Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-09-16 · Heft 38 (16.9.1844) · p. Seite 531

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 38 (16.9.1844)
Date
1844-09-16
Page
Seite 531 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3225335-3225374--06313-3315122
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

531 Alten vor dem Eide hat mehr Grund im Vorurtheil, als in der Gewissenhaftigkeit. ,,Bei mir sollst Du schwören," heißt es, und sobald wir unsre ganze Ueberzeugung aussprechen, können wir schwören, und solch' ein Schwur kömmt einer Anerkenntniß Gottes gleich.' Was die Formen anbetrifft, so kann ich mich von meiner eben ausgesprochenen Ansicht noch nicht trennen. Den Beweis hatte ich gleich. Den Tag nach meiner Rückkehr von der Rabbinerversammlung hatte ich fünf Termine zu Abnahme von Erden. Bon diesen fünfen brachte ich vier Vergleiche zu Stande — ich kann Alles namentlich beweisen — und der fünfte machte sich ohne mein Zuthun gütlich. Ich hatte die Genugthunng, von fünf Eiden keinen einzigen schweren zu lassen, eine Genugthunng, die mir zu oft kömmt, als daß ich deren fernere Gelegenheit nicht erwünschen sollte. Ich dachte an meine Herren Kollegen in Braunschweig, die — allgemeiner, theoretischer Prinzipien wegen, die Praxis an's Kreuz heften wollten. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten. Deutschland. Hamburg, 2. September. (Privatmitth.) Am vorgestrigen Sabbat ward in unserm bisherigen Tempel der letzte Gottesdienst gehalten, wobei Herr Dr. Frankfurter eine sehr energische und ergreifende Rede über den Text nnrr aus der Tages- Parascha hielt, an deren Schluß ein recht wohlgemeinter deutscher Gclegenheitsgesang gesungen ward. Die Einweihung des neuen Tempels findet am 5ken Abends Statt. Die Vermiethung der- Stellen (an den Meistbietenden) auf drei Jahre dauerte die ganze Woche hindurch jeden Vormittag, und es ist jetzt fast keine einzige mehr zu haben. Die Miethpreise gingen weit über die Erwartung hoch und es war interessant zu sehen, mit welchem Eifer sich die Leute um die Stellen rissen. Daß unser Zeitalter völlig unkirchlich sei, läßt sich nach solchen Erfahrungen nicht mehr behaupten. Das Budget des Tempels ist nun reichlich gedeckt und den Bau-Aktionisten wird vollkommen Wort gehalten werden können. Nunmehr wird es sich erst eigentlich Herausstellen, wer denn eigentlich die Tempelgemeinde sei und aus wel- I chm Elementen sie bestehe. Daß man dies bisher nicht recht gewußt hat, zeigt sich schon darin, daß man nicht wagte, einen größeren Tempel von J090 bis J200 Stellen zu bauen. Der alte Tempel enthielt nur 280 bis 300, und der neue 620 bis 650 Stellen, daher denn der eigentliche Zweck desselben, eine wahre Anstalt für Volk zu werden, diesmal noch nicht erreicht wird. Vielmehr findet gleich bei der Eröffnung schon wieder der alte Uebelstand statt, daß für neu eintretende Mitglieder keine Plätze zu haben sind, was nicht allein eine Unbequemlichkeit ist; sondern auch dem moralischen und so zu sagen politischen Gewichte des Tempels schadet. Jndeß ist ein solches Verkennen bei vielen Wortführern des Tempels um so mehr entschuldbar, als selbst die kleine Klique der eigentlichen Feinde dieses Instituts, trotz dem Scharfblick der Furcht und des Hasses, doch bisher ganz ehrlich gewähnt haben das Tempelpublikum bilde nur eine geringe Minorität aus den wohlhabenden Klassen der Gemeinde, während es doch beinahe die Majorität bildet und seine Hauptstützen in den minder bemittelten Kreisen hat. Die günstige Stellung der Finanzen wird nun hoffentlich erlauben mehrere früher vertagte Pläne wieder aufzunehmen, wvrunte die Einrichtung eines Alltagsgottesdienstes und die Beseitigung aller speziellen Kosten bei Tempelkopulationen obenan stehen. Marburg, 25. August. Die Didask. enthalt von hieraus folgenden Artikel: „Kindlein, liebet euch untereinander! Das ist das alte und das neue Testament und ist zu lesen im Herzen aller Menschen. Wie glücklich müßte die Welt sein, wenn dieser Satz die allgemeine Religion des Lebens wäre! Handlungen der reinen Menschenliebe sind aber leider noch so selten in unserer frommen Welt, daß es dem Menschenfreunde eine wahre Erquickung ist, wenn ihm unversehens da eine solche aufstößt, wo er sie am wenigsten vermuthete. — In dem Dorfe H—z—h—n bei M—b—g ist seit mehreren Monaten der christliche Schullehrer erkrankt. Von seinem Gehalte, der kaum zu seiner Pflege ausreicht, kann er keinen Stellvertreter bezahlen. Die Gemeinde will den in treuer Amtsverwaltung für sie Erkrankten nicht der letzten Stütze berauben, kann aber auch nicht noch einen Lehrer besolden. Also müßte die unschuldige Jugend darunter leiden, 90—100 Kinder

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.