Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-09-23 · Heft 39 (23.9.1844) · p. Seite 542

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 39 (23.9.1844)
Date
1844-09-23
Page
Seite 542 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3225335-3225375--06325-3315135
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

542 Ueberzeugung — männliche Ausdauer — Glauben an den Sieg der Wahrheit, trotz aller Anfeindungen und Verdächtigungen derselben, mitbrachten. Es liegt jetzt eine Frage vor, die uns Gelegenheit giebt zu zeigen, ob unser religiöses Bewußtsein klar und mächtig in uns lebt, wie unser moralisches. Ich darf auf die Wichtigkeit des vorliegenden Antrages nicht erst aufmerksam machen. Hätte es dessen überhaupt bedurft, so ist Genüge geschehen durch die klare Motivirung des Antrages von dem Urheber desselben. Fassen wir den Inhalt dessen, was wir aussprechen, wenn wir, wie nicht zu bezweifeln, einmüthig den Antrag für Niedersetzung einer Kommission zur Vorbereitung einer verbesserten, zeitgemäßen, .auf religiösem Boden stehenden Liturgie unterstützen. Wir erklären: Es bedarf das ganze liturgische Wesen der Synagoge einer Umgestaltung! — Ein gar bedeutungsvoller Ausspruch! Aber beschränkter dürfen wir ihn nicht fassen, wenn wir nicht wiederum eine Wunde nicht bloß verdecken, einem tiefen Riß nicht bloß überkleistern, sondern wenn wir kräftig heilen, fest bauen, das Heilige erhalten, sichern wollen und unseren Kindern, und der Zukunft, die uns zur Rechenschaft ziehen werden, ein lauteres und die ganze Seele erfassendes und erfüllendes religiöses Leben sichern wollen. Wohl verstanden: Um die Umbildung der Liturgie, um die Feststellung gottesdienstlicher Einrichtung für Tempel und Haus handelt es sich. Man wird vor diesen Worten da und dort zurückschrecken, uns kühn, uns unberufen nennen! — Man wird dies auch (in der nächsten Gegenwart wenigstens) bei dem Geringsten, das wir als recht und gut, nethwendig erkennen und erkannt wissen wollen, thun! — Man wird laut klagen: wir maßen uns an, Hand zu legen an das, was vor Jahrtausenden von den nbwP sestgestettt worden; man wird uns Zahl und Würdigkeit jener absprechen. — Wir kennen das und wissen, wohin diese sogenannte heilige Scheu geführt hat. Es stände anders und es stände besser, wenn man gebaut hätte, anstatt dem Verfalle zuzuschen. Es wäre gut, wenn früher erkannt worden wäre, was uns jetzt die höchste Roth gebietet und lehrt: Es bedarf die Zeit dringend Männer, die die Aufgabe erkennen und lösen heute, wie sie jene ehrwürdige Versammlung löste einst, wir für unsre Zeit, wie jene für die ihrige. Mag die Gegenwart von Einer Seite uns schmähen. Buhlen wir denn um Menschengunst? Suchen wir Ruhm und Ehre für uns? — Die Religion selbst drängt uns zur frommen T hat— die Quellen der Religion— aus ihr schöpfen wir bei unseren Bestrebungen — die laute Stimme der Zeit mahnt uns, die Zukunft, an die wir denken, richtet uns, und sie dankt uns, wenn wir Gottes Stimme mehr als der Menschen Rede hören. — So laßt uns den Antrag berathen, von diesem Gedanken geleitet, die mit der heiligen Aufgabe zu Betrauenden, an die Lösung der Aufgabe gehen, und wir brauchen nicht zu zittern vor dem na* *)rr'b -pnlP! So möge auch bei dieser Frage, wie bei den wichtigen früheren, wo Korn und Spreu sich konnte scheiden, und — Korn sich fand und nicht Spreu, die Gediegenheit unsers Erkennens und die Reinheit unsers Wollens sich glanzend bewähren! Boden heim er: Ja wol ist der Antrag wichtig. Aber zuerst muß festgestcllt werden: Welches sind unsere Glaubensartikel? Denn nach diesen erst kann ein Gebetbuch, das liturgische Geltung hat, festgestellt werden. Herrscht doch die größte Unklarheit darüber, ist ja Maimonides mit sich selbst darüber in Widerspruch, widerspricht doch diesem schon Chisdai, diesem wieder Abarbanel. Laßt eine Kommission dafür uns niedersetzen. Aber ganz und gar nothwendig ist die Sorge für die Belebung des religiösen Sinnes im Familienleben — ein Buch, wodurch dieses geschieht, muß bald angefertigt werden, und zwar in der deutschen Sprache. Das Gebetbuch, wie es beim Gottesdienste der Synagogen gebraucht wird, den Siddur, will er in seiner Integrität erhalten wissen; nicht weil wir nicht deutsch beten dürfen, sondern weil es cjn gemeinsames Band geben muß für die Israeliten, das sei aber die hebräische Sprache! Salomon: ynrus ■ptainis b:n ■jr^an Der Hauptautrag ist zuerst festzustellen, ob der Autrag des Kirchenralhs Dr. Maier erheblich ist. j Von jeher ist das Bedürfnis;, einen öffentlichen Gottesdienst festzustellen, in Israel tief empfunden und ist diesem Bedürfuiß stets abgeholfen worden': Ein öffentlicher Kultus wurde eingefübrt, nachdem Israel das goldene Kalb verfertigt, und es nicht mehr zu verkennen war, daß eine anschauliche Gottesverehrnng Noth thue; Samuels größte Sorge ging dahin, neben der Errichtung von Prophetenschulen einen öffentlichen Gottesdienst anzuordnen; Salomo, dessen Gesichtskreis nicht mehr der frühere, begränzte war, indem er mit den übrigen Völkern in Verbindung getreten, banete dem Herrn einen prachtvollen Tempel zur Anbe-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.