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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-09-16 · Heft 38 (16.9.1844) · p. Seite 538

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 38 (16.9.1844)
Date
1844-09-16
Page
Seite 538 (sequence 10)
Language
German
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538 Motive der Versammelten anhörte, welche bloß dahin zielten, das Ueberhandnehmen wissenschaftlicher Rabbiner zu verhüten, indem sie nur Rabbinen aus gewissen Farben die Befugniß crtheilen wollten mrh zu geben — und durchaus die Aufnahme ausländischer Rabbinen verbieten wollten — (sie wollten hierzu die Obrigkeit um Stütze ansprechen). Da erklärte ihnen Herr Schwab in einer sehr geistigen und warmen Rede — daß dieses nicht die ersten Wünsche einer ersten Rabbinerversammlung Ungarns sein sollten. Daß es an der Zeit sei — ein Religionsbuch herauszugeben um die uns zugemutheten widersittlichen Rcligionsgrundsätze zu widerlegen — beiläufig die zwölf Pariser Fragen zu beantworten. Herr Schwab forderte die Rabbiner auf in ihren Gemeinden Gewerbe und Ackerbau zu fördern, sprach mit einem Worte im Geiste der Zeit mit den ihn umgebenen Männern. Welchen Eindruck dieses machte, laßt sich denken. Ein alter Rabbiner aus S. erkühnte sich sogar ihm in's Wort zu fallen und aufmerksam zu machen, er redet hier mit daher er Jüdisch und nicht Galchisch reden soll. Herr Schwab reiste sogleich den andern Tag zurück — und die Versammlung löste sich auf. — Das eigentliche Endresultat ist mir unbekannt. Wie man hört, will der hiesige :n eine zweite Versammlung in Unyvär veranstalten. Sehr zu wünschen wäre es, so Hr. Schwab oder dessen Sohn David die Busser Vorgänge eu detail veröffentlichen möchte. Der am Krankenbette schwer darniederlicgende Nabbine Chorin soll an diese Versammlung ein sehr schönes, wahrhaft ergreifendes Schreiben eingesandt haben. Am I». Oktober ist der Landtag zu Ende — und noch wurde die Emanzipation nicht verhandelt. Bei Gelegenheit der Abschaffung der Todesstrafe hat sich neuerdings ein Graf sehr gehässig gegen die Judensache geäußert. Der neue Redakteur des Pesti liiriap: Herr von Szalay zeigt sich sehr geneigt für unsere gerechte Sache. Er ergreift jede Gelegenheit das Recht der Juden anschaulich zu machen. In den „Geheimnissen aus Ungarn" von Nagy Ignatz ist viel Gehaffiges. — DerKanischaer Rabb. Löw hat in Pesth zweimal mit außerordentlichem Beifall gepredigt. — Die hiesige Synagoge wird erst künftiges Jahr ganz volendet. Sie ist an Pracht unvergleichlich. — Arad, 26. August. (Privatimtth.) Am 24sten dieses ist unser ehrwürdiger Chorin verstorben *). Frankreich. Paris, im September. Die .4rcb. isr. äe Pr. enthalten mehrere Artikel über die Ausschließung der Freimaurer israelstischen Glaubens aus den Logen in Preußen. Dreiundzwanzig Freimaurer, l>r. Behrend an der Spitze, machten sehr bedeutende Anstrengungen, aber ohne Erfolg. Sie richteten an den Protektor der preuß. Logen, den Prinzen von Preußen K. H. eine kräftige Adresse, in der sie auf das Beispiel der englischen und französischen Logen hinwiesen, in denen es Grundstatut ist, jede religiöse Unterscheidung fallen zu lassen, nur auf das Leben zu sehen und die Anbetung deS großen Baumeisters des Universums. Folgende Antwort erhielten sie von S. K. H. dem Prinzen von Preußen, (die wir hier allerdings nur zurückübersetzen aus dem Französischen). „Je mehr ich das Vertrauen zu schätzen weiß, welches Sie mir persönlich erweisen, wie auch die guten und lobenswerthen Absichten, durch welche Sie Ihre Forderung begründen, den israelitischen Freimaurern das Recht, die preuß. Logen zu besuchen, zu geben: desto mehr bedaure ich, zur Erfüllung Ihrer Wünsche Nichts beitragen zu können. Indem ich das Protektorat der Freimaurerlogen in Preußen annahm, habe ich die Verpflichtung übernommen, den Orden in seinen Attributen und Fundamentalregeln zu erhalten, und ihn gegen jede Neuerung zu beschützen, die nur die Arbeiten lähmen würden, durch welche man den ursprünglichen Zweck zu erreichen sucht. Ich kann voraussetzen, daß Sie das Prinzip kennen, von welchem man ausgehen muß, nach den Statuten der Ordens, um in die preuß. Logen eingeweiht zu werden. Wenn nun die Statuten nur christliche Glaubensgenossen zulassen, so folgt daraus, daß nur solchen der Eintritt erlaubt werden dürfe. Wollte ich eine Aenderung in den Fundamentalregeln einzuführen versuchen, so würde ich bei den Mitgliedern, welche jenem Prinzip treu bleiben, so viel Unzufriedenheit Hervorrufen, daß dadurch dem Zwecke Hindernisse geweckt würden, der mich allein *) In nächster Nummer Näheres. Redakt.

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