Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 38 (16.9.1844)
- Date
- 1844-09-16
- Page
- Seite 536 (sequence 8)
- Language
- German
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536 von den Rabbinern Errichtung von Schulen. Wir würden es ihm Dank wissen, wenn er uns auch die Mittel und Wege anzeigte, um Schulen errichten zu können. So viel uns bekannt, befinden sich in allen, jedenfalls in den meisten Gemeinden Privatschulen mit geprüften Lehrern. Wenn es aber wenige dauernd begründete Gemeindeschulen giebt, so liegen die Hindernisse in der Unmöglichkeit, die erforderlichen pekuniären Mittel für die Dauer zu sichern, zumal die bestehenden Gesetze die jüdischen Schulen durchaus nicht unterstützen. Wären aber auch gegründete Gemeindeschulen vorhanden, so darf ja der Rabbiner solche nicht inspiziren, nickt kontrol-- liren, ja nicht einmal, wenn er auch wollte, den Religionsunterricht erthcilen. Erst vor Kurzem wurde einem Rabbiner, der sich unterfangen hatte, in Ermangelung eines Religionslchrers, die Jugend seiner Gemeinde unentgeltlich in der Religion zu unterrichten, dieser Unterricht bei 10 Thlr. Strafe von der Regierung untersagt, weil er kein geprüfter Katechet sei. Die Regierung zieht es vor, — da sie die Anstellung eines Religionslehrers nicht anbesiehlt, — die jüdische Jugend ohne allen Religionsunterricht aufwachsen zu lassen, als nachzugeben, daß der Rabbiner den Religionsunterricht ertheile; was kann demnach der Rabbiner anfangen, der nun einmal kein geprüfter Katechet ist? —*) Referent verlangt ferner, die Rabbiner sollen einen würdigen Gottesdienst einführen. — So sehr auch die Rabbiner Oberschlcsiens mit Leib und Seele der Orthodoxie anhängen und jeder Ncuerungssucht abhold sind, so haben sie dennoch die Abstellung mancher Mißbräuche so wie die Reglung und Verbesserung des öffentlichen Gottesdienstes als unabweisbar anerkannt; sie halten jedoch hierbei folgenden Gesichtspunkt fest. Erstens ist nur dann eine Neuerung im Gottesdienste eine Verbesserung, wenn sie in sehr vielen, wo möglich in allen Gemeinden der Monarchie kon¬ *) Ec macht das Examen, das jeder Religionslehrcr machen muß, und leider! leicht genug ist. Der Unterzeichnete hat es auch gemacht, hat zehn Jahre lang wöchentlich dreizehn Stunden und im Winter vier Konsirmationsstunden gegeben, und giebt noch wöchentlich sieben Stunden und im Winter vier Konfirmationssiunden. Der Redakteur. form eingcführt wird; ansonst wird durch deraxtige Neuerungen in einzelnen Gemeinden die Zerfallenheit im Judenthum nur vermehrt, wie die Erfahrung sattsam lehrt. In dieser Synagoge singt die Gemeinde laut im Chore, in einer andern ist sie zum leisen Lispeln verdammt, ist ihr jeder Laut jede Bewegung beim Beten streng untersagt. Hier kein fpiio aip, dort kein ss. Hier dieses Gebctstück dort jenes exitirt, so daß ein Reisender sich in jeder Gemeinde, deren Gottesdienst' er besuchen wollte, ein anderes Gebetbuch anschaffen müßte, wobei es ihm noch Schwierigkeiten verurachrn würde, sich jedesmal in eine neue Gebetsweise zu fügen. Zweitens ist es bei der Neuerungswuth unserer Zeit, der sich leider schon mancher moderne Rabbiner hingegeben, die nichts Geringeres im Schilde führt, als die Vertilgung alles Positiven im Judenthum, und letzteres auf einige allgemeine theoretische Morallehren, welche alle Religionen gemein haben, zu reduziren, dem Laien nicht zu verdenken, wenn er gegen jeden einzelnen Rabbiner, der sich Neuerungen erlauben wollte, mißtrauisch wird. Es muß daher der Rabbiner in orthodoxen Gemeinden bei jedem Versuche einer Neuerung nur auf Widerstand stoßen und das Vertrauen verlieren, und kann dabei nichts gewinnen als Zwiespalt und Verdächtigung. Soll daher eine Verbesserung des Gottesdienstes, im wahren Interesse , der Religion mit Nutzen, ohne Spaltungen und Feindseligkeiten herbeizuführen, vorgenommen werden,'so müssen die Rabbiner von ihr.en Gemeinden zu einer zulässigen Reform im Gottesdienste autorisirt, zusammentreten, an ihre Spitze einen Mann setzend, dessen Redlichkeit anerkannt, über jeden Verdacht von Neuerungssucht erhaben ist, dem sie die Leitung des Ganzen anvertrauen können. Dann, nur dann dürfte eine Verbesserung heilbringend und ohn^Geräusch in's Leben treten, nur dann dürfte ein ersprießlicher Erfolg zu erwarten sein. Es haben sich auch bereits mehrere Rabbiner Oberschlesiens an einen Mann gewendet, den sie als geeignet erachteten, mit dem Ersuchen, eine Versammlung orthodoxer Rabbiner zur Berathung einer konformen Verbesserung des Gottesdienstes in's Werk zu setzen, welches jener Mann auch beifällig aufnahm und die einleitenden Schritte zu thun versprach. Wir hoffen daher, daß unser stilles Wirken mit göttlicher Hilfe,