Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 39 (23.9.1844)
- Date
- 1844-09-23
- Page
- Seite 545 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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545 debattiren begonnen. Daraus möge nicht ein Abschweifen von der Sache, sondern der Umstand erkannt werden, daß, wir ernst und gewissenhaft prüfen, ehe wir auch nur Vorfragen beantworten. Bodenheimers Antrag, zuvor Glaubensartikel festzustellen, theile er nicht. Wir haben keine Glaubensartikel Ln dem gewöhnlichen Sinne, daß wir glauben sollten oder müßten, was nicht erkannt und begriffen werden kann. Aber kann ohne ein solches GlaubenSbekenntniß ein Gebetbuch gemacht werden? Das hat die Kommission zu prüfen und auszusprechen. Für die Beihaltung der hebräischen Sprache ist er aus dem Grunde, weil das Judenthum keinen Unterschied zwischen Geistlichen und Laien kennt. Mit der Entfernung des Hebräischen aus dem Gotteshause wird diese Sprache ganz und gar vernachlässigt, und da würde sich leicht der glücklicherweise fehlende Unterschied zwischen Geistlichen und Laien Herausstellen. Das soll nicht sein. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten. Oesterreich. Lemberg, 26. August. (Privatmitth.) Wie auf Stürme Sonnenschein folgt und nach drangvollen Kämpfen ein stiller Friede einzuwohnen pflegt: eben so ist es auch hier in unserer Hauptstadt bei unserer Gemeinde. Der böse Geist des Widerstandes nächtlicher Spukgestalten ist gefesselt und der Genius der Versöhnung und Eintracht sieht mit freudetrunkenem Blicke auf die sich freundlich einenden Elemente der Bruderliebe, die Spuren eines sich selbst vernichtenden, unlautern Parteikampses verlieren sich immer mehr und mehr. Das Gute aus dem Jdeenkreise eines für die Hebung der Nationalinteressen glühenden, von der klaren Einsicht der Sachverhältnisse durchdrungenen Vorstandes stammend, hat auf das innere Leben der zum Bewußtsein erwachten Masse einen eigenthümlichen Einfluß geübt und sie von der Nothwendigkeit zeitgemäßer Reformen theilweise überzeugt. Wichtiger und in's Leben eingreifender aber als alle diese Kämpfe ist die von Sr. Majestät bewilligte, im Beginne des Monates November d. I. in's Leben zu tretende, mit vieler Mühe errungene israelitische Hauptschulel 2). Den Fonds dieser Schule bildet ein Abfindungs-Pauschale Seitens der jüdischen Fleischpächter'), und beträgt jährlich »WO Fl. Konv. Münze. Durch die Errichtung dieser Lehranstalt wurde einem langst gefühlten Bedürfnisse abgeholfen, indem hierdurch der jüdische Knabe und das Mädchen vor jener Demüthigung und Zurücksetzung bewahrt ist, welche das Sitzen in abgesonderten Bänken und die Entfremdung der Gemüther in christlichen Schulen hervorbringt. Hier hört das jüdische Kind3) das belehrende Wort des Unterrichtes aus dem Munde des Israeliten, den es versteht und der die nationellc Richtung des Geistes zu leiten im Stande ist, was zumeist in christlichen Schulen mehr oder weniger außer Acht gelassen wird. Eine besondere Wohlthat ist diese Schule für die ärmere Volksklasse, die bisher fast jedes Unterrichtes, jeder Schulbildung entbehren mußte 4). Der Zukunft bleibt es Vorbehalten, die Resultate dieser neuen Anstalt ganz zu würdigen und fest zu bestimmen. Die innere Organisation dieser Schule leitet ein Schulrath, bestehend aus den beiden Inspektoren, den Herren Gemeindevorstehern und Landesadvokaten I)r. Blumenfeld und Dr. Ko lisch er und dem provisorischen Direktor, dem Herrn Prediger Abraham Kohn. 1) Diese besteht aus drei Klassen nebst einer Elcmcntarklasse, ist größtentheils nach dem Muster der christlichen Hauptschulen errichtet, und genießt auch dieselben Vorrechte als diese Schulen. 2) Ganz irrig und aus der Unkenntniß der Sachlage entsprungen ist die Behauptung des Korrespondenten aus Lemberg in No. 32 der Allg. Zeit, des Judenthums Jahrg. 1844, zufolge welcher besagter Schulfonds aus einer neuen Fleischsteuec gezogen werde, ja wir müssen hierbei bemerken, daß in Folge dieses Abfindungs-Pauschales durchaus keine Vertheuecung oder Erhöhung des frühem Fleischtarifs, vielmehr ein kleiner Nachlaß statt gesunden habe. Man entstelle doch keine Thatsache, um irgend eine Parteiansicht zu bestärken!! — 3) Für die Mädchen ist eine Lehrerin bestimmt, die sich mit dem Unterrichte in den weiblichen Handarbeiten und in der französischen Sprache befassen wird. 4) Der systematisch geordnete Unterricht in der hebräischen und polnischen Sprache dürste nicht wenig die Frequenz dieser Schule fördern.