Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 39 (23.9.1844)
- Date
- 1844-09-23
- Page
- Seite 552 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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552 Deutschland. Schleswig, 7. September. In der 34sten und 35stcn Sitzung der Stände fand die Schlußberathung über den Gesetzentwurf zur Einführung allgemeiner Wehrpflicht statt. In einem Berichte der D.A.Z. heißt es: „Die Juden wurden mit 27 gegen 13 Stimmen von der Wehrpflicht ausgeschlossen. Die Frage hinsichtlich der Wehrpflichtigkeit der Juden führte zu einer scharfen Debatte, in der namentlich Beseler sich dahin aussprach, daß eine Ausschließung der Juden von der Ehrenpflicht der Wehrpflicht eben so viel heiße, als dieselben für ehrlos erklären, und daß es einer christlichen Versammlung schlecht anstehcn werde, die Juden auf solche Weise zu Parias zu stempeln. Er führte dann Beispiele von verschiedenen Juden an, die sich im Militär ausgezeichnet hätten, während der Pastor Lorenzen sich von seiner Abneigung gegen Judenemanzipation so weit Hinreißen ließ, daß er als einen Hauptgrund der Ausschließung der Juden ihre sprüchwörtlich gewordene Feigheit aufführte." — Auf eine solche Beschuldigung mögen Frankreich, Holland und Preußen antworten l Ob der General Chassö die Sache besser versteht, als der Pastor Lorenzen? Daß sich der Haß doch immer lächerlich macht! Neukglden, 8. August. (Verspätet.) Gestern beging die jüdische Gemeinde auf eine wahrhaft erhebende Weise die Einweihungsfeicr ihrer neuen Synagoge, welche, verbunden mit vier Wohnungen für jüdische und christliche Arme, die hier geborenen und jetzt in Hamburg und Altona wohnenden Gebrüder Saatfeld ihren verstorbenen Eltern zu Ehren erbauen ließen, und dies führte nicht nur aus den nahe-, sondern selbst fünf bis sechs Meilen fernliegenden Oertern so viele Fremde herbei, wie unser Städtchen zu einer Zeit gewiß noch nie in seinen Mauern gesehen hat. Die Gründer der Synagoge, der Herr Dr. Kley und der Landesrabbiner Herr Dr. Holdheim waren bei der Feier, die letzterer auf die würdigste Weise leitete. Nach der Feier überreichte eine Gemeindedeputation eine Dankadresse den Brüdern Saatfeld, die ein solennes Mittagsmahl und einen Ball gaben. Preußen. Berlin, 5. September. Die Aachener Zeitung enthält folgenden Artikel: „Das neue Judengesetz soll nunmehr beendet sein und nächstens veröffentlicht werden. Die dazu auf gesandtschaftlichem Wege aus den Ländern, wo die Juden emanzipirt sind, eingezogenen Erkundigungen lauten alle sehr günstig und weder Frankreich, noch Belgien und Holland sprechen irgendwie aus, daß sie die Gleichstellung der Juden mit den übrigen Staatsbürgern zu bereuen hätten. In den neuen Gesetzen soll nichts verändert sein, was sich auf das Prinzip, das man gegen die Juden bisher befolgte, beziehe; man hat nur mehr Uebereinstimmung in die achtzehn Judenverfassungen Preußens und die mehr als 1000 Kommentare und 600 Kabinetsordres, welche die verschiedenen Judenverfassungen seit 1812 nöthig gemacht haben, zu bringen gesucht, überzeugt, daß die den Juden bisher eingcräumten Rechte genügend seien. Sie bleiben an jedem Ort vom Staatsdienst ausgeschlossen." Frankreich. Paris, 25. August. (l’Univ. isr.) Die reglementarischc Ordonnanz vom 25. Mai soll nunmehr zur Ausführung kommen. Die Notabeln werden berufen werden, um die Konsistorialadministrationen zu reorganisiren, und den israelitischen Kultus Frankreichs Männern anzuvertrauen, welche ihr Gewissen ihnen als würdig einer so heiligen, so hohen Mission bezeichnet haben wird. Die Zeit ist gekommen, wo die französische Synagoge kann und soll aus dem Zustande der Vernachlässigung und Verlassenheit gerettet werden, in welchem eine fehlerhafte Gesetzgebung und die ausschließliche Herrschaft des Geldes sie vegetiren ließen. Die Herrschaft der Intelligenz wird die Macht des Materialismus, das Gehenlassen der Jrreligion, und, was noch schlimmer ist, die dummen Anmaßungen der Unwissenheit lähmen und, wir hoffen es, besiegen. Die Notabeln werden die wahrhaften Repräsentanten unsrer Glaubensgenossen sein; eine sehr heilige Pflicht ist ihnen bewahrt. Sie werden damit nicht zufrieden sein, daß die zukünftigen Mitglieder unsrer Konsistorien großes Vermögen besitzen, und einen mora-