Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 37 (9.9.1844)
- Date
- 1844-09-09
- Page
- Seite 524 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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524 Literarische Nachrichten. Magdeburg, 2. September. sKalender.) Kalender und Jahrbuch für Israeliten auf das Schaltjahr 5605. Herausgegeben von Isidor Busch. Dritter Jahrgang. Wien, 1844. Das Wiener Jahrbuch geht unleugbar einen guten Gang der Entwickelung, und so wie der Herausgeber keine Mühe scheut, die bewährtesten Männer zu Mitarbeitern zu gewinnen: so gewinnen auch die Beitrage selbst an Gehalt. Das diesjährige Jahrbuch zeichnet sich durch viele tüchtige Gaben aus. Den Reigen beginnt abermals ein „Rückblick auf das Jahr 1843" vom Redakteur dieser Zeitung. Derselbe ist mit Liebe gearbeitet, und bietet überschaulich und in angemessner Gruppirung, was in den Zeitungen einzeln und entlegen vorkam. Rühmlich hervorzuheben ist es, daß die k. k. Zensur es dem Verf. gestattet, sich unumwunden über die Ereignisse auszusprechen, und manches harte Wort vorzubringen. Auch an Ausführlichkeit hat der Rückblick gewonnen, da er sich auf siebzig enggedruckte Seiten erstreckt. — Die Berichte über die lemberger und wiener Gemeinden interessiren sicherlich und werden zu eifriger Nachahmung wecken. Die fortgefetzten „pia desideria" zeugen von der Einsicht ihres Verfassers. Die „Distichen" desselben sind unbedeutend. — Hieran reiht sich ein zu berücksichtigender Aufsatz von Abraham Kohn, „die Mißstimmung der jüdischen Feste." Unter diesem etwas abstrusen Titel bespricht der Verf. das Faktum, daß den jüdischen Festen viel mehr der Charakter der Furcht und Trauer, als der Freude und der Erhebung durch das Mttelalter gegeben worden, und daß der ursprüngliche, fristgemäße wieder heczustellen sei. — Eine sehr schöne und lebendige biographische Skizze liefert Zunz im „Nachman Krochmal," dessen großes hinterlassenes hebräisches Werk bald erscheinen wird. — „Der Segen der Armuth" von Salomo n stellt sehr Lieblich in vielen Beispielen auf, wie die größten Geister in der Schule der Armuth auch unter den Juden erwachsen sind. — „Glühende Kohlen" von Moritz Bar ach ist eine lesbare Novelle. — „Das himmlische Echo (Vip ro)" ist eine gelehrte Abhandlung von Wessely in Prag über das Wesen und die Bedeutung der Batli Kol.— Rapoport, erster Rabbiner in Prag, liefert eine tüchtige Untersuchung „über die Chroniken oder Erinnerungstafeln in den israelit. Kalendern," der viele Berichtigungen enthält; der erste deutsche Aufsatz des berühmten Verfassers. — Außer diesen prosaischen Artikeln enthält das Jahrbuch noch Gedichte von Moritz Rappaport, Lettens, Stern, Frankl, Eduard. Eigenthümlich ist das von Stern, der in zwei Szenen die Emanzi-Pation, eine reiche Braut, dem Rabbinatskandidaten verloben laßt, welcher die Aufgabe des Zeitgeistes lösen wird. Der eine will nun auch den geringsten Aberglauben erhalten, und muß weichen; der andre erkennt sittliche und soziale Veredlung als die Wirksamkeit des Rabbinen an, und erhält die Braut. Das Gedicht bringt manchen schönen Gedanken heran, wenn nur die Form korrekter und sorgfältiger wäre. — Hierzu kommen wieder aus Talmud und Midraschim Dichtungen und Sprüche von Stein, Abr. Kohn, Mich. Sachs. Die von Stein sind bis auf einiges Kleinere sehr gut gewählt und ausgeführt — nur daß sie ein wenig gedrängter und schlagender im Ausdruck sein müßten. Von den von Sachs, die im Ausdruck etwas gewandter zu wünschen wären, ist No. 7 vorzüglich. — Aus diesem Referate wird der Leser wol bemerken, welch' tüchtige Bibliothek des Guten und Schönen nach und nach in den Fortsetzungen dieses Jahrbuches geschaffen wird. Korrespondenz. Wanderung durch Krakau, Galizien, Bukowina, Moldau und Wallachei. (Fortsetzung.) Eine halbe Stunde östlich von Sadigura liegt T sch er nowitz, die Hauptstadt der Bukowina. Ihre Lage ist romantisch, auf einem Bergabhange am Ufer des Pruth. Obschon schön ausgebauet, erinnert doch schon ihre ganze Anlage und besonders der Mangel an einem Ringplatze an ihren frühem türkischen Ursprung. Die Einwohner sind größtentheils Wallachen, viele deutsche Beamten und — Juden. Tschernowitz beherbergt eine nicht unbedeutende jüdische Gemeinde. Eigentliche Tschernowitzer vom bukowiner Vollblut giebt es zwar nicht viel, dafür aber viele in früheren Zeiten eingewanderteaus Galizien. Seit einigen Jahren jedoch wird die Uebersiedelung galizischer Juden nach der Bukowina — bei einigen besonderen Fällen ausgenommen — nicht gestattet. Die tschernowitzer und bukowinaer Juden wa-