Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 40 (30.9.1844)
- Date
- 1844-09-30
- Page
- Seite 567 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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567 ausschließlich zu beschäftigen brauche, um allen seinen Pflichten genügt zu haben; daß aber die guten Grundsätze wirklich angewcndet und geübt werden, das wäre schon Selbstthäligkeit, das hieße sich selbst vertrauen; man muß behuthsam sein. — Es muß auch in Erinnerung gebracht werden, daß Viele dem abgeforderten Verlangen augenscheinlich nur darum nicht frank und frei leisteten, weil die Furcht sie beherrschte, daß es ihnen an Vertheidigungsgründen ermangeln konnte, wenn sie von an Ruf und Frömmigkeit höher stehenden Rabbinen, die nicht anwesend waren und unter deren Pantoffel sie sich befinden, später sollten zur Rechenschaft gezogen werden. Und man weiß, die Mittelmäßigkeit gibt nie den Ausschlag. — Man kann versichert sein, waren nur selbst einige angesehene Nichtrabbinen aus den verschiedenen Gemeinden zugegen gewesen, die die Sache unterstützt hatten, der Erfolg wäre gewißlich ein befriedigenderer gewesen. — Dazu kommt, daß es den meisten Rabbinen der orthodoxen Partei, wenn nicht durchgängig an gutem Willen, aber wol ganz und gar an einem richtigen Berständniß der Zeit und ihrer Kämpfe gebricht; und dieser zweite Fall für den Augenblick der schlimmere ist. Die Männer sind in dem Punkte wie die Kinder. Und verstehen sie die Krankheit und ihre Symptome nicht, wie sollen sie sie die Arznei begreifen? Haben die Herren S.'s Motion nach zweimaligem Anhören kann sein endlich verstanden, völlig begriffen haben sie sie nimmer und nimmer. — Und doch kann man nicht sagen, daß das Bemühen in der guten Sache völlig fruchtlos gewesen. Donnerstag am 22sten Morgens, nachdem verschiedene hin und her schwankende Ansichten sich geltend gemacht hatten, wurde zur Abfassung eines Zirkulärs (in hebräischer Sprache) geschritten; hier wünscht man nach der geographischen Eintheilung des Landes vier Sektionen in's Leben zu rufen, deren jede abwechselnd, außer der von drei zu drei Jahren stattzusindenden Planarsynode, in amtlicher Funktion ihre Partikularversammlungen abhalten solle; welche Behörde unter Anderm auch drei Männer aus ihrer Mitte erwählet, aus deren Händen junge anzustellende Rabiner ihre Diplome und Besahigungsschreiben erhalten. Umstände seien eingetreten, die dieser ersten Versammlung die Ueberzeugung aufdrängen, daß sie in ihrr jetzigen Lückenhaftigkeit zu durchaus nach allen Seiten hin vollauf zu geltenden Entschlüssen, nicht berufen. Man lade daher vorläufig zu einer vollständigen Plenarsynvde ein, die künftig — Zeit und Ort feien noch unbekannt — in Wirkung treten solle. — In verschiedenen Exemplaren des in Rede stehenden Zirkulär's — die parlamentarischen Formen wurden ohnedies wenig streng beobachtet — befindet sich aber eine Variante, die durch die von mehrern Seiten geschehene Aufnahme einiger Punkte aus der Motion des pesther Rabbiners veranlaßt wurde. Und immerhin können wir von einem ungehcuchelten und unparteiischen Standpunkte es auösagen, daß sich Herr Schwab mit einem Zuge ein großes Verdienst um die besseren Bestrebungen der ungarischen Juden erworben. Möge man ihm behülflich sein von allen Seiten, und mit ihm arbeiten fleißig und munter an dem guten und heilsamen Werke. Ein Jeder, Geistlicher wie Laie. Und wol — sind wir auch keine Moses um mit einem Schlage frischsprudelnd Wasser aus harten Steinen zu locken — dürsten doch gedoppelte Versuche, unter anderen Umständen, von mancher klugen Nutzanwendung begleitet, das Ihrige und Beste Hinzuthun. — B. b. Pretzburg, 11. Sept. (Preßb. Ztg.) Inden Zirkularsitzungen am 6., 7. und 9. September kamen die bürgerlichen Verhältnisse der Juden und das Erziehungswesen derselben zur Behandlung. Der Vorschlag der Kommission, den Gesetz-Entwurf vom vorigen Reichstage anzunehmen, vermöge dessen die Juden mit den übrigen nichtadeligen Einwohnern des Landes vollkommen gleichgestellt werden sollten, wurde mit 3» Stimmen gegen 13 verworfen, dagegen aber das Spezial-Gesetz angenommen, wonach die Toleranz-Taxe abgeschasst werden soll und die Juden auch in den Bergstädten wohnen, in allen königlichen Freistädten Grundbesitz erwerben, alle Künste und Wissenschaften betreiben, auch Advokaten, Apotheker, Ingenieure ec. werden, so wie an allen Orten Handel und Handwerke, vuch mit nichtjüdischen Gehülsen betreiben dürfen. In Betreff des Erziehungswesens wurden die Vorschläge der Volks-Erziehungs-Kommission angenommen und die Gründung eines Zentral-Rabbiner-Seminars in Pesth bewilligt.