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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-09-23 · Heft 39 (23.9.1844) · p. Seite 550

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 39 (23.9.1844)
Date
1844-09-23
Page
Seite 550 (sequence 10)
Language
German
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550 den mit dem Lichte seiner Wahrheit, wird Euere Absicht wie Euere Thatcn lohnen, und wird verzeichnet sein lassen Euer Wirken und Berathen in seinem unverlöschlichen Buche, daß es aufbchalten bleibe zum ewigen Andenken für die, so ihn in Wahrheit lieben, und seines Namens mit Aufrichtigkeit gedenken. Amen! Meine theucren in Gott geliebten Amtsbrüder! Ihr kennet die Wichtigkeit und Heiligkeit Eueres Beginnens, Ihr wisset wie viel geschehen muß, wenn unserem schreienden Uebel abgehvlfen, wenn der Verfall Israels hcrgestellt, und seine Schmach abgewischt werden soll. Ihr verkennet nicht wie viel gekämpft und gerungen, ja wie viel aufgegeben und geopfert werden muß, wenn in Wahrheit etwas für Gott geschehen, wenn das Geschehene einen bleibenden Erfolg haben soll. Darum lasset uns mit Gott die wesentlichen Stücke überdenken, welche das vorzügliche Augenmerk Eueres Berathens, Eueres Wirkens sein soll. Wir müssen zuvörderst in diesen Zeiten der Zügellosigkeit, der falschen Vernünftelei und faselnden Asterphilosophie, für die Aufrechthaltung unserer heiligen Religion bemüht sein, müssen für die Aufrechihaltung und Befestigung der Grundpfeiler unseres heiligen Glaubens sorgen. Und diese Grundpfeiler beruhen nicht lediglich aus dem trockenen Buchstaben der Bibel. Sie beruhen auch nicht aus der schwankenden Stütze der ungleichartigen und veränderlichen persönlichen Deutung. Das übernommene Wort der mündlichen Lehre, die Ueberlieferung unserer weisen Rabbinen ist der mächtige Pfeiler, der das Gebäude unseres heiligen Glaubens trägt, und selbst den ältern Pfeiler des offenbarten Gesetzes vor dem unsichern Schwanken schützt. Sie ist nicht nur das Gewand, welches das Wort der göttlichen Offenbarung vor der Nacktheit, und vor der entheiligenden Antastung roher Hände wahrt, sie ist auch die höhere unbestreitbare Tradition, welche den Geist der Gotteslehre in seiner ganzen Lebensfrische nacherhält, auf daß er jederzeit in ungehemmter Vollkraft den materiellen Widerstand der äußern Gestaltung besiegen könne, und so im Lösen wie im Binden, im Abstreifen wie im Formen seine Göttlichkeit bewähre. Wissen wir unfern Talmud im Geist zu schätzen, so werden wir auch die Schmach des Vorurtheils, das auf ihm haftet, mit Gott von ihm abwenden können. Wenn wir aber, meine theueren Amtsbrüder, unseren Bemühungen einen bleibenden Erfolg versprechen wollen, so müssen wir unö sorgfältig in Acht nehmen, daß wir den Feinden Gottes, welche den Untergang seiner Lehre und die Auflösung Israels im Herzen tragen, nicht aus eigener Schuld, oder wenigstens aus eigenem Versehen eine Blöße geben, und müssen den Widerstreit welcher zwischen dem Bedarf des Lebens, und der zeremoniellen Einschränkung, zwischen den Anforderungen der Zivilisation und der heutigen Gestaltung unserer Giaubensgenossenschaft mit jedem Tage schärfer und härter hervorbricht, ernstlich zu Herzen nehmen, müssen nach Wissen und Gewissen urtheilen, nach Wissen und Gewissen prüfen, mit Unbefangenheit und Sündenscheu, mit Besonnenheit und Glauben, mit Eifer aber auch mit Schonung prüfen, müssen bedenken, daß eben so wenig als durch's Niederreißcn ein Fortgang bezweckt wird, eben so wenig kann das starre Anhängen an den unwesentlichen, aufgedrungenen und überlebten Formen, welche nicht im Wesen unserer mündlichen und schriftlichen Lehre wurzeln, eine bleibende und sichere Erhaltung gewähren. Wir müssen endlich zu Herzen nehmen, daß einerseits unsere heilige Religion etwas Neingöttliches ist, und anderseits die Gestaltungen des menschlichen Lebens und seiner Bedürfnisse auch nichts Anderes als die Entfaltung der unverletzlichen Gesetze sind, welche Gott in dem Bund mit Himmel und Erde für das Menschengeschlecht in die Natur geschrieben, auf daß cs vor ihm wandle, und in seinem Namen den Zweck des Lebens finde. Ist uns doch der Zweck der ganzen heiligen Lehre von unseren heiligen Rabbinen in ihrer Anwendung für's Leben, in ihrer Verträglichkeit mit dem Leben angewiesen. Der einzig wahre Gott aber kann nicht mit sich selbst im Widerspruche sein. Wenn uns daher Religion und Leben im Widerstreit erscheinen, so ist es entweder die Verunstaltung des Heiligthums durch fremdar- ' tige äußere Zuthaten auf der einen Seite, oder die Zügellosigkeit des sündigen Willens auf der andern, welcher seine ungezähmte Gier, seine unmäßige und falsche Richtung als Bedürfnisse das Leben geltend machen will. Zeigen wir uns nun bereitwillig, jene

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