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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-09-09 · Heft 37 (9.9.1844) · p. Seite 525

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 37 (9.9.1844)
Date
1844-09-09
Page
Seite 525 (sequence 13)
Language
German
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525 ren bis vor einigen Jahren vom Koscher-Fleisch-Verzehrungsaufschlag (Fleisch-Pacht) befreiet. Von Lichterzündungssteuer (Licht-Pacht) sind sie noch bis jetzt befreiet").— Die Tracht der tschernowitzer Juden tragt an sich schon bedeutende Spuren der nahen moldauisch-wallachischen Tracht der Juden (im südlichen Theile der Bukowina tragen sich viele schon völlig wallachisch); jedenfalls aber hat die Tracht der jüdischen jungen Leute in Tschernowitz an sich viel Gefälligeres als die gewöhnliche polnischjüdische in Galizien. So z. B. wird hier anstatt der werkeltäglichen Spodiks und des sabbatlichen Streimils immer eine runde Aobelmütze (Hüttel) getragen und die Kniehosen mußten hier den langen modernen Pantalons Platz machen u. dgl. mehr. Die Frauen tragen hier in den Wochentagen keine Sterntüchel, und haben dafür diesen kostspieligen und unnützen Schmuck an dem Festtagen auf. Das Sterntüchel selbst stehet hier bei weitem sonderbarer und unerträglicher als in Galizien aus; überhaupt ist es gewiß ein größerer Unsinn, sich zu verarmen, um ein reiches Sterntüchel im Kasten zu besitzen als in Galizien, wo er doch unaufhörlich den Kopf seiner Besitzerin ziert. — In den Wochentagen wird hier der Kopfputz auf eine höchst prosaische Weise mit einem Tüchel verbunden, wie es bei den Juden in der Moldau allgemeine Sitte ist. Mehrere Weibchen vornehmer Familen in Tschemowitz tragen die europäische Haube, wovon es jedoch zwei Klassen giebt: die Einen tragen immer die Haube, die Andern hingegen tragen am Sabbat und den Festtagen eine Haube, in den Wochentagen aber wird der Kopf mit dem Tüchel vermummt (Schabas-Datscherkis). Eben so giebt's unter den jungen Leuten viele, die sich deutsch kleiden, und zwar wieder entweder immer (in Wochen- und Sabbattagen), oder auch nur in Wochentagen, am Sabbat hingegen wird Rock und Hut in Kaftan und Hüttel oder gar Streimil umgetauscht. Biele Gewerbsleute (besonders Schneider) gehören in diese Kategorie. — *) Der ökonomische Zustand der Juden in der Bukowina ist sehr erwünscht. Wohlhabende Familien giebrs da viele und, was noch interessanter ist, nicht nur solche die sich durch den Handel emporgeschwungen haben, sondern auch viele solche die es durch Handwerk (besonders Schneiderei) zu Vermögen und zu schönen Hausern gebracht haben. Die Schneider bilden daher auch in Tschernowitz eine sehr einflußreiche Partei in der Gemeinde. Korresp. Mit dem Bildungsgrade der Tschernowitzer ist es im Allgemeinen (natürlich einzelne Ausnahmen abgerechnet) nicht weit her. Talmudgelehrte, Jliem (Kraftgenies), Pschetil-Sager u. dergl., sind hier äußerst seltene Erscheinungen. Im Allgemeinen erhebt sich die Kenntniß eines Tschernowitzer — außer der feines alltäglichen Berufsgeschäftes — nicht über das Dawinnen (tägliche Beten), etwas jüdisch schreiben und allenfalls noch feine deutsche Unterschrift (auf einem Wechsel u. dergl.) mit dem Schweiße seines Angesichtes zu Tage zu fördern. Der Grund dieser Erscheinung ist, daß die Tschernowitzer bisher ihre Kinder (im Gegensatz zu Galizien) allzufrüh in das Geschäststeben einzuführen pflegten. Hat so ein 12 bis 13jahriges tschernowitzer Jüngelchen 6 bis 7 Jahre in einem bukowiner Cheider verschwitzt, so sagt er nun demselben, und damit allem und jedem Unterricht, auf immer Lebewohl, wird in die Geschäfte seines Vaters eingeweiht, arbeitet mit ihm zusammen eine kurze Zeit und, ist sein Betragen erwünscht, so giebt ihm der Vater ein kleines Kapitälchen, um auf eigene Faust zu spekuliren, und der Jüngling muß sich bis zu seiner Hochzeit ein ansehnliches Kapitälchen selbst erworben haben, welches dann der Vater durch ein freiwillig zugeschossenes Heirathsgut (Nedan) verdrei- oder vierfacht und -— ihn verheirathet. Man sichet, wie vernünftiger hierin die Bukowina'er als ihre nachbarlichen Glaubengenossen in Galizien handeln. Freilich vermag der bukowiner Bräutigam nicht an seinem Hochzeitstage ein Pschetil über oder ir> -pwtn rmrn ■pErns u. dergl. passende Themata für einen Hochzeitssermon zu expektoriren, dafür aber vermag er gewöhnlich am Tage nach seiner Hochzeit und an allen folgenden seiner Frau Brod zu geben und stehet nicht, wie das gatizische Bal-Bessel, nach Verlauf der Köstjahre, trost- und aussichtslos da, nicht wissend, woher und wohin? — Indessen auch jene allzufrühe Geschäftsreise der Kinder, die in der That eine mehr als gewöhnliche Unwissenheit herbeisührt, soll jetzt aufhören, und vielleicht eine schönere Periode für die Juden in der Bukowina Hereinbrechen. Denn die tschernowitzer Bomirten haben die hochgelahrten Galizier übertroffen; sie haben aus eigenem Antriebe und durch vereintes Wirken einiger dortigen Wohlgesinnten, denen die geistigen Bewegungen innerhalb des Judenthums in Deutschland nicht fremd blieben, neulich eine öffentliche israelitische Schule (mit öffentlichen Lehrern, Inspektoren rc.) gegründet. — Es laßt sich denken, daß eine

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