Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 38 (16.9.1844)
- Date
- 1844-09-16
- Page
- Seite 530 (sequence 2)
- Language
- German
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530 Wir bitten unsre Leser anjunehmen, daß wir diese Behauptungen nicht aus der Lust greifen, und wüßten auch, falls man sie nicht gelten lassen wollte, Beweise und Beispiele heranzubringen. Um so weniger wird man es uns übelnehmen, wenn wir uns persönlich über die Art und Weise, wie das, worin wir an den Debatten Theil nahmen, mitgetheilt worden, beklagen, und dagegen kräftig protestiren. Wenn einige Redner vorzugsweise bedacht worden sind, so können wir uns gerade unter die entgegengesetzten rechnen. Ich meine nun, daß allerdings Andere das Unsere für unwichtig und der Mittheilung nicht werth erachten können: man wird uns aber nicht verargen, wenn wir uns gegen mangelhafte, wenn nicht ganz falsche Mittheilung verwahren. Indem wir das Uebergangene nun vorerst mit Stillschweigen übergehen, so ist die Art, wie unser Vortrag in der Gebetsprachendebatte S. 61 mitgetheilt worden, so unzulänglich, so kurz und ungenügend, daß wir ihn nicht mehr für den unfern anerkennen können. Wir haben daher die in demselben gegebenen Gedanken bereits im leit. Art. No. 33 dem Publikum vorzulegen begonnen, und werden die Fortsetzung bald liefern. Wir würden uns nicht erlauben, Werth darauf legen, wenn nicht namhafte Personen zu uns persönlich gekommen, und für den Vortrag uns gedankt hatten. Noch mehr aber müssen wir energisch protestiren, wie unsre Aussprache in der Eidcssache S. 39 falsch und verstümmelt wieder gegeben worden ist. Wir remonstrirten schon bei Verlesung des Protokolls dagegen, man sagte, wir sollten es schriftlich geben, allein was sollte so ein verlaufener Eeizettel? Wir behielten es uns daher vor, und thun es hier. Es heißt da S. 39, wir hätten gesagt: „Vergessen wir doch den praktischen Standpunkt nicht. Die Regierungen würden unfern Ausspruche, wenn wir uns vom Talmud entfernen, nicht trauen. Er halte für nöthig einmal, daß der Eid eines Juden unter persönlicher Anwesenheit eines jüdischen Geistlichen abgeleistet werde; dann aber auch, daß der Eid eine religiöse Form habe. Bei den alten Juden sei dies vielleicht weniger nöthig gewesen, die haben mehr Gewissenhaftigkeit, religiöse Scheu gehabt, als die neueren." So viel Worte, so viel Falsches legte man hiermit mir in den Mund. Ich bin nicht der Mann, der seine Ansichten nicht furchtlos ausspräche, und wäre es Tausen-; den gegenüber. Also nicht von Furückuehmen und Ver- I drehen des Einmalgesagten ist hier die Rede. Aber Un- , sinn und Unwahrheit lasse ich mir nicht ungeahndet auf j die Lippen legen. Ich sagte: Wenn wir alle Formen bei der Eidesleistung entfernt haben wollen, so werden die Regierungen, welche die jüngeren jüdischen Theologen so schon zu sehr in Verdacht der Neologie haben, auf unfern Ausspruch gar keinen Werth legen, wir also mit unsrer Erklärung gar nichts wirken. Vergessen wir also den praktischen Standpunkt nicht. (Vom Talmud sprach ich in dieser Sache gar nicht.) Ich selbst stimme auch damit nicht überein, sondern erkenne die religiösen Formen für sehr uothwendig bei der Eidesleistung an, um diesen Akt eindringlicher und gewichtiger zu machen. So halte ich dafür, daß die Anwesenheit eines Geistlichen bei Belastungseiden sehr wünschenswerth sei, und zwar schon aus dem Gesichtspunkte, daß der Geistliche unzählige Male Vergleiche zu Stande bringt, wo dies dem Richter nicht gelang. Wenn bei anderen Glaubensparteien dies nicht statt findet, so gehe uns das nicht an, und wir dürfen überhaupt uns dessen nicht berauben, was bei uns Angemessnes sich findet, bloß um der Gleichstellung wegen. Ich habe von Christen oft genug gehört, daß die Anwesenheit des Geistlichen auch bei ihnen bei Bclastungseiden sehr wünschenswerth sei. Auch mache bei den Formen des Eides der Unterschied von alten und neuen Juden nichts aus, denn allerdings habe ich bei den alten Juden mehr religiöse Scheu vor Eiden gefunden, als bei den neueren. Dies habe ich gesagt, und vergleicht man damit die Wortfügungen dessen, was man mich sagen laßt S. 39, so wird man die feine Gränzlinie von Unsinn, die man hineingelegt hat, leicht erkennen. Allerdings erregte der letzte Satz einen Sturm gegen mich, denn die alten Juden — obschon unsre Vater — standen einmal bei vielen Mitgliedern der Rabbinerversammlnng in schlechtem Gerüche. Aber — wahr ist es doch. Ich sage durchaus nicht, daß die neueren Juden mehr falsche Eide schwören — Gott bewahre mich vor solchen Meinungen und Aussprüchen: aber sie schwören leichter, sie scheuen sich nicht so ängstlich vor den Eiden, wie die älteren Juden, denen es das peinlichste ist, einen Eid zu schwören, selbst wenn sie ihrer Sache ganz gewiß sind. Wer das leugnet, hat noch keine vierzehnjährige Praxis bei den Gerichten wirklich gehabt. Damit ist ja noch gar kein Lob oder Tadel ausgesprochen, denn die Scheu der