Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 40 (30.9.1844)
- Date
- 1844-09-30
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 40. viii. Z-Hrganz. Allgemeine Zeitung des Zudenthums. Ein unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redakteur: Verlag von Dr. Ludwig Philippso«, Baumgärtners Buchhandlung Rabbiner zu Magdeburg. zu Leipzig. (Mit Königl. Sächsischer allergnädigster Konzession.) Leipzig, den 30..September 1844. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 98 Bogen in Quart inkl. des Titels, Registers u. s. w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste' Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 224 Ngr. (18 gGr.) für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungserpeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die Königl. Sachs, wohllöbl. Aeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitender Artikel: Die Protokolle der ersten Rabbinerversammlung. (Fortsetzung.) Zeitungsnirchrichten: Oesterreich: Pesth, Preßburq. Preußen: Berljn. Deutschland: Aus dem Großherzogthum Baden. Großbrita n nien: London. Australien: New-Sydney. Leitender Artikel. Magdeburg, den 24. September. Die Protokolle der ersten Rabbinerversammtung. (Fortsetzung.) Hold heim: Die gegenwärtige Debatte über einzelne Punkte hat das Erhebliche, daß die leitenden Ideen der Versammlung der Kommission bekannt werden! Ein Umstand, daß die hebräische Sprache das Band der Einheit sei, ist abzuweisen. Jene Sprache ist nur ein nationales Band, kein religiöses. Jemehr die Landessprache im Gottesdienste ausgenommen wird, desto mehr wird Klarheit in den Gottesdienst kommen. Wesentlich ist, das Opfcrgebct und die persönliche Auffassung des Messias als eines politischen Königs aufzugeben. Solange wir glauben, daß wir das Gesetz nicht erfüllen können in seiner Ganzheit, bis der ehemalige Staat wieder hergeflellt werde, ist unser religiöser Zustand ein durchaus anomaler. Dieser Glaube ist aber der der Talmudisten wie: ms tnsriB im J-pöe NLS , TSipÄ. Wie könnten und dürften wir in den Gebeten den alten Opferdienst zurückwünschen, da doch ein blutiger Opferdienst dem heutigen Bewußtsein des bei weitem größten Theils der Judenschaft widerstrebt. — Was man von einem talmudischen Judenthulue redet, ist überhaupt eine Illusion. Es giebt kein streng talm irdisches Judenthum. Die Wissenschaft hat entschieden, daß der Talmud in praktischer und dogmatischer Hinsicht keine Autorität habe. Selbst die es sich nicht bekennen wollen, setzen sich über den Talmud hinaus. Die Frage ist: Wer giebt uns das Recht eine Liturgie abzuändern? Darüber hat man sich bestimmt auszusprechen. Die ‘"'isss haben nur Autorität für ihre Zeit, was sie anordneten, war zeitgemäß, darauf beruhete die Sanktion ihrer Anordnungen. Wir haben dieselbe Autorität für unsere Zeit, wenn wir das Bewußtsein unserer Zeit aussprechen. Gegen Dogmen zwang, gegen das Glaubensbekenntniß erklärt sich der Redner, jeder Jude ist durch die Geburt verpstichtet; das Judenthum ist unveräußerlich und hängt von Auffassung eines Dogmas nach dieser oder jener Erklärung nicht ab. — Er führt dieses weiter aus und deutet Einiges über die bestimmtere Aufgabe der Kommission an, z, B. daß in der 2P2 die mittleren Segensprüche unsere deutschen Gesinnungen cmsdrücken sollten. Maier: Dieses kann noch nicht der Gegenstand der Vorbereitungskommission sein, welche zur Entwerfung der Liturgie gewählt werden wird. Uebrigens sei es erfreulich, daß die Versammlung den Antrag in seiner ganzen Wichtigkeit erkennt.