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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-09-23 · Heft 39 (23.9.1844) · p. Seite 554

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 39 (23.9.1844)
Date
1844-09-23
Page
Seite 554 (sequence 14)
Language
German
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554 auch umschließt das Gebäude eine Synagoge. Der öffentlicbe Kultus hat noch keine Verbesserung erhalten; Geschrei und Unordnung herrscht in den Synagogen; kömmt man von Brüssel nach Amsterdam so fallt dies schmerzlich auf. Alle bisherigen Versuche haben noch keinen Erfolg gehabt. Rußland und Polen. Warschau, 6. September. Den Industriellen Polens und denjenigen Juden des Königreichs, welche sich in einem näher bezeichnten Grade der Landwirthschaft befleißigen, ist durch den kaiserlichen Ukas vom 17. August eine, in silbernen resp. goldenen Medaillen bestehende Auszeichnung zugesagt worden. Warschau, Anfangs September. Unweit der Stadt Tomaschow, im Gouvernement Masowien, soll durch den Israeliten Abraham Eldinger eine jüdische Kolonie gebildet werden, wozu die Negierung eine Strecke Landes hergegeben hat, dessen neue Bewohner sich hauptsächlich dem Fabrikwesen und Akkerbau zu widmen haben. Größtentheils werden arme und verwaiste Kinder den zu kolonisirenden Landstrich bevölkern, Letztere sollen neben ihrer Beschäftigung beim Landbau und in den Fabriken auch den nöthigen Schulunterricht erhallen. Wilna, Anfangs September. Die Allgemeine Preußische Zeitung enthält folgenden, gewiß sehr einseitigen Bericht von hier. „Der kaiserliche Ukas wegen Verbesserung des Zustandes der Bauern in den geistlichen Gütern wird für unsere Magnaten ein neuer Sporn, auch die Verhältnisse ihrer Untergebenen einer freundlicheren Entwickelung zuzusühren, damit diese nicht gegen die Zinsbauern der Klcrikalgüter zurückstchen. Die Pächter der letzteren benutzten bisher die wenig geordneten Verhältnisse zwischen Eigemhümer, Nutznießer und Nutzgeber oft genug zu Mißbräuchen gegen diese und machten die Lage ungleich unbequemer, als die der adligen Bauern ist. Auch die von Seiten der Regierung ausgehende Anregung der jüdischen Einwohner zum Landbau kann ohne Zweifel eine sehr eingreifende Wirkung thun, und namentlich ist das Versprechen von Belohnungen für solche Israeliten, welche sich bis zu einem gewissen Grade der Landwirthschaft befleißigen, ein wichtiger Moment der Erweiterung für diesen Industriezweig. Da man jedoch die Schwierigkeit erkannt, welche den Uebergang der Israeliten vom Handel zum Ackerbau hemmt, so hofft man allgemein, daß die Regierung, um einen Theil dieser Schwierigkeit zu heben, bei der namentlich jetzt auf die Konsumtion geistiger Getränke gerichteten Aufmerksamkeit den Juden die Konzessionen zum Ausschank dieser Getränke entziehen, resp. deren Ertheilung beschränken werde, um der jüdischen Bevölkerung eines der wichtigsten Erwerbselemente abzuschneiden und dieselben dafür auf einer andern Seite durch Abtretung von Ländereien zu entschädigen. Aus solchem Gesichtspunkte verliert die Maßregel der Verpflanzung der Juden von den Grenzen des Reichs in dessen Inneres den Anschein ihrer Härte. Zieht man den bisherigen, fast regelmäßigen Zustand in Betracht, daß der jüdische Propinalor als unentbehrlicher Schatzmeister des Grundherrn eine fast unbeschrankte Macht über dessen Untergebene ausübt und den Letztern in seinem Interesse die geistigen Getränke mit List und Gewalt aufnöthigt, sich auf diese Weise den wesentlichsten Genuß ihrer Arbeit verschafft und die Erweiterung des Müßigganges und der Jmmoralität für seinen Hauptoortheil ansieht, — so wird man unfehlbar in den Wunsch einstimmen, daß den Juden der Erwerbszweig des Branntweinschanks entzogen werde. In dem Gouvernement Wilna sollen auf 139 christliche Kaufleute 921 jüdische kommen, und mehr als zwei Drittheile der Letzteren sich mit dem Verkaufe von Spirituosen beschäftigen, was denn die Erscheinung erklären dürfte, daß das wilnaer Gouvernement diejenige vormals polnische Provinz ist, welche durch den Verkehr mit Spirituosen am meisten gelitten hat. Mehrere unserer reicheren Gutsbesitzer machten mit der Entlastung der Juden, aus ihren Propinationen einen erwünschten Anfang, und die Folgen haben sich schnell in der Hebung des Wohlstandes ihrer Untergebenen gezeigt." Krakau. Krakau, 1. September. Oeffentliche Blätter berichten Folgendes, worin wir aber bei der Lage der Dinge, die in unserer Zeitung öfter schon geschil-

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