Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 39 (23.9.1844)
- Date
- 1844-09-23
- Page
- Seite 548 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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548 denen ehrwürdigen Oberrabbinen Aaron Chorin zu, die wir hiermit veröffentlichen. Sonnabend den 24. August erlitt die Aradcr Jsraelitengemeinde den schweren Schlag, ihren heißgeliebten und hochverehrten Oberrabbinen, den weitgefeierten theologischen Literaten und unermüdeten Veteranen des Fortschreitungssystems Aron Chorin im 79sten Jahre seines bedeutungsvollen Lebens, im Nisten seiner ruhmreichen Amtsführung, noch immer viel zu früh zu verlieren. Jndeß jeder Freund des gedeihlichen und zeitgemäßen Fortschritts in ihm einen der rüstigsten und kenntnißrcichsten Kämpfer für den Sieg des Besseren beweinen wird, müssen wir, die wir ihm nahe standen, seinen allzuraschen Hintrirt um so mehr bedauern, als wir seinen hellen Geist noch immer ungetrübt, seine Jdeenfülle »och immer unerschöpft, seinen Feuereifer für die religiöse Anliegenheiten des Judenthums noch immer unermattet, und seine Thätigkeit noch immer in ungelähmter Vollkraft vor Augen hatten. Jndeß die Fernen in diesem Verblichenen auch für die Nachwelt die Lichtphase in der israelitischen Kulturgeschichte erblicken werden, lebt sein Andenken in dem Gedächtniß seiner Nahen als das Bild der himmlischen Freundlichkeit, der Engclsmilde, der Tröstung und der Hilfe in der Noth. Sühnend wie sein Leben war sein Tod. Denn die allfeitige Zuströmung zur Feier seines am Lüsten Nachmittags von einer wogenden Menge qbgehaltenen Leichenbegängnisses vereinte alle Bekenntnisse und Stände zur ungetheilten Empfindung der Wehmulh und des Schmerzes, zum gemeinsamen Zoll der Verehrung und des Nachruhms. Vier Redner sprachen an seinem Sarge. Daß die Jsraelitenschast alle ihre Kräfte aufgebotcn, um diese traurige Feier mit geziemender Würde zu begehen, braucht nicht erst gesagt zu werden. Sic wurde so begangen, wie vielleicht noch keine unter den ungarischen Israeliten begangen worden ist, und wie auch in der Folge nur selten eine begangen werden wird. Erhebend aber und wohlthüend war es für jedes fühlende Herz mehrere Priester christlicher Bekennt, nisse, vorzugsweise des katholischen, an dem israelitischen Trauerzug angeschlossen zu sehen, und die schwcrmuthsvollen Töne der Kirchenglocken in den allgemeinen Klageruf einstimmen zu hören. Friede seiner Asche; ewiges Heil seinem unsterblichen Geiste. Unter dem 26. Juli schrieb er vom Krankenbette aus folgende Oefsentliche Erklärung und Aufforderung. Leider hindert mich ein mehrwvchentlicheS Krankenlager an den Interessen meiner Glaubensgenossen thätigen Antheil zu nehmen und meinem Berufe gemäß die Fragen der Zeit so weit sie unsere Religion angehen, nach Pflicht und Gewissen zu beantworten. Das Einzige was in meinen Schmerz lindernden Balsam träufelt, und mich in meinen schweren Leiden tröstet, ist, daß Israel an meinen jüngeren Amtsbrüdern sowol nach Außen kräftige Vertheidiger als nach Innen begeisterte Lehrer findet, die unsere heilige Religion mit dem düster» Stempel des starren Stabilismus nicht brandmarken, sondern vielmehr in der Idee des Talmuds folgend den weisen Grundsätzen eines Maimonides den Möglichkeitsgrund eines immerwährenden Fortschreitens und Fortbildens finden wollen und finden müssen. Ich sehe in ihren Lehren Grundsätze ausgesprochen, die ich während meiner 55jährigen Amtsführung in Wort und Schrift stets vertheidigt, und ich preise die Gnade Gottes, die mich es hat erleben lassen, hier die Resultate theologischer Forschungen einer aus 25 der renomirtesten geistlichen Autoritäten bestehenden Rabbinerversammlung der Oeffentlichkeit mittheilen, und dazu meine Beistimmung, die als der Ausspruch eines 79jahrigen bereits am Rande des Grabes stehenden Greises doch keine erheuchelte sein wird, feierlich geben zu können. Eine genauere Auseinandersetzung einiger zeitgemäßen theologischen Fragen, vorzüglich aber über die Zulässigkeit von Reformen in Kultus und Zeremonialen und die Unstatthaftigkeit des Glaubens an die Gründung eines israelitischen Reiches, habe ich in meinem der Zensur vorliegenden Merkchen Schure Zedek bereits unternommen. Auszug aus dem Protokoll der deutschen Rabbinerversammlung zu Braunschweig vom 23. Juni 1844. (Aus der AUgem. Zeitung des Judenthums No. 24.)