Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 41 (7.10.1844)
- Date
- 1844-10-07
- Page
- Seite 579 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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579 Die Debatten über die Verhältnisse der Israeliten in Ungarn, deren Resultate in vor. Nummer mitgethcilt worden, sind nach der Preßb. Zeitung folgende: Freitag, den 6. September. 278. Zirkularsitzung. In dieser Sitzung kam der Kommissionsbericht über die bürgerliche Stellung der Juden zur Sprache. Die Kommission stellt den von den l. Standen am vorigen Reichstag projektirten allgemeinen Gesetzvorschlag mit dem nach dem Uebereinkommen beider Tafeln Sr. Maj. unterbreiteten speziellen Gesetzvorschlag zusammen und schlagt vor, erstern anzunehmen. Der Deputirte eines Theißkomitats croffnete die Diskussion. Wenn eine VolkZklasse durch einen solchen Gesetzvorschlag (Redner meint den ersten, der blos aus zwei Paragraphen besteht, wovon der erste die Abschaffung der Toleranzstcucr, der andere die vollkommene Gleichstellung der Juden mit allen übrigen nichtadeligen Einwohnern des Landes enthalt) so leicht hin cmanzipirt werden kann, so könnte auch das ganze Volk durch die zwei Worte egalite liuerte cmanzipirt werden. Ich wünsche die Vvlksemanzipation von ganzem Herzen, denn ich bin ein Freund des Volkes; und cS mag Vielen sonderbar Vorkommen, daß ich die Emanzipation der Juden, die doch auch zu dem Volke gehören, nicht wünsche; dicß geschieht aber, weil ich den Juden für einen Aristokraten halte und wenn ich frage, ob die Geburts- oder die Geldaristokratie gefährlicher ist, letztere gefährlicher finde, und wer ein Freund des Volkes ist, muß dieses gegen die Aristokratie vertheioigen. Wem es ernst darum zu thun ist, die Emanzipation zu realisiren, wie mir, der muß genau die Umstände untersuchen, die mit der. Frage irgend in Verbindung stehen und muß alle Uebel verhüten, die etwa dem Staatszweck hinderlich sind; er muß den Zustand «uflösen, in welchem die Juden sich jetzt dem Staat gegenüber befinden, wodurch sie einen Staat im Staat bilden, abgesehen davon, daß sie eine Religion haben, die im Staat noch nicht rezipirt ist, und daß sie noch keine profcssio iidei (Glaubensbekcnntniß) abgelegt haben, während die Protestanten selbst nicht jchcr cmanzipirt wurden, als sie eine Confessio fitlei ablegten. Ferner haben die Juden besondere Richter und leben unter sich nicht nach den allgemeinen Staatsgesetzen. Ich weiß, daß unsere Gesetze sich auch aus die Juden erstrecken; es giebt aber bei uns geschriebene und nicht geschriebene Gesetze, d. i., der Gebrauch. Dieser ist bei ihnen zum Gesetz geworden, denn die Judenrichter müssen nach dem Gesetz Mosis und dem Talmud urtheilen. Dieser Gebrauch muß allenfalls abgeschafft werden, bevor man sic cmanzipirt. Dann fragt es sich erst, ob es jetzt die Zeit, ob cs jetzt nützlich ist, die Juden zu emanzipiren, bevor das Volk frei ist? Es ist in der That etwas Sonderbares, daß diese Volksklaffe am liebsten dort wohnt, wo das Volk noch unter den Fesseln schmachtet und sich von dort wegzieht, wo es allgemeine bürgerliche Freiheit giebt. Zum Beweis berufe ich mich auf Ungarn und auf den ganzen Orient, woraus hervorgeht, daß die Juden, sich durch Aufzehrung der wenigen Kraft des unterdrückten Volkes ihren Reichthum vergrößern wollen. Mein Komitat will, daß die Juden, wenn sie cmanzipirt werden sollen, den Schacherhandel in allen seinen Theilen aufgeben, und daß sie keine Wirthshäaser halten dürfen sollen; dieß scheint etwas sonderbar, aber wer das Volk liebt, der muß es von den bekannten tausendfachen Listen der Juden retten. Wir wissen wie gefährlich dem Volke die jüdischen Wirthe sind; sie verwickeln es in das größte Elend, indem sie ihm das süße Gift reichen, wie Hebe den Göttern den Nektar; ferner liegt es im Interesse des Staates, daß die Juden nicht nur von leichte» Gewerben leben sollen; die Gesetzgebung muß sie zur Ausübung von Ackerbau und Handwerken anhalten; so lang die Gesetzgebung hierzu keine Mittel gesucht und geboten hat, bin ich ein Gegner der Emanzipation. Zum Schluffe muß ich noch bemerken, daß die Juden ihre Kinder nicht in die christlichen Schulen schicken, ihren besvndern Lehrer haben und sie nicht nach dem vom Lande angenommenen System erziehen. So lange die Hindernisse nicht aus dem Wege geräumt sind, wird die schöne philantropische Idee der Emanzipation keinen Erfolg haben. Hierauf nahm der berühmte Deputirte eines TheißkomitateS das Wort. Oft höre ich den Einwurf, sagte er, daß man nichr eher an die Emanzipation der Juden denken dürfe, als bis das Volk emanzipirt ist. Dieß ist meiner Ansicht nach ein falscher Schluß und nichts anderes als ein Vorwurf. Hat sich Jemand unrer uns geäußert, er wolle das Volk nicht emanzipiren? Wir wollennichts mehr, als