere äußerten, so konnte der Beschluß doch nicht ausgesprochen werden und wurde die Fortsetzung der Diskussion auf die nächste Sitzung vertagt. — (Fortsetzung folgt.) Neustadt an der Waag', 13. September. (Eingesandt.) (Vorbemerkung: Es kann nicht anders als wichtig sein, aus dem Lande selbst Stimmen über die Tendenzen der ungarischen Rabbinerversammlung zu vernehmen, da solche Versammlungen in der Zukunft gewiß ein großer Hebel des israelitischen Lebens sein werden. Indem wir daher dem Herrn Einsender die Verantwortlichkeit für seinen Artikel überlassen, können wir ihn nur wörtlich genau wiedergeben. Redaktion.) Die ungarische Rabbinerverfammlung. Ein Wort zur Zeit an die Israeliten Ungarns von Ig». Einhorn. Vorwärts! Vorwärts ist der überall ertönende Ruf der Gegenwart! Fortschritt und Fortbildung Losungsworte, an welche die Männer der Gegenwart, die unsere Zeit zu erfassen, ihren Geist zu würdigen wissen, einander erkennen! Licht und Aufklärung das Feldgeschrei aller Hellsehendern und Helldenkenden, an das auch unsere Männer der Gegenwart, die Hellsehenden und Helldenkenden im Judenthume theilnehmen!!.... Denn so oft und vielfach auch in älteren und neueren Zeiten dem Judenthume der Vorwurf des Separatism und der Jsolirung gemacht ward, und so gerecht auch immerhin dieser Vorwurf scheinen mag, so muß bei genauerer Betrachtung doch immer gestanden werden, daß derselbe mehr sein physisches, oder um einen edlem Ausdruck zu gebrauchen, mehr sein soziales Leben trifft, als sein geistiges; im Reiche des Geistes stand der Jude immer seinem christlichen Nachbar — wenn auch nicht völlig gleich, doch nur wenig nach; hier mußte er— noleos voleos — mit dem Volke, in dessen Mitte er wohnte, vor- und rückwärts schreiten oder auch stille stehen,. was die Natur der Sache mit sich bringt, denn die Mythe, die dem Geiste die Macht auch durch's Schlüsselloch, durch eine Thürritze zu dringen, ertheilt, enthält wol manches Wahre; dem Geiste der, Zeit kann kein Damm entgegengesetzt werden, und wird's, so kann er ihn höchstens aufhalten, nie ganz verdrängen!. In wie fern der Zeitgeist diese seine Macht immer am Judenthume bewährte, zeigt schon eine flüchtige Vergleichung der spanisch-arab. Juden mit den christlichen im Mittelalter, und im umgekehrten Verhältniß der europ. mit den oriental, in unseren Zeiten. Und als in der letzten Hälfte des vorigen Säkulums überall ein neuer Geist sich zu regen begann und man ansing einzusehen, daß Veraltetes — alt und Vergangenheit — nicht Gegenwart sei. Da blieb dieser Geist auch auf Israel nicht ohne Einfluß, auch ihn durchdrang ein neues Leben, auch ihm wurden die Augen geöffnet und er sah die selbstgeschaffenen Fesseln, die er bisher kaum fühlte.... fand bald, daß sie wenigstens lockerer gemacht werden können und dürfen... bald auch, daß er sich ihrer vielleicht ganz oder doch größtentheils entschlagen könne.... Und dessen man sich bewußt ward, das wollte man auch durch die That fixiren, und was man erkannte, wollte man auch faktisch zur Erkenntniß Anderer bringen, und was der Theorie nach als gut und lobenswcrth befunden ward, sollte auch in der Praxis, sollte auch im Leben realisirt werden!. Die unschätzbaren Folgen dieses Wollens, Strebens und Ringens liegen nun heute klar vor aller Augen, die nur nicht blind sein wollen. Deutschland ward unser neues Zion, von dort ging die Erkenntniß aus, von wo sie sich allmälig nach allen Seiten — je nach der größern oder kleinern Entfernung, wie nicht minder nach der schwächern oder stärkern Empfänglichkeit des einen und des andern Theils — verbreitete, verbreitet, oder noch verbreiten wird; dort zuerst sing man an, die harte Kruste, die sich in der Zeiten 41 * \

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