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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-09-16 · Heft 38 (16.9.1844) · p. Seite 537

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 38 (16.9.1844)
Date
1844-09-16
Page
Seite 537 (sequence 9)
Language
German
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587 wenn auch langsam, doch um so sicherer zum Ziele führen wird. Wenn Referent aber die Forderung stellt, die Rabbiner möchten das Volk belehren, „daß seine Religion nicht im Fleischaussalzen, sondern auch, und zwar vorzüglich in dem Erkennen eines einzigen Gottes, in der Liebe zu allen Menschen" u. s. w., so liegt in dieser Forderung eine böswillige versteckte Verleumdung. Denn es ist. allgemein bekannt, daß die Rabbiner aller Zeilen sich niemals begnügt haben, dem Volke nur die Zeremonien anzuempfehlen, sondern war es immer ihre vorzüglichste Aufgabe, die Grundlehren der Religion, Moral und Liebe, wenn auch nicht gerade in kunstgerechter homiletischer Form, doch auf das eindringlichste einzuschärfen, unabläsiig zu lehren und zu predigen. Referent ergeht sich übrigens gelegentlich in Bespöttelung mancher. Zeremonialgesetze; es nimmt uns dies kein Wunder, es gehört nun einmal zum guten To» und scheint dies besonders ein unerläßliches Requisit der sogenannten Judenthums-Verbesserer unserer Zeit zu sein. Im Interesse der vom Referenten beantragten Kultusverbesserung wäre jedoch vielleicht jene Zeit zurückzuwünschen, wo der Jude skrupulös genug war, einen Regenschirm am Sabbat aufzuspannen. Denn bekanntlich giebt es leider auch in Oberschlesien Gemeinden, wo gleichsam Sabbat und Festtag, im strengsten Sinne des Wortes, in Vergessenheit gekommen, wo sämmtliche Juden ohne, oder nur mit sehr weniger Ausnahme, am Sabbat alle und jede Arbeit verrichten, alle und jede Geschäfte machen, und unmöglich Zeit haben, einen Gottesdienst, und wäre er noch so solenn, abzuhalten. Und wollten sie auch das Opfer bringen, und sich eine Stunde zur Abhaltung eines Gottesdienstes am Sabbat abmüßigen, wäre ein solcher Gottesdienst nicht vielmehr eine Blasphemie? sich hinstellen dem Herrn zu danken, für den heiligen Ruhetag, den er geschenkt, während man nicht ruhet und nicht rastet!! Schließlich sei es gesagt, daß die Orthodoxie allerdings auf Gebet und Predigt einen hohen Werth legt; allein sie erkennt dies nicht für den einzigen und alleinigen Gottesdienst; vielmehr betrachtet sie die Ausübung aller göttlichen Vorschriften als einen Gottesdienst insofern sämmtliche Gebote im Allgemeinen das Ziel anstreben, den Menschen bei jedem Schritte an seine Abhängigkeit von Gott zu erinnern, ihn darin zu üben, aus Liebe zu Gott aus Ehrfurcht vor seinen Geboten manchen Wunsch aufzugeben, und somit seinen Willen dem des göttlichen Gesetzes unterzuordnen. Ich glaube daher, daß derjenige, der sich — um gerade das Bespöttelte anzuführen,— mancher Unbequemlichkeit, manchem Nach, theil darum auSsetzt, weil er das Regenschirm-Ausspannen am Sabbat als eine dem göttlichen Willen zuwiderlaufende Handlung betrachtet, einen würdigern Gottesdienst übt, als derjenige, der mit Sang und Klang sein Gebet in modernster Form verrichtet, dessenungeachtet aber — wie häufig geschieht — um der geringsten Unbequemlichkeit willen die heiligsten Religionsgebote mit Füßen tritt. Möchten unsere Reformer doch endlich jenen weisen Spruch beherzigen: :.!W,n wbsn t» min siuirrv *um “vom Ein oberschlesischer Rabbiner. Oesterreich. Papa, 1. September. (Privatmitth.) Nach« dem ich E. E. von der projektirten Rabbinerversammlung in Bacs (Ungarn) mitgetheilt, bin ich so frei hiermit auch eine vorläufige Nachricht von der stattgehabten ersten Versammlung zu geben: es kamen beiläufig dreißig Rabbiner zusammen — sie waren fast sämmtlich aus sehr kleinen Gemeinden, und Männer ohne Namen. Von den großen Gemeinden war Niemand als der hiesige, der Rabbine aus St. Nicolau — und der wirkliche Nestor der ungarischen Rabbinen H. Gütz Schwerin (90 Jahre all) aus Baja. Diesem wurde auch das Präsidium angetragen, er wollte es aber nicht annehmen, so nicht der Rabbine Schwab aus Pesth dazu käme und den Vorsitz übernehme. Schwab hatte aber die Einladung aus leicht einzusehenden Gründen nicht angenommen, und war durchaus entschlossen nicht zu kommen. Einer der versammelten Rabbinen wurde aber mit einem von den sämmtlich versammelten Rabbinen unterzeichenten Bittgesuch an den Rabb. Schwab gesandt. — In einem besondern Schreiben forderte ihm auch benannter Schwerin auf zu kommen und er reiste Dienstag 20. August mittelst Dampfschiff dahin. — Als er, den Vorsitz annehmend, die 38*

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