Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 38 (16.9.1844)
- Date
- 1844-09-16
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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VIII. Jahrgang. Allgemeine No. 38. Zeitung des Zudcnthums. Ein unparlheiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redakteur: Vertag von Dr. Ludwig Philippfon, Baumgärtners Buchhandlung Rabbiner zu Magdeburg. zu Leipzig» (Mit Königl. Sächsischer allergnadigster Konzession.) Leipzig, den 16. September 1844. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 96 Bogen in Quart inkl. des Titels, Registers u. s. w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 221 Ngr. (18 gGr.) für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen. Postämter und Zeitungsexpeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die Königl. Sächs. wohllöbl. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitender Artikel: Die Protokolle der ersten Rabbinerveriammlung. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Hamburg, Marburg, Neuwied, Frankfurt a. M., Hamburg, Hamburg. Preußen: Laufereweiler, Magdeburg, aus Oberschlesien. Oesterreich: Papa, Arad. Frankreich: Paris. Großbritannien: London. Marokko: Paris. Rußland, und Polen: Wilna, von der poln. Grenze. Leitender Artikel. Magdeburg, den 8. September. Die Protokolle der ersten Rabbinerversammlung. Es begegnet häufig, daß die Erfahrung die Dinge in ganz andern: Lichte erscheinen läßt, als von vornherein man anzunehmen sich berechtigt glaubte. Dies möchten wir auf die nun endlich uns vorliegenden Protokolle der ersten Rabbinerversammlung anwenden, und aussprechen: daß deren Zusammenstellung und Abdruck just kein glücklicher Gedanke war. Ertemporirte Reden können an sich zwar als Ausspruch der Ueberzeugung gelten, werden aber dennoch in wichtigen Dingen nicht ausreichen, weil ihre Vollkommenheit zu sehr bedingt ist. Wie Vieles macht hier die Viva vox bedeutend, was gedruckt seicht und oberflächlich erscheinen muß. War nun die Oeffentlichkeit der Sitzungen und die Veröffentlichung der Resultate nothweudig, so wäre auch die Mittheitung der Reden, wenn sie durch Stenographen ganz gegeben werden konnten, noch von Belang gewesen. Was aber geben diese Protokolle? Magere Auszüge, dürre Satze, die der Sekretär in der Eile und Hitze notirt hat. Alles lag in der Auffassung und Ansicht des Sekretärs. Es ist durchaus nicht unsre Absicht, und wir sprechen dies ganz besonders aus, den Herrn Sekretär der eisten Rabbinerversammlung anzuschuldigen — aber Jeder ist Mensch, und so ist es einleuchtend, daß eLnerseirs diese Protokolle das magerste Abbild des voller Lebens jener Versammlung geben, daß andrerseits Vieles falsch aufgefaßt werden konnte, daß der Sekretär in der Wahl dessen, was ihm der Aufzeichnung werth schien, fehlgreifen konnte, daß er endlich das, was seiner (des Sekretärs) Ansicht am meisten zusagt, unwillkürlich am breitesten mittheilte. Alles Dies ist nun nicht bloße Voraussetzung, sondern ist wirklich geschehen. Zwar ist das Mögliche geschehen: die Protokolle wurden in der nächsten Sitzung verlesen, und Jeder Konnte remonstriren. Viele haben es gethan, ist das aber berücksichtigt worden? Dann wurde eine Kommission erwählt, die die Protokolle noch einmal durchsah. Diese hat, wie wir uns überzeugt haben, noch gestrichen oder modifizirt. Denn wir vermissen Einiges, was wir bei Verlesung der Protokolle gehört haben. Immer war aber doch die Auswahl, der Auszug schon getroffen, und konnte nicht ergänzt werden.