Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 40 (30.9.1844)
- Date
- 1844-09-30
- Page
- Seite 558 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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558 ©olbmann: Maier glaubt, die Mängel der Zeit nur der mangelhaften Liturgie zuschreiben zu müssen. Israel ist seit 2000 Jahren leidend. Aufrecht erhalten haben es nur die heiligen Urklänge der heiligen Sprache. Wo der Jude hinkam, hörte er banur 2WJD. Zu unserer Zeit ist es anders. Aber das ist die Schuld der Lehrer, die für die Religion keinen Sinn haben. Unsere Jugend muß vor Allem Hebräisch lernen und dann Lateinisch. Daher hilft der Tempel nichts, und die polnische Synagoge wirkt mehr, wie ich in Leipzig gesehen. Da sehe man nur, wie der fromme polnische Jude aus der Synagoge, obschon in derselben Unordnung herrscht, erbaut und beseligt am Freitag Abend nach Hause kommt, sein 22^b2 üibtt singf 11. s. w. 11. s. w. Dagegen die Tempel trotz der herrlich, sien Ordnung die irreligiösesten Besucher haben. Die Tempel sind anständig, die polnischen Synagogen religiös. Unsere Gebete sind sehr gut, wir müssen nur wirken, daß sie verstanden werden. Salomo«: Auch ich fühle die tiefste Verehrung für das Alte und die Alten und würde unbedingt für beide sprechen, wenn die von dem werthen Redner so eben gemachte Schilderung wahr wäre. Wol giebt es unter denen, die in einer polnischen Synagoge, der regellose«, unanständigen Form ungeachtet, den Gottesdienst begehe«, fromme und gottesfürchtige Männer, aber ich frage erstens: kam ihnen die Frömmigkeit aus der — Unorb* n « n g? aus der U nanständ ig kei t? aus dem Schreien und Lärmen? aus den — todten hebräischen Buch st a ben, die sie rezitiren? Zweitens aber: Giebt es unter denen, die die alten Synagogen besuchen, keine Nichtswürdige? keine Gottvergessene? Wen will der Herr Rabbiner Goldmann bereden, daß Alle die in der alten Synagoge mit „gen Himmel gehobenen Augen," mit Geberden und Grimassen: „Herr.' Herr! rufen, in der That des Herrn sind und in des Herrn Wegen wandeln? Ach, ich kenne viele, die, nachdem sie den Sabbat, wie Herr G. es geschildert, mit dem Gruße: üib'22 Komme in Frieden!" eingeleitet, einige Minuten später Weib und Kinder mißhandeln, Zank und Hader stiften; viele, die ibr n2*2 *ppn in hebräischchaldäisch-syrischer Sprache wörtlich rezitiren und sich dennoch am Sabbat und trotz dem Sabbat gar arge Tinge erlauben — an diesem heiligen Sabbat! — Ich kenne viele, die alle vierundzwanzig Mischnaabschnitte vom Traktat Sabbat mit großer Andacht hersagen und gleich bei dem ersten D^rra nsiDn mna Zwei Ellen statt vier verkaufen — am Sabbat!! Und Herr Goldmann will uns jenen verfallenen Gottesdienst zum Muster empfehlen? Ist der sanfte und heilige Geist der hebräischen Sprache in der That bei allen denen anzutreffen, die in dieser Sprache beten und weil sie in dieser Sprache beten? Salomon schildert nun die heilsamen Wirkungen, die die von Goldmann angegriffenen Tempel in Hamburg und Leipzig erzeugt, weist diese Wirkungen nach im praktischen Leben und fährt fort: Wol wäre es gut, wenn die Jugend so viel hebräisch lernte, daß sie Bibel und Gebetbücher im Original verständen. Aber abgerechnet, daß bei dem Allen das weib? liche Geschlecht leer ausgehen würde, so frage ich: Wo soll denn Zeit für die unentbehrlichen wissenschaftlichen Gegenstände Herkommen? Ich frage: Warum giebt es in unseren Tagen so viel Rabbinen, die es im Hebräischen und Talmudischen nicht so weit gebracht haben, wie ihre Vorgänger? Weil sie Griechisch und Lateinisch und mehrere Wissenschaften studiren, und sie müssen sie siudiren, weil — die Zeit es fordert! der Beruf es fordert! Und unsere Kinder, die sich nicht zu Rabbinern bilden wollen, kein Studium aus der hebräischen Sprache machen können, die sollen die unentbehrlichen Kenntnisse Liegen lassen und hebräisch erlernen?! Da sie auch in der Muttersprache — beten können, beten dürfen!? S. Adler: Es ist ein alter Grundsatz: aoo yns mirj bbsb 82o?5 bbsb Wir wollen den Weg der Ruhe einschtagen. Es ist die Frage gestellt über sechs Punkte, die einer Kommission überwiesen werden sollen. Von dem Anträge, Glaubensartikel aufzustcllen, tritt er zurück. Also: hebräisch oder nicht hebräisch beten? Orthodoxer als die Orthodoxie braucht Niemand zu sein. Der Talmud erlaubt ja jede Sprache beim Gebet. Die nump, das c^p und viele andere sind ja nicht hebräisch, sondern chaldäisch. Esra hat schon die Belehrung bei dem Kultus cingeführt und die Tora zu übersetzen begonnen. Die Aufgabe ist nun, daß man nicht plötzlich etwas ganz Anderes an die Stelle des Gewohnten setze. Er macht den Vorschlag, daß alle biblischen Stellen hebräisch mit deutscher Uebersetzung, alles Andere deutsch werde. Ferner wünscht er aus Pietät, daß alle Tempelgebete berbehalten würden und zwar hebräisch. Nämlich die, die sich vor der Kritik als ächt erweisen. Was den Meffiasglauben betrifft, so ist dies ein Gegenstand vieler Streitigkeiten. Man weiß nicht warum? - Die heilige Schrift