Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 40 (30.9.1844)
- Date
- 1844-09-30
- Page
- Seite 560 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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560 dienst einer bestimmten Religion muß immer die historische Gestalt festhalten. Die hebräische Sprache muß daher neben dem Deutsch- Nationalen bleiben und mit ihm organisch durchdringen. Wir wollen Deutsche sein und auch Juden. Ein jedes Volk hat seine Mission in der Geschichte. Auch die Juden haben ihre Mission. Sie sind das Religionsvolk. Für diese Mission bedurfte es einer besondern Sprache. Die hebräische Sprache ist die vollendete Religionssprache. Sobernheim: Das öffentliche Gebet ist nicht der Ausdruck des Einzelnen, sondern der Synagoge. Daher müssen die Lehren und religiösen Anschauungen der Synagogen befragt werden. Manches in den Gebeten eignet sich nicht für die Synagoge und die Zeit. Ist für den Antrag. Wir müssen nur die Wahrheit beten. Die Messiasidee soll beibehalten werden, aber nicht die des politischen Messias. Heiden heim: Der eigentliche Standpunkt des Volkes muß mcbr beachtet werden. Wir wollen für das Volk reformiren. Daher muß man sich an die Vergangenheit anschließen. Er ist für organische Verschmelzung des Deutschen und Hebräischen. Ben Israel: Die sechs Punkte rufen noch andere Fragen hervor. vom. Präs, schlägt die Schließung der Debatte vor, indem sie erschöpft genug wäre, um die VorbereitungSfragen zu entscheiden. Majorität: Die Debatte ist erschöpft. Soll eine Kommission ernannt werden, und aus wem soll die Kommission bestehen? Die Kommission soll aus fünf Mitgliedern bestehen, in welche gewählt wurden: Kirchenrath vr. Maier mit 20 Stimmen vr. Herzfeld mit 13 - Rabbiner Bodenheimer mit 11 - vr. Hold heim mit 10 vr. Salomon mit 8 - Wir theilen nun noch zum Schluffe die Protokolle über die zwölf Antworten des französischen Sanhedrins mit. Neunte Sitzung. Gegenstand der Verhandlung: 1) Kommiffionsbericht über den Antrag des Herrn vr. Philippson, betreffend:. Die von Seiten der Versammlung zu ertheilende Bestätigung der Antworten, welche von den pariser Sanhedrin im Jahre 1807 auf die von Napoleon denselben vorgelegten Fragen gegeben wurden. Kommissions-Mitglieder: vr. Hold he im. vr. Salomon. vr. Frankfurter. Berichterstatter: vr. Salomon. Derselbe verliest die betreffenden Fragen sammt den ursprünglichen Antworten und darauf dann jedesmal die resp. Modifikationen der Kommission. 1) Ist es den Juden erlaubt :c. Antwort der Sanhedrin: Nein rc. Antrag de^Kommission: Sie ist im Wesen mit der verneinenden Antwort einverstanden. Nur bemerkt sie hierbei: Jener Synodalbeschluß (auf welchen die Sanhedrin sich berufen) würde für die Gesammtheit keine Verpflichtung haben gewinnen können, wenn die europäischen Sitten, an welche dem Judcnthum gemäß seine Bekenner sich gerne anschließen, nicht bereits die Polygamie als etwas dem Leben zivilisirter Völker Entgegenstehendes und darum als unstatthaft erkannt hätten. Heß: Er habe schon einmal geäußert, daß er die Anträge der pariser Sanhedrin aus dem Gesichtspunkte betrachte, daß diese sie aus einiger Verlegenheit gegeben haben. Vom talmudisch-rabbinischen Standpunkte konnten sie dieselben nicht so recht geben, sie nahmen aber Rücksicht auf das Bedürfniß der Gemeinden. Tie Antworten sind darum zweideutig und so zweideutig, daß man sie doppelt auslegen könne. Ich habe mich daher von vorne herein dagegen erklärt, auf jene Beschlüsse der Sanhedrin zurückzukommen. Wir wollen das Bewußtsein unserer Zeit aussprecken, das weiter ist, als der Standpunkt der Sanhedrin. Ich möchte jedoch das Gute festhalten, welches aus jenen Antworten erwachsen könnte, nämlich die bessere Aufklärung unseres Verhältnisses zum Staate. Bin im Ganzen für den Antrag der Kommission, kann mich aber nicht für die Meinung erklären, daß die pariser Sanhedrin nach voller Ueberzeugung ihre Antworten überhaupt gegeben haben sollen. Salomon: Herr vr. Heß lehnt sich jetzt gegen den Antrag auf. Der Antrag aber ist bereits angenommen und einer Kommission überwiesen; es ist also nicht mehr die Rede, sich gegen den Antrag zu erklären. Heß sagt indeß: die Sanhedrin hatten Rücksichten zu nehmen, dem muß ich zur Ehre der Männer, von denen mehrere schon