Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-09-30 · Heft 40 (30.9.1844) · p. Seite 559

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 40 (30.9.1844)
Date
1844-09-30
Page
Seite 559 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3225335-3225376--06343-3315154
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

559 spricht sich nicht deutlich darüber aus, und so muß und mag denn auch Jeder sich seine Ideen darüber bilden, daher mögen die Gebete gerade die Unbestimmtheit der Bibel Lu dieser Beziehung beibehalten. Der Glaube an Messias soll ferner ausgedrückt sein Ln den Gebeten, aber man soll nicht immer bitten um diese Zeit. Dasselbe haben wir ja Ln der SegenSformel trn?: rprt"2. Auch über den Opferkultus möge es unbestimmt bleiben. Die Frage 3 sollte seines Erachtens umgekehrt werden, nämlich ob otVs Mran beibehalten werden solle. Was nsiiz) und nVf:> betrifft, so sollte gefragt werden, ob es. überhaupt nicht angemessen sei, das ganze Zeremoniell, das nur künstlich vor dem Lächerlichen bewahrt werden kann, in eine zeitgemäße Form umzugcstalten. Welches Recht wir haben"? Es ist das Recht der Tradition, nach temporellen und lokalen Verhältnissen das biblische Zeremoniell zu modifiziren. Es wurde oft gefragt, woher uns dieses Recht gekommen sei? Maimonides allein ist der Urheber dieser Meinung. Der freie Wille des Volkes hat die Talmudisten anerkannt, der freie Wille des Volkes wird auch uns anerkennen. Wir sind auch Talmudisten. Wir können daher dasselbe Recht in Anspruch nehmen. Der sechste Punkt, die Orgel — so muß man vorerst fragen, ob sich für den jüdischen Kultus die Orgel eignet? Wird das bejahet, so ist kein Zweifel, daß die Orgel zuzulassen sei. Holdheim: Die Frage ist ja nicht, ob "isra und abzuschaffen sei, sondern ob es im öffentlichen Kultus entweder zu verbessern, oder nur dem Privatgottesdienste zu überlassen sei. Maier sucht die Debatte wieder einzulenken. Alle diese Fragen gehören einer zweiten Kommission, die die Vorarbeiten schon benutzen kann, welche die erste gestellt. Von mehreren Seiten: Es sollen ja auch der vorbereitenden Kommission nur Anhaltepunkte gegeben werden. Herzfeld: Es hat geschienen, als hätte ich am meisten gegen die hebräische Sprache gesprochen. Ich habe sogar für die späteste Instanz immer noch ein Residuum von Hebräischem festgehalten, z. B.; Jniöinp u. dgl., und auch nur ganz allmälig soll das Hebräische, zurücktreten, damit die Aeltercn nicht zu sehr abgestoßen würden, aber nie ganz schwinden. Der Ausdruck, Wiederholung der rrv^ N2172W sei zu entfernen, weil er glaube, daß hieraus geschloffen werden könnte, die stehe über allem Zweifel, und dieser Ausdruck des geehrten Antragstellers die Kommission, welche mit Recht ihn für eine gute Autorität ansehe, irre leiten könnte. A. Adler: Der menschliche Geist hat sich um zwei tausend Jahre bereichert. Für unsere religiösen Bedürfnisse .ist die hebräische Sprache zu arm. Der Deutsche soll gerade deutsch, der Franzose französisch sprechen. Was das Dogma vom Messias betrifft, so verwechselt man den persönlichen Messias mit dem nationalen. Nur dieser sei zu verwerfen, jener festzuhalten. Er sei der Ansicht, daß die meffianische Idee in den Gebeten ausgenommen werden soll. Holdheim: Auch ich bin nur gegen einen politischen, nicht gegen einen persönlichen Messias. Schott: In den Hauptsachen denke ich so: Wir haben die Erfahrung gemacht, daß ein hochgestellter Mann in unserer Mitte eine Synagogenordnüng uns zur Begutachtung vorgelegt hat, die den -rno doch nicht aufhebt, folglich ist es noch nicht an der Zeit, den Siddur umzuändern. Es kann freilich in der Muttersprache gebetet werden. Aber die hebräische Sprache soll als heilige Sprache beibehalten werden und daher auch für das Heiligste, für den Gottesdienst. Auch ist sie nöthig, daß Jeder die heilige Schrift selbst lesen könne. Ich halte jeden Beschluß, der über die Autorität des Talmuds hinausgeht, für unverbindlich. — Maier: Wir müssen für das Bedürfniß sorgen, so lange es noch zu befriedigen möglich ist. Heß: Wozu hat Holdheim die Zustimmung der Versammlung zu der von ihm eingeführten Synagogenordnung verlangt? Hold heim: Ich habe die Zustimmung dieser Versammlung verlangt zur Beruhigung Einiger ün meinen Gemeinden. Ich hoffe aber, daß in zehn Jahren schon meine Gemeinde so weit sein wird, daß sie auch einen weitern Fortschritt als Bedürfniß erkennen wird. Philippson: Wir müssen schon bei der Wahl einer Kommission wissen, wie jeder über den von ihm zu behandelnden Gegenstand denkt. Der große Riß, der im Judenthume herrscht, ist nicht zu übersehen. Eine re vidi rte Synagogenordnung befriedigt nicht. Don der andern Seite ist es unendlich schwierig, eine neue Synagogenordnung einzuführen. Selbst die am Meisten dem Reuen zugethan sind, wollen den alten Kultus zuweilen fest gehalten wissen. Unser Beruf ist der der Vermittelung. Wir müssen vom praktischen Standpunkte ausgehen, für die Zukunft arbeiten, aber auf dem Boden der Vergangenheit. Religion in der Brust des Menschen ist Idee; im Kultus tritt die Form der Idee auf. Gottes.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.