Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 40 (30.9.1844)
- Date
- 1844-09-30
- Page
- Seite 562 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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562 Judenthum als gesetzlich aufgehoben. Es kann ja nur darüber noch Meinungsverschiedenheit herrschen, ob das Verbot Folge der Sitte, oder die Sitte Folge des Verbotes (des 3. Gerschom) war. Das wird aber bei der Antwort auf die vorgelegte Frage von weniger Erheblichkeit sein, und ich werde auch darüber mich nicht weiter verbreiten. — Eines aber halte ich für nothwendig: Mit mehren der früheren Redner jede Verdächtigung der ehrwürdigen Mitglieder der Sanhedrin, möge diese Verdächtigung von welchem Standpunkte sie wolle ausgehen, entschieden zurückzuweisen. Ich habe nichts dagegen, wenn man die Antworten der Sanhedrin bekämpft; aber die Gesinnung der Synode kann nicht angegriffen werden, ohne daß wir uns selbst (und dann mit Recht) der allseitigsten Verdächtigung aussetzen. Dazu möchte' ich noch fragen: Wird daß Judenthuw die Fragen, die den Sanhedrin vorgelegt wurden, anders beantworten, als dies von den Sanhedrin geschehen ist? — — PhLlippson: Es widerspricht sich, wenn Heß sagt: die französischen Sanhedrin haben über den rabbinischratwudischen Standpunkt hinweggesehen, da sie ja das Bürgerthum als rabbinische Juden verlangten. S. Adler bedauert, gegen die Kommission auftretrn zu müssen. Es wird ein neues Motiv geschaffen, warum die Polygamie verboten sei; dieses Motiv ist eine Wahrheit, aber nicht ein religiöses Gebot. Es möchte sich ein solches auffinden lassen in dem am arTDbtti am das ganze soziale Leben stehet religiös unter dem Staatsgesetze. Salomon: Wir haben ja nichts weiter gesagt. Das Landesgesetz ist aus der Sitte der europäischen Staaten entstanden. Wir haben nur ausgesprochen, daß das Judenthum sich überall den besseren Sitten anfüge. Heß bekämpft Salomon. Ich habe keineswegs gesagt, daß es die Absicht der Sanhedrin war, irgend ein rabbinisches Gesetz fallen zu lassen, sondern die Sanhedrin wählten zweideutige Aussprüche. Was Philippson gesagt, erledigt sich eben dadurch. Wenn Holdheim behauptet, die Sanhedrin hätten schon die Sitte der Zeit anerkannt, so ist dies dadurch als falsch nachzuweisen, daß jeder, auch der, der eine Frau hat, ja noch immer zur nirtri verpflichtet ist. Herrheimer: Nichts drangt uns über diese Frage zu diskutiren. Wir verlieren uns durch solche Fragen nur. Präsident bringt die Frage zur Abstimmung, ob die Debatte nicht zu schließen sei? Allgemein: Ja! Präs. Will die Versammlung dem ersten Ausspruch der pariser Sanhedrin beiflimmen? (Durch Majorität angenommen.) Präs. Soll die Fassung des Antrags dieselbe bleiben, wie die der pariser Sanhedrin? Die Majorität stimmt, den Ausspruch der Sanhedrin pure an zu nehmen. Zweite Frage: Ist die Ehescheidung erlaubt rc.? (Siehe den Antrag.) Aytrag der Kommission, übereinstimmend mit dem Antrag der Sanhedrin: Sie ist statthaft, doch nur mit Bewilligung der Landesgesetze. Rabb. 1)r. Wechselet: Ihm scheine bei dieser Fassung noch ein Glied zu fehlen. Wie, wenn der Staat sagt: Mein Gesetz soll gelten, unbekümmert um das Mische Gesetz? Ihn dränge zu dieser Frage nicht eine Theorie, sondern ein konkreter Fall! (Er tbeilt diesen mit.) (Schluß folgt.) Zeitungsirachrichteu. Oesterreich. Pefih, 12. September. (Privatmilch.) Die ungarische Rabbiner-versammlung hat sich bald nach drei Sitzungen aufgelöst. Wir haben keine übermäßigen Hoffnungen an dieses Projekt geknüpft, und haben sehr recht daran gethan. Wer könnte dies auch, kennt er nur unsere Verhältnisse halb. Entschlüpft Einem hie und da selbst bei solcher Sachlage ein friedfertiges besänftigendes Wort, so muß dies nur einer gewissen Pietät zugeschrieben werden, die Einen oft unwillkürlich beschleicht, aber dann gewiß nicht an ihrem Platze ist. Diese Rabbinerversammlung hat weder Beschlüsse gefaßt noch vorbereitet. Zweck und Ziel schwebte der Majorität nur dunkel vor, und so hat sie auch Alles auf eine analoge Weise erreicht. Man ist zusammengekommen ohne recht zu wissen was man will und was Noch thnt, und ist mit demselben reichen Bewußtsein wieder auseinandergegangen. Der Ausnahmen nur wenige. Wenn wir sagten, daß die Männer sich erst haben mit einander verständigen wollen, so durfte man dies auch nicht im umfassenden Sinne des Wortes nch-