Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-09-23 · Heft 39 (23.9.1844) · p. Seite 553

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 39 (23.9.1844)
Date
1844-09-23
Page
Seite 553 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3225335-3225375--06336-3315146
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

553 lisch guten Ruf genießen; sie werden religiöse Bürgschaften fordern, israelitische, die allein als Diplom unseren Administratoren dienen werden. Wir sind Gott sei Dank! weit entfernt von jenen traurigen Zeiten und Landern, wo man mußte, wo man noch muß an die Spitze der Gemeinden reiche Männer stellen, die große Handelsverbindungen haben, um die lüsterne Intoleranz unsrer Unterdrücker zu befriedigen, und der unwissenden und fanatischen Menge durch die Macht des Goldes und den Glanz der Titel zu imponiren. Wir sind die Söhne des Vaterlandes der Intelligenz und Zivilisation; warum sollen wir unsere heiligsten Interessen, das Heil unsres israelitischen Lebens und die religiöse Zukunft unsrer Kinder Männern anvertrauen, die keine anderen Bürgschaften darbieten, als ihre finanzielle Stellung? Wenn die politischen Wähler sich vereinigen, um einen Deputirten zu wählen, so richten sie an den Kandidaten zahlreiche Fragen, suchen in seinem ganzen Leben Beweise moralischer und intellektueller Würdigkeit, und geben ihr Votum nur gegen formelle, feierliche Verpflichtungen, durch welche der sich Bewerbende sich verbindet, nur eine gewisse Meinung zu unterstützen und eine bestimmte Sache zu vertheidigen Was man für die Politik thut, verdient die Religion sicherlich in eben so hohem Grade. So werde der, welcher die Ehre den israelitischen Kultus Frankreichs zu verwalten in Anspruch nimmt, durch die Notabeln befragt, ob er treu, gewissenhaft die heiligen Pflichten dieses Amtes versehen wolle, ob er mit Sorgfalt über unsre Primärschulen, über das Betragen unsrer Kultusbeamten, über die Bedürfnisse unsrer religiösen Organisation wachen, endlich — ob er unsre Tempel besuchen wolle? „Der Furchtsame und Zaghafte soll zurückkehren nach seinem Hause, damit er seine Brüder durch seine Schwäche nicht entmuthige," ruft Moses beim Beginn eines Kriegszuges aus. Wir sagen dasselbe den Konsistorialkandidalen: diejenigen, welche nicht den Muth haben ernstlich zu kämpfen, offen, für die Interessen.unsres Glaubens, die sich schämen, unserm Glauben, unserm Gotte anzugehören, mögen in ihre Komtoire zurückkehren und die Ansteckung der Gleichgültigkeit im Lager >Jsrael's nicht weiter tragen! sDieser treffliche Artikel ist allen jüdischen Gemeinden zur Beherzigung zu empfehlen! Die Redaktion.) Holland. Amsterdam. Die .4rcli. isr. de Fr. setzen ihre Schilderung der amsterdamer Gemeinde, woraus auch wir einen Auszug gegeben, fort. Die Quelle des Uebels, heißt es, ist der geringe Unterricht der armen Klasse der holländischen Israeliten, obschon die Jugend schon große Anstrengung gemacht hat, sich davon zu befreien. Die lebenden Sprachen und das Holländische werden bereits in Amsterdam stark kultivirt, und in den letzten Zeiten haben sich die Herren Lehmann, Muldcr und Polak durch gute Uebersetzungen und hebräische Arbeiten ausgezeichnet. Am meisten wird in Holland der fwtm nr'erL u. dgl. noch gelesen, woraus man auf die Bildung der Leser schließen kann. Die niedrige Klasse spricht das Holländische sehr schlecht. Die Magidim der Chebroth predigen in einem Gemisch aller Sprachen, und diese Vortrage tragen viel dazu bei, das Kauderwelsch zu erhalten. Die Rabbinen predigen — was übrigens selten geschieht — deutsch. Die portugiesischen Juden bleiben ebenso stationär wie die vom deutschen Ritus, und haben seit langer Zeit keinen Rabbinen. Die Gemeindeverwaltung ist aus Männern beider Ritus zusammengesetzt; dennoch ist die Trennung zwischen beiden sehr merklich. Der portugiesische Tempel gilt für den prächtigsten der Welt; sie haben auch einen besondern Gottesacker. Niemals setzen sie einen Fuß in eine Synagoge der Deutschen, welche letztere nicht so exklusiv sind. Die portugiesischen Israeliten sprechen holländisch, aber in besonderer Art, unter sich sprechen sie spanisch oder portugiesisch, in welchen Sprachen sie auch predigen; reicher, sorgen sie für ihre minder zahlreichen Armen sehr sorgfältig. Sie haben ein Spital für Greise und Greisinnen und ein Waisenhaus. Die deutschen Juden haben drei Gottesäcker, der für die Armen wird von Wasser überschwemmt, der für die Reichen liegt auf einem Hügel, die Rabbinen haben eine eigene Reihe. Nichts ist schöner, als das Spital der deutschen Israeliten (wipii), ein weites Gebäude mit hundert Betten; Alles, -was das Alter und die Krankheit erleichtern kann, findet sich darin. Eine besondere Abtheilung ist für die Wahnsinnigen,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.