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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-09-09 · Heft 37 (9.9.1844) · p. Seite 526

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 37 (9.9.1844)
Date
1844-09-09
Page
Seite 526 (sequence 14)
Language
German
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526 solche Anstalt, in solcher Oertlichkeit, und von sich selbst geschaffen, in Plan und Ausführung noch gar Manches zu wünschen übrig lasse; allein ist der Impuls zur guten Sache einmal gegeben, so kann die weitere Entwickelung nicht mehr fehlen, und es-liegt nur an den Begründern dieser Schule, sich an Direktoren wohlorganisi'rter Schulen in Nähe und Ferne zu wenden, um die weiteren nöthigen Modifikationen zu erforschen und in Ausführung zu bringen. — Ist aber in Tschernowitz für Schulen schon etwas gethan, wenigstens eine Anregung dazu bereits gegeben, so liegt dafür das Synogagalwesen dort noch sehr im Argen. Die Synagoge in Tschernowitz ist in ihrer Art eine wahrhafte Rarität.— (Doch möge der Gott Israels seine israelitischen Gemeinden vor solchen Raritäten schützen!) Man denke sich ein halbvollendetes Gebäude, von außen und innen noch deutliche Spuren des Baugerüstes zeigend, von außen und innen eine nackte Ziegelwand (nicht übertüncht) zur Schau tragend, so daß dem minder andächtigen und dafür von vieler Langeweile geplagten Synacogmbesucher dadurch ein angenehmer Zeitvertreib gegeben ist, nämlich die Ziegel in der Synagogenwand zu zählen. — In der Synagoge selbst weder Decke noch Fußboden; statt der erstern siehet man das leibhaftige Dach mit seinen einzelnen Dachschindeln, seinen Spinngewcben- Drapperien nnd seinen Schwalbennestern. Giebt Gott einen fruchtbaren Regen, so befeuchtet er den Synagogenboden selbst mit; denn er bahnt sich einen Weg durch die weiten Dachlocher in das Innere dieses Halbgebäudes, und da, wie gesagt, der Synagogenboden aus Gottes lieber Erde verfertigt ist, und da die dortige Erde weich und schwammig ist, so kann man sich denken, wie es nach dem erhörten inbrünstigen Gebete für Regen (L^) in diesem Heiligthume Gottes aussi'ehet*). — *) Ein witziger Tschernowitzer sagte mir einmal, als ich mich mit ihm über die dortige Witterungskonstitution unterhielt, ehe ich noch die dortige Synagoge besucht hatte: „Wir haben hier einen frommen Regen/' Warum denn? fragte ich. „Je nun," crwiederte er im Polnisch-Jüdischen: „er gehet bei uns immer im Schul herein/' Seitdem ich die tschernowitzer Synagoge besucht habe, kann ich auch bezeugen, daß der dortige Regen ein häufiger Synagogenbesucher ist. — Korres p. So stehet diese Synagoge seit Jahren. Der Grund dieses schrecklichen Synagogenzustandes ist aber keineswegs in der Armuth der Gemeinde, sondern vielmehr in ihrer Uneinigkeit zu suchen. Die Uneinigkeit ist hier aber ebenfalls ganz eigner Art. Nämlich die Sache verhält sich so. Tschernowitz liegt, wie wir bereits gesagt, auf dem Abhange eines Berges, von seiner höchsten Spitze bis zu seinem Fuße und noch rings im Thale herum. Der bessere Theil der christlichen Bevölkerung, so wie der vornehme Theil der Juden, wohnt aus dem Berge (Bergpartei!), wo sie in der vornehmsten Straße mitunter sehr schöne Häuser besitzen. Im Thale hingegen wohnt die meiste, aber zugleich ärmste jüdische Bevölkerung, (man könnte diese mit dem Psalmisten „die betrübten Thal bewohn er sonn ‘’rrcm'' nennen). Nun liegen Berg und Thal mit einander im Streite. Der Berg möchte das Gotteshaus zu sich Heraufziehen, weit es da, meint er, erstens dem Himmel naher ist, zweitens das reiche Bergwerk (idem pecunia) sich vorfindet. Das Thal erwiedert aber ganz schlicht, es ist recht und billig, daß die Synagoge mitten unter ihren zahlreichen (nicht sackelreichen) Kindern, umgeben von einer ganzen Gemeinde (nicht von einem Dutzend Mitglieder derselben) dastehe, und die Frucht dieses seltsamen Streites ist — jene Rarität von Synagoge, und dafür anderthalb Dutzend Minjanim (Betstuben), die, wie wir früher gesehen, für die Hebung des Gottesdienstes und Beförderung der wahren Andacht unter uns so verderblich sind. Wer nun von den beiden Parteien Recht haben mag, lasse ich hier ununtersucht, jedenfalls aber sollten doch jene guten Leute bedenken, daß der Gott Israels nicht wie ein Heidengott, ein Gott der Berge oder ein Gott des Thales ist, und daß man ein im Bauen begriffenes allgemeines Gotteshaus, selbst ohne die Absicht es besuchen zu wollen, in seinem Fortbau bis zur würdigen Vollendung desselben unterstützen müsse, wenn man Segen verbreiten, Ruhm einernten und Schande fliehen will. — Zum Schlüsse dieses Abschnittes wollen wir noch ein paar erfreuliche Notizen aus Tschernowitz unseren geehrten Lesern mittheilen. Die erste ist folgende. Es giebt in Tschernowitz einen edlen christlichen Architekten, der sich sechs jüdischer verwaiseter Gassenjungen die sich nur durch das Betteln ihr Dasein fristen konnten, erbarmte, sie zu sich nahm und sie seitdem unentgeltlich in der Baukunst unterrichtet. Man versicherte mir, daß die Jungen viel Talent und Kapazität ent-

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