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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-09-30 · Heft 40 (30.9.1844) · p. Seite 561

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 40 (30.9.1844)
Date
1844-09-30
Page
Seite 561 (sequence 5)
Language
German
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561 im Grabe schlummern, ernstlich widersprechen. 1) Das Synedrium bestand aus ehrlichen Männern, die Gott mehr fürchteten als den Khnig, Männern, die auch einem Napoleon gegenüber den Muth hatten, keinen Finger breit von der Wahrheit zu weichen. Der Nassi Rabbi David Sinzheim wurde einen Tag vor seiner Abreise von frommen Freunden besucht, denen er sagte: Ich lasse mir nicht einmal den 2Z722S vom Chanuka-Eisen gegen meine Ueberzeugung nehmen. Sie wissen, meine Herren, was das sagen will und welche Skrupulosität sich hierin ausspricht. 2) Haben die Sanhedrin Alles, was sie zu Protokoll gegeben, mit Gründen belegt, die hoffentlich den Meisten unter Ihnen nicht fremd sein werden; die Sätze, die sie aufstellten, sind nicht etwa kategorische Imperative. „So wollen wir's! So muß es sein!" Keinesweges. Daß das Synedrium übrigens 3) den von Samuel aufgestellten, von Vielen mißverstandenen Grundsatz Nj-h in seiner wahrsten und klarsten Bedeutung aufgefaßt und applizirt wissen wollte, bedarf kaum der Erwähnung. Holdheim: Was Heß über die Verschiedenheit des Standpunktes der Sanhedrin in Paris und der heutigen wissenschaftlichen Rabbinen behauptet, dagegen muß ich bemerken, daß wenn auch der Talmud für uns keine Autorität haben sollte, so wollen wir doch keinesweges die geistige Thätigkeit zweier Tausend Jahre vernichten. Wir sagen nur: Das, was nach unbefangener, besonnener Kritik dem heutigen religiösen Bewußtsein widerspricht, hat keine Autorität. Wir haben nur zu prüfen, ob jene Aussprüche im rabbinischen Judenthum begründet sind, denn wir dürfen nur da über den Talmud hinausgehen, wo das Bewußtsein der Zeit schon über ihn hinausgegangen ist. Ich verwahre mich gegen jete Verdächtkgung des Talmuds. Der Ausspruch, daß die Polygamie im Iudenthum verboten sei, ist der Wahrheit nicht ganz angemessen. Die Synode des Gerschom sagt nicht: die Polygamie ist verboten; sondern sie verbot sie unter der Strafe des Bannes. Der Bann gilt nicht mehr. Wie können wir also sagen: Die Polygamie ist im Judenthum verboten? Daher der Vorschlag der Kommission, daß das Iudenthum alle bessere Gestttung der Zeit Ln sich ausnehme. Der Geist des Judenchums verbietet die Polygamie. Aussprüche der Sanhedrin haben nur für ihre Zeit bestätigt, was die Synode des Gerschom für die ihrige ausgesprochen hat. Form siecher schließt sich an Heß an. Ich beginne bei allen Motionen, daß wir ein Prinzip haben müssen, von welchem wir ausgehen sollen. Sonst kommen wir nie zu Resultaten. Auch gegenüber den Gemeinden bedürfen wir ein Prinzip.- Sonst kann man uns unsere Wirksamkeit immer verdächtigen, immer eine Stelle aus irgend einem hebräischen Buche uns entgegenstellen. Auch den Regierungen gegenüber bedürfen wir eines Prinzips, um die Fragen zu entscheiden, die vor sie gebracht werden. Auch den Stänbekam me rn gegenüber brauchen wir ein Prinzip. Die Rabbinen enthalten Alles, was man uns vorwirst. Ich will kein GLaubensbekenntniß, wie mir Hirsch unterschiebt, aber ein Prinzip, eine Norm gebende Regel, nach welcher wir uns bewegen, müssen wir haben. vom. Präs, ermahnt, Loch an die Tagesordnung sich strikte zu halten. Her;selb: Ich glaube allerdings, daß das Sanhedrium wenn auch nicht unehrlich war, doch gewisse resmationes hatte. Die Männer der Sanhedrin ließen sich durch die Macht Napoleons Lmponiren, nicht etwa um Etwas aus dem Gesetze aufzuheben, aber doch um auf die stufenweise Autorität des Alters der Schriften: Bibel, Talmud, :c. Rücksicht zu nehmen. Sie hatten, durch die Macht Napoleons bewogen, die späteren Autoritäten nicht berücksichtigt. Ec führt den Beweis, daß die europäischen Juden selbst schon über die Polygamie erhaben waren. Es soll daher nicht von einem Anschließen an die europäischen Sitten die Rede sein. Salomon: Daß das Synedrium die späteren Schriften unberücksichtigt ließ, gereicht ihm zur Ehre, und die Rabbinen unserer Zeit sollten es sich merken und nicht jeden gedruckten Ausspruch für verbindlich, oder gar für heilig halten. Was das europäische Bewußtsein betrifft, so wollte die Kommission nur sagen, daß keine Synode dem Volke etwas aufdrängen kann, was nicht im Bewußtsein des Volkes liegt. Schott: Der Entscheidung der Sanhedrin über Polygamie schließe ich mich an. Die Sanhedrin bewiesen, daß nach den Gesetzen des Talmuds der Fortschritt möglich ist; wir können fortschreiten auf dem Standpunkte des talmudisch-rabbinischen Judenthums, und Harum werde ich immer Angriffe auf den Talmud entschieden zurückweisen. Frankfurter: Der Ausspruch der Kommission und der der Sanhedrin stimmen im Wesentlichen überein: auch die Versammlung erklärt die Polygamie im europäischen

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