Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 37 (9.9.1844)
- Date
- 1844-09-09
- Page
- Seite 523 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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523 men, besonders in Nahrung, Wohnung und Feuerung; b) der Kranken in freiem Arzte und freier Arznei; c) der Handrverksbefliffenen, sowol während der Lehrzeit und der Wanderung, als auch beim Meisterwerden; 6) der durch Unglücksfälle Heruntergekommenen; e) der Studirenden durch Zuschüsse. 3) Der Frauen-Verein, seit Anfang dieses Jahres; Zweck: Unterstützung an Wöchnerinnen, an Kranke, an Frauen, die der Kleider entbehren ff. Besuche bei Schwererkrankten, die Beerdigung gestorbener Frauen. ■— So bietet die Gemeinde ein Bild vollständiger und abgerundeter Ordnung, wie selten' eine Gemeinde, Bielen ein Muster, Anderen zu Rath. Möge es daher der Gemeinde und ihren Instituten nie an Leben und Kraft fehlen, und der Geist der Stifter sich immerfort auf die Nachkommen verpflanzen! Leipzig, 2. September. (Privatmitth.) Es möchte wol jetzt kein zweideutigeres Blatt geben, als die sogenannte „Deutsche Allgemeine Zeitung." Es thut sich darin zu öfters ein Geist kund, der nicht kleinlicher, erbärmlicher fein kann, ein Geist, dem es um Licht, Aufklärung so wenig wie um Duldsamkeit zu thun ist, ein Geist, der Aufstand, Berfolgung so offenbar predigt, wie er diese — wenn sie nicht die Juden betreffen — auf's heftigste verfolgt. Es ist merkwürdig, daß diese „Deutsche Allgemeine Zeitung" ganz besonders ihre Berachtung und Schmähung gegen — Frankreich und Juden richtet, wohingegen sie Alles belobt, was in Deutschland, in Preußen ff. geschieht. Am 28. August giebt sie folgenden Artikel: „Von der böhmischen Grenze, 23. August. Wie weit es die Juden in unseren Tagen nicht blos im Materiellen, denn hier nimmt dies nicht Wunder, sondern selbst im Geistlichen, beziehungsweise bei der römischen Kirche bringen, davon erlangen wir täglich neue Beweise. Zwar ist der Baron ». Rothschild in Rom nicht, wie es beabsichtigt war (No. 22»), mit dem Grafentitel vom Papste begnadigt worden (worüber sich unsere deutschen Neichsgrafen gewiß freuen werden), wahrscheinlich weil er sich nicht zum Uebertritt zur römischen Kirche bewegen ließ; aber aus Dankbarkeit gegen die mächtige Hülfe, die er dem päpstlichen Schatze von neuem geleistet, hat ihn der Papst mit vier Bullen begnadigt, die auf den bigotten Theil des katholischen Volks im heiligen deutschen, ciäevemt römischen Reiche wie der Anblick des Medusenhauptes wirken und denselben von dem zwar ganz kanvnenmäßigen, aber des neunzehnten Jahrhunderts sehr unwürdigen und dem Interesse des römischen Finanzministers sehr schädlichen Verfahren gegen die Juden abbringen sollen. Die bezüglichen vier Bullen, welche der Baron v. Rothschild jetzt von Rom mitbringt, enthalten nämlich eine Vertheidigung der Juden gegen den vom römisch-katholischen Pöbel ihnen gemachten bekannten Vorwurf, daß sie zu gewissen Zeiten und Zwecken Christenblut brauchten. Bekanntlich ließ sich auch die römische Presse in Deutschland bei dem berüchtigten Prozesse zu Damaskus rücksichtlich des Paters Thomas zu dieser Pöbelansicht Hinreißen. Jetzt reinigt der päpstliche Stuhl die Kinder Jsrael's von dieser Beschuldigung, was ihm sehr zur Ehre gereicht, um so mehr, als sich das kanonische Recht, von welchem Herr v. Görres auch nicht einen Buchstaben fallen lassen will, sehr ungünstig über die Juden ausspricht. Was uns aber dabei in Verwunderung setzt und neugierig macht, wie es die römischen Behörden in Deutschland aufnehmen werden, ist der Umstand, daß der Papst jetzt seine Bullen durch Juden der katholischen Christenheit zusendet. Sonst geschah dies durch Legaten a latere, durch Nuntien oder durch Proklamation vor.dem Kardinalskollegium. Ein beschnittener Nuntius ist dabei, so weit wir die Geschichte kennen, noch nicht gebraucht worden. Diesmal überbringt ein Jude dem katholischen, Volke die Bullen und ein anderer Jude (Rothschild junior in Frankfurt) übersetzt sie ihm. Bei allem Gehorsam, welchen wir der deutsch-römischen Hierarchie dem Papste gegenüber zutrauen, glauben wir doch, daß mancher Erzbischof und Bischof den neuen päpstlichen Nuntius nicht recht freundlich aufnehmen wird. Wäre Herr v. Droste noch aktiv, so könnte wol ein zweiter Akt der kölner Tragödie möglich werden." — Aus solche Weise soll ein deutsches Blatt das Bestreben, beizutragen zu der Aufklärung der Völker über die erbärmlichsten Vorurtheile und Gehässigkeiten, denen das Leben und das Lebensglück von vielen Tausenden schon zum Opfer gebracht wurden, brandmarken! Dies sind die protestantischen Lichtfreunde, die sich „dem katholischen Pöbel" gegenüber stellen! Schande ihnen!