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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-10-07 · Heft 41 (7.10.1844) · p. Seite 580

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 41 (7.10.1844)
Date
1844-10-07
Page
Seite 580 (sequence 8)
Language
German
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580 daß die Israeliten jener Rechte theilhaftig werden sollen, welche die anderen nichtadeligen Einwohner des Landes besitzen; kommt dann einmal der Tag jener großen Emanzipation, so werden auch die Juden vollkommen gleich berechtigt sein mit der übrigen Bevölkerung des Landes. Will der Deputirte von Z., daß der gebildete Jude, eben weil er kein Christ ist, weil er Gott aus eine andere Weise anbetet, dem schlechtesten Christen nachstehen soll? Das ist bei uns ein Krankheitszustand; legen wir einmal ab diesen häßlichen Aberglauben, der den Lehren des Christenthums schnurstracks zuwider ist. Würde es sich darum handeln, ob wir die Juden in unser Land ausnehmen sollen, dann könnte ich verschiedene Gründe für und wider anführen, wo das siegen würde, was von staatrechtlichem Standpunkte mit der Gerechtigkeit zumeist übereinstimmt. Nun handelt es sich aber von einer über 200,000 Personen starken Volksklasse, die längst im Lande ausgenommen ist, und die ungeheure Summen dafür zahlt, daß wir sie unter uns dulden. Diese berauben wir des natürlichen Rechtes, Handwerke zu ihrer eigenen Erhaltung zu treiben. Bei all dieser Unterdrückung sagt man noch, man dürfe die Juden nicht emanzipiren, weil sie Aristokraten sind. Möge es uns daher erlaubt sein, diese Behauptung etwas näher zu untersuchen. Es giebt dreierlei Aristokratien, die Geburts-, die Geld- und die Geistesaristokratie. Die Geldaristokratie zu zügeln ist noch keinem Staate gelungen, denn der Reiche unterdrückt allezeit den Armen und bedient sich seiner zur Erreichung seiner Zwecke. Unter den Juden giebt es freilich Geldaristokraten, aber im Vergleich mit der Zahl von elenden armen Juden nur sehr wenige und weniger als unter den Christen: ist also die Geldaristokratie gefährlich, so ist es die christliche nicht minder, wo nicht mehr als die jüdische und müßte auch in Schranken gehalten werden. WaS die Geistesaristokratie betrifft, so wird wol Niemand leugnen, daß es unter den Juden eine Geistesaristokratie giebt; denn dieses unterdrückte Volk läßt seine Kinder gut erziehen und wir sehen, daß es unter ihnen viele Gebildete giebt und dennoch werden sie nicht einmal der Rechte der niedrigsten Volksklasse gewürdigt, weil sie Gott anders anbeten. Die Juden sollen wir nicht von ihrem gedrückten Zustande befreien, eine Volksklasse, die dem Staat mit Gut und Blut dient? Wir müssen die Judenemanzipation nicht nur so betrachten, daß bloß die Juden selbst dabei gewinnen, wenn sie den übrigen nichtadeligen Einwohnern des Vaterlandes gleichgestellt werden; der Staat hätte meiner Ansicht nach den größten Nutzen davon. Die Erfahrung lehrt, daß gleiche Leiden die Menschen einander verbrüdern: das ist die Ursache, warum die Juden unter einander so fest zusammenhalten; aber je mehr sie unterdrückt werden, desto enger schließen sie sich aneinander; wir wissen, daß die Juden keine Handwerke üben dürfen, wenigstens mit christlichen Gehilfen nicht; sie sind also vom Gesetz selbst auf den Handel angewiesen, das einzige in Ungarn, was einträglich ist; das wenige Geld, das in Ungarn war, kam in die Hände einiger Israeliten, weil sie sich durch ihr Zusammenhalten ein Uebcrgewicht im Handel errungen, und die Reichen sehen wir vom Vaterlande hinausziehen. Erwägen wir dieß Alles genau, ob es zweckmäßig, ob es nützlich ist für den Staat, daß die Israeliten ferner in dem gedrückten Zustande bleiben sollen? Jeder Mensch, der sich zu einigem Vermögen verholfen hat, strebt nach Wohlstand. Dasselbe thun die Juden, die durch ihr Zusammenhalten sich Vermögen erwarben, indem sie das Land verlassen, wodurch uns das wenige haare Geld auch aus dem Lande strömt. Der Dep. v. Z. sagte, die Juden haben eigene Richter und stehen nicht unter dem allgemeinen Gesetz. Daß sie hinsichtlich der Lasten den Gesetzen gleich den übrigen nichtadeligen Einwohnern des Landes unterworfen sind, das weiß ich und daß sie noch mehr als diese belästigt sind, weil sie bloß für das Recht in Ungarn zu wohnen jährlich Hunderttausende zahlen; hinsichtlich der Soldatenleistung sind sie den nichtadel. Christen gleichgestellt, und stehen unter dem allgemeinen Gesetz; in Kriminalsällen stehen sie unter dem allgemeinen Gesetze. Sie haben freilich eigene Hausgesetze über Ehe- und Erbsachen; aber dem ist leicht abgeholfen, man kann es im Gesetze aussprechen, daß in Ehesachen der Geistliche jeder Gemeinde entscheide und in Erbschaftsprozcssen Jedermann unter dem öffentlichen Gesetze stehe. Ich wünsche auch daß dieß Alles je eher'geschehe; ja, ich gehe noch weiter, ich.will es im Gesetz ausgesprochen sehen, daß die Israeliten in Pesth ein Zentral-Seminarium errichten müssen. Bisher nehmen sie nämlich ihre Rabbiner gewöhnlich von Mähren und Gallizien, die gar kein Gefühl für das ungar. Vater-

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