Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 39 (23.9.1844)
- Date
- 1844-09-23
- Page
- Seite 547 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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547 ruhigt das Nunzium in seiner ganzen Fassung an. Nun war ein nicht geringer Theil der Deputirten in Erwartung, daß man alsogleich zur Judensache übergehen wird, da diese als zweiter Punkt der zur heutigen Berathung bestimmten Gegenstände angezeigt war; aber dem war nicht so — der betreffende Notar wollte das Gutachten der Verifikationskommission über die Emanzipation der Juden verlesen, da rief ihm ein Komitatsdeputirter zu ,-Gehen Sie, alter Herr, Sie Messias der Juden." Der Deputirte von Baranga erinnerte die Stände an einen Gegenstand, der, wie er meinte, viel wichtiger sei, als die Judensache, . nämlich die Verbesserung des Wechselgesetzes. Er sagte „Es sei was seltenes ein Jude ohne Wechsel, und ein Wechsel ohne Jude" Und da das Wechselgesetz schon vor einer Woche zur Berathung kommen sollte, damals aber aufgeschoben wurde, wäre es sein Wunsch, daß man es jetzt vornehme. — Mit größter Indignation antwortete ihm der Dep. von Temes „Es ist wirklich ein mitleiderregendes Schauspiel, und gesteht es offen: man treibt mit einer Klasse Menschen von 240,080 Seelen einen immerwährenden Scherz — Spott und Hohn haben sie stets von uns zu erwarten, aber keine Verbesserung ihrer Lage. Bon einem Reichstage auf den andern wird ihre Sache aufgeschoben. Und auch am gegenwärtigen Reichstage machen wir die traurige Erfahrung, daß sie jedesmal abgewiesen wird. Da man die Verisikationskommission mehrmal urgirt hat, das Gutachten über die Emanzipation der Juden abzugeben, wisse er nicht warum man sich scheut darüber zu beralhen." Nach Beendigung seines Vortrages hörte man von allen Seiten „szavazzuak" (stimmen wir ab). Ich hätte lieber den ungestümsten Ausbruch der Rohheit und Intoleranz, das Pöbelhafteste, was nur je aus Judenhaß gegen uns losgezogen wurde, angehört, als daö Wort „szavazzunk." — Wo weder Recht noch Gründe siegen können, da muß die Zahl der Nichtwollenden übergroß sein; denn kaum waren vierzehn Stimmen dafür, daß'man über die Juden heute berathen soll. — Wahrend der Abstimmung konnte ich mir folgende Aeußerungen aufzeichnen: Baron Stoike Dep. von Krapo wüthete, daß man erst abftimmen muß, ob die Judensache zur Berathung kommen soll oder nicht. „Ueberall, sagt er, kommen wir mit diesen armen Juden in Berührung, bald bei der Städteorganisation, bald bei den Komitatserzessen, bald wieder bei der Verfassung der Haiducken und Bergstädte u. s> w. Und jedesmal werden wir, die das unglückliche Loos der Juden beherzigen, dahin gewiesen: die Judensache wird ox asse verhandelt werden. Nun ist heute die Gelegenheit da, wo wir uns darüber aussprechen können. — Von einem Monate auf den andern wurde die Judensache aufgeschoben, sagte der Dep. vom soler Komitat, als wenn man sich fürchten müßte über das Wohl seiner Brüder zu verhandeln. Er wundere sich sehr, warum man von der Tagesordnung abweichen will. — Es ist unsere Pflicht den Bürger vor dem Juden zu sichern, tobte der Dep. von Trcnczon, und dann der Judensache bedacht zu sein; darum wünschte er, daß man das Wechselgcsctz vornehme. — Der Dep. von Pesth, Graf Raday, bemerkte, daß es wahrhaft kleinlich sei, sich darüber eine Zeitlang herumzubalgen, worüber man berathen soll. Beide Gegenstände sind sehr wichtig. Da aber die Judensache als Gegenstand der Berathung für die heutige Sitzung bestimmt war, wäre cs bloS Zeitverlust nochmals darüber zu debattiren, was man zur Berathung wählen soll; demnach bestehe er daraus, daß man alfobald die Judensache vornehme. — Der Dep. von Golna (Bezeredy) las den zweiten Punkt der zu berathenden Gegenstände aus dem Programme vor, und sagte, da wir mit dem ersten Punkte fertig sind, machen wir uns zum zweiten Punkt. — Dieses arme gedrückte Volk sieht sich jedesmal in seinen schmerzlichen Erwartungen getäuscht. Bon Tag zu Tag wird seine Sache aufgcschoben. Gott weiß, wann wir wieder dazu kommen, lassen wir es jetzt fahren? Dep. von Urgh, der stets so ängstlich ist, wenn er sich im liberalem Sinne äußern soll, verwahrte sich dagegen. „Im Sinne seiner Instruktion solle inan die Judensache jetzt vornehmen (allgemeines Lachen). Der Dep. von Borsod wollte gar nicht stimmen. Es ist überflüssig zu stimmen, er wisse schon im Voraus die- Majorität. Der Dep. von Bihar (Beoth,)) gab sein Votum in folgenden Worten ab: „der erste ist der Mensch und dann die Sache." — B—n. Arad, 1. September. (Privatmitth.) Der löbliche Gemeindevorstand von Arad sandte uns durch Herrn Rabbinatsassessor Skreinka einen Nekrolog und die letzten Arbeiten des verstorbe-