Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 39 (23.9.1844)
- Date
- 1844-09-23
- Page
- Seite 549 (sequence 9)
- Language
- German
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549 2. Jüdische Eide bestehen lediglich in der Anrufung des Namen Gottes. 3. Abschaffung des Kol Nidre, welches in meiner Gemeinde schon seit vielen Jahren abgeschafft wurde. 5. Bestätigung der vom Pariser Synhedrium auf die von Napoleon 1807 ihm vorgelegten zwölf Fragen gegebenen Antworten, worunter die bemerkenswerthesten sind: Die Ehescheidung ist statthaft nur mit Bewilligung der Landesbehörde. Die Verheirathung mit Christen ist nicht verboten. Kein Unterschied in den Pflichten gegen alle Menschen, die als Brüder zu betrachten sind. Kein Gewerbe ist den Juden verboten. Das Gesetz verbietet Wucher ohne Ausnahme. Nun halte ich es noch für meine heilige Pflicht diejenigen meiner ehrw. Amtsbrüder, denen nebst der theologischen Kenntniß auch die Fundgruben anderer Wissenschaften erschloffen sind, und denen der Fortschritt am Herzen liegt, zur Gründung einer ähnlichen vaterländischen Rabbincrversammlung aufzufordern, um dem allgemeine Gültigkeit zu geben, was bis jetzt nur ein Gut einzelner Gemeinden war, und ich werde wenn es der Wille des Allvaters ist, an diesen Berathungen mit Freuden Antheil nehmen. Arad den 26. Juli 1844. A. Chorin, Oberrabbi. —. Endlich erließ er folgendes Schreiben an die Versammlung ungarischer Rabbiner in Bucs, II Tage vor seinem Tode. Meinen würdigen Amtsbrüdern der frommen Rabbinerversammlung zu Bäcs. Gottes Freundlichkeit zu Euerem Beginnen! Gottes Wohlgefallen zu Euerem Wirken! Gottes Segen über Eueren Beschluß! Die amtliche Aufforderung, die mir unser Amtsbruder, der würdige Oberrabbiner zu Temesvur unterm 23. dieses Monats in Euerem Namen in der wichtigsten Anliegenheit unseres Volkes und unseres heiligen Glaubens zugesandt hat, gilt mir als Trost und Stärkung aus der Hand der allgütigen, göttlichen Vorsehung gegen die schweren Leiden meiner mehrwöchentlichen Krankheit, mit der mich heimzusuchen es ihrer Allgerechtigkeit gefallen hat. Dank sei dem heiligen Namen unseres ewiggepriesenen Gottes für das Zeichen der Gnade und unverminderter Liebe, das er' mir hierin wie in seinen väterlichen. Schlägen zugesendet hat! Was durch meine ganze Lebenszeit mein innigstes Sehnen, mein rastloses Streben war, was ich seit vielen Jahren in Wort und Schrift als den dringendsten Bedarf Israels ausgesprochen und angesprochen habe, das finde ich nunmehr durch Euere gottgefällige Entschlossenheit werkthätig in's Leben treten. Ihr tretet zusammen, gerüstet mit wahrhafter und inniger Glaubenstreue, gerüstet mit Liebe und Hingebung für unser Heiligthum, tretet zusammen um unsere göttliche Religion und ihre Gestaltung herauszureißen aus der Zerfallenheit, in welcher sie seit Jahrhunderten hinkümmert. Ihr tretet zusammen und widmet Euere besten Kräfte, um im Namen Gottes einen Verein von befugten Männern zu bilden, der unseren heiligen Glauben überwachen, beschirmen, von den Schlacken der fremden Beimischung läutern, von der Schmach des äußern Schmutzes reinigen, und von den Eingriffen der Unwissenheit, der Zügellosigkeit und Zweifelsucht mit kräftiger Hand und offenem Auge wahren soll. Das ist es, worüber ich schon oft das Wort geredet. Das ist es, wofür ich im Geist bei Eueren frommen Berathungen anwesend bin, wenn mich auch gegenwärtig die noch anhaltende körperliche Schwäche, körperlich von Euch ferne hält, und nur so der Schmerz meiner Krankheit doppelt fühlbar wird. Das ist es, wozu Ihr den Segen eines Greises, der sein ganzes Leben dem Dienste seines Gottes geweiht, und im Dienste seines Gottes ergraut ist, nimmer mehr verschmähen möget! Es ist Zeit für Gott zu thun, ruft der fromme Psalmist. Es ist hohe Zeit für die heilige Sache Gottes zu sorgen, zu denken, zu wirken und zu kämpfen! Das muß leider jeder ausrufen, dem die Sache Gottes am Herzen liegt, der ihren Verfall sieht, und die Gefahren kennt, von denen sie immer mehr bedroht wird. Es ist hohe Zeit für Gott zu thun, sei der Aufruf Euerer Versammlung, und Gott der Allvater wird es wohlgefällig vernehmen, wird es hören, wie die reine Gottesfurcht fern von aller weltlichen Rücksicht Euch in brüderlicher Eintracht zusammenführt, und er wird segnen Euer Ausziehen und Euer Heimkehren, wird umstrahlen Euer Beginnen, und vollen- 39*