Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 39 (23.9.1844)
- Date
- 1844-09-23
- Page
- Seite 551 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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551 unwesentlichen Zuthaten, welche als Ausgeburten finsterer und trüber Zeiten sich unserer edlern Gestaltung mehrfach aufgedrungen, eben so leicht abzustreifen, als wir für die Aufrechthaltung des Wesentlichen unsere letzten Kräfte aufzuopfern entschlossen sind, so können wir den muthwilligen, leichtsinnigen und anmaßenden Angriffen, welche die Zügellosigkeit oder die Unkenntniß auf unser Heiligthum wagen mag, mit Gott noch immer die Spitze bieten, der scheinbare Widerstreit wird mit Gott von selbsten beigelegt, und so wird etwas Bleibendes für Gott gethan. Ich brauche Euch, meine hochgeehrten Amtsbrüder, nicht erst zu sagen, daß unter allen äußeren Institutionen die Anliegenheiten des öffentlichen Gottesdienstes zunächst unsere volle Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen. Wer seinem Gotte treu ist, wer es ernstlich mit seinem Glauben meint, der muß bemüht sein, unfern Gottesdienst aus seinem Verfall zu retten, und ihm jene erhebende Gestalt wieder zu geben, die einer frommen und andächtigen Verehrung des einzig wahren Gottes würdig ist. Denn nicht allein die Auswüchse einer finstern Zeit sind es, die ihn mit Schmach überhäufen, auch die Gedankenlosigkeit, der Ungeschmack, die Andachtslosigkeit, die Willkür und Herzensdürre haben gar vielfach sein edles und erhabenes Bild verunstaltet und übertüncht. Hier, meine theueren Brüder, ist die dringendste Zeit, etwas für Gott zu thun. Hier gilt es doppelt, daß wir einander zurufen: Laßt uns ihm steuern von dem Seinigen, denn es ist ja ganz das Seine! Was Ihr aber, meine hochgeehrten Amtsbrüder, in diesem Stücke wie im andern, was Ihr im Allgemeinen wie im Besonderem zur Förderung und Sicherheit unserer heiligen Anliegenheit berathen und beschließen werdet, müsset Ihr vor Allem bedacht sein, daß Eurer Bemühung ein bleibender Erfolg gesichert werde. Dieses aber wird nur dann bezweckt, wenn Ihr übet alle Euere Verhandlungen ein genaues Protokoll führet, und seinen ganzen Inhalt durch Abdruck veröffentlichet. Nur so kann die öffentliche Meinung über Euer Wirken und Streben, über die Absicht wie über die Thal verständiget werden. Nur so könnet Ihr für das Vollbrachte die höhere gesetzliche Sanktion anzusprechen berechtiget sein, wie Ihr dieselbe zur Bewilligung Eutres Zusammentrittes angesprochen habet. Leider sind die Umstände noch nicht günstig genug, um diesen Inhalt in unserer vaterländischen Sprache abfassen, und den zunächst Betreffenden zugänglich zu machen. Vorläufig müssen wir in diesem Stücke uns der deutschen Sprache noch bedienen. Doch ziehen wir daraus den Gewinn, daß wir mit unseren deutschen Amtsbrüdern, welche in diesem Jahre in gleicher Absicht in eine gleichartige Versammlung zusammcngetreten sind,, leichter in Verbindung und Uedereinstimmung kommen können, womit für das, was im Namen Gottes zu thun ist, eine vielstimmigere Kompetenz und die Autorität zweier Kollegien erlangt wird. In dieser Ansicht, deren Annahme ich für die Nachhaltigkeit des Erfolgs als unerläßlich erachte, habe ich auch diese meine Zuschrift in deutscher Sprache abgesaßt, damit sie als eines der Aktenstücke betrachtet, und in dieser Eigenschaft der Veröffentlichung übergeben werde. Der Segen Gottes komme über Euch und Euer Thun und Walten! Euer Amtsbruder Arad, dem 24. des Mon. A. Chorin, Oberrabbi. Ab 5604. (13.Aug. 1844.) Arad, 26. August. (Privatmikth.) Einige Notizen von der Beerdigung unsres Oberrabbinen Chorin s. A. werden den Lesern nicht uninteressant sein.. Nicht allein was nur in Arad athmete, ohne Unterschied der Religion, versammelte sich, um den Verehrten zur Grabesstätte zu geleiten, wozu auch die christliche Geistlichkeit sich gesellte, sondern auch während des ganzen Leichenzuges läuteten sämmtliche Glocken aller Araber Kirchen, und in der Stadtpfarrkirche ward Tages darauf der Tod des Dahingeschiedencn von der Kanzel herab vor dem Hochamte offiziell verkündigt. Vier Leichenreden wurden gehalten von dem szegediner und simander Rabbinen, von den Herren Rabbinatsaffessoren L. Skreinka, Senior, und L.Jeitel es, Professor. Der Leichnam wird in einem schwarzen polirten Sarge mit vergoldeten Aufschriften in drei Sprachen in einer eigens erbauten Gruft aufbewahrt.