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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-09-16 · Heft 38 (16.9.1844) · p. Seite 532

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 38 (16.9.1844)
Date
1844-09-16
Page
Seite 532 (sequence 4)
Language
German
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532 ohne Unterricht bleiben. Der dortige Pfarrer, ein höchst würdiger Geistlicher, will zwar gern den Religionsunterrichtübernehmen, aber mehr zu thun, verhindern ihn seine Amtsgeschäfte. Dem Religionsunterrichte muß aber nvthwendig der Elementarunterricht vorangehen, die Kinder müssen Lesen, Schreiben :c. lernen. Wie ist da zu Helsen? — Es ist auch ein jüdischer Lehrer, Herr H—n, im Orte. Zwar hat dieser selbst ein sehr schwieriges Amt, er muß täglich sechs Stunden unterrichten, noch dazu in zwei verschiedenen Orten, wohin er täglich eine halbe Stunde weit gehen muß. Jndeß, er denkt: Mein Bruder ist krank; so nöthig mir die Erholung auch ist, ich muß ein klebriges thun, die Schule darf nicht verwaist bleiben. Glücklicherweise gehört der Herr Pfarrer nicht zu denen, die es für gefährlich halten, daß ein Jude an einer christlichen Schule unterrichte. Er kommt mit dem jüdischen Lehrer überein, übernimmt den Unterricht in Religionslehre und Bibel, Herr H—n ertheilt täglich zwei Stunden in den übrigen Gegenständen des Volksunterrichts, und Allen ist geholfen. Herr H—n fühlt sich genügend belohnt, denn er handelt also, damit erfüllt werde das Testament der Menschheit: „Kindlein, liebet.euch untereinander!" — Um aber diese Handlung würdigen zu können, möge auch ihr Gegenbild hier seinen Platz finden. Nicht sehr weit von diesem Orte wohnt auf einem Dorfe eine einzelne jüdische Familie, deren Kinder drei Viertel Stunde weit zu einem jüdischen Lehrer in die Schule gehen müssen. Die Kinder sind noch klein und schwach, beim besten Willen können sie in Winterszeit und schlechtem Wetter nicht in die Schule gehen. Der Vater, dem es schon sauer genug wird, seinen Beitrag zum Gehalt, des Lehrers aufzubringen, sucht um die Erlaubniß nach, seine Kinder in die christliche Schule seines Ortes schicken zu dürfen, damit sie hier den Elementarunterricht genießen möchten. Nein, sagt der christliche Lehrer, Ihre Kinder gehen mich Nichts an. Die Behörde wird angerufen, aber sie kann den christlichen Lehrer zum Unterrichte jüdischer Kinder nicht zwingen. Nein, nein! nicht zwingen. — Welche Religion rühmt sich doch, das Testament der Menschheit in ihrem Kanon zu lesen? A. S. Neuwied, 2». August. (Fr. F.) Nicht minder wird die öffentliche Aufmerksamkeit durch die gegenwärtig stattfindende feierliche Einweihung der israelitischen Synagoge in Anspruch genommen. Der gestrige und vorgestrige Tag waren ausschließlich religiösen Feierlichkeiten gewidmet, während mit dem heutigen eine Reihe von Festlichkeiten aller Art beginnen, woran dem gesammten Publikum die Theilnahme gestattet ist. Erfreulich war es, wahrzunchmen, daß bei dem veranstalteten öffentlichen Umzuge nicht allein eine große Anzahl Christen aller Sekten und Konfessionen, die sich hier repräsenkirt finden, sondern sogar viele der zur Synode anwesenden Deputirten Theil nahmen, und in dieser Weise nicht nur einen Akt acht christlicher Toleranz, sondern wahrhaft religiöser Gesinnung bethätigten. Möge Neuwied in beider Hinsicht einer größeren Nachbarstadt als Vorbild dienen! Frankfurt am Main, 1. September. (Privatmitth.) Wer die hiesigen jüdischen Zustände so recht verachten will, wer die Art und Weise, wie die Juden selbst, getaufte und ungetanste, ihre Religion in den öffentlichen Blättern herabwürdigcn, satt bekommen will, der lese einen Artikel im Fr. I. vom 31. August d. I. über „Cappores-Schlagen" und „Schaanes-Abklopfen," um vollends nicht zu wissen, ob er den Schreiber oder das Blatt, das dergleichen aufnimmt, mehr schmähen solle. Hamburg, 6. September. (Privatmitth.) Unsre gestrige Einweihungsfeier war wirklich befriedigend; die Predigt hat den Christen ungemein, den Juden minder gefallen; insbesondre haben Letztere es sehr undelikat gefunden, daß die alte Emanzipationsklage in Gegenwart der Regierungsleute aufgewärmt ward. Das Schlußgebet war wirklich «in Meisterstück. Eine merkwürdige Kourtoisie hat statt gefunden; gestern sollte Bürgerschaft sein, und ward unsrer Feier wegen vorgestern gehalten, obgleich Donnerstag der übliche Tag ist. —. Nach einer Introduktion von A. F. Schinck, sang die Gemeinde den in der Anmerk, gegebenen Einleitungsgesang•). Hierauf folgte hebräisch der Mel. Es lebt ein Gott. 1. In- Gott, in Gott frohlockt, ihr Frommen! Vollendet steht sein Heiligthumz

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