Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 37 (9.9.1844)
- Date
- 1844-09-09
- Page
- Seite 520 (sequence 8)
- Language
- German
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520 Jahre hier als solcher fungirte, jeden Monat ein- oder zweimal von der Kanzel herabgedonnert: „Laßt nur LAN euere Kinder nicht die taatsche Sproach lernen, sonst ist's aus mit euerer Religion,— und die Worte eines solchen Mannes, mit Pathos von der heiligen Stätte heruntergesprochen, — die Worte eines Mannes, der am min nnaia, anstatt seine Heerde mit einer, der Wichtigkeit und Heiligkeit des Tages angemessene Rede zu erbauen, mit der heiligen Tora um die imra die sogenannten chassidäischen Luftsprünge macht, und die russischen Schnelltöne stundenweise ununrerbrochen herlullet, die Worte eines solchen Mannes sollten keinen bleibenden Eindruck in dem Herzen leichtgläubiger Menschen zurücklassen? — Der jetzige Rabbine, Herr I. Unger, ein junger talentvoller Mann, von ausgebreitet talmudischer Gelehrsamkeit, der dabei viel gelesen hat, und überhaupt für höheres Wissen eingenommen ist, wäre eher geneigt wissenschaftliche Bildung unter seine Gemeinde einzuführcn; aber unmöglich wird es ihm dem Strome entgegen zu schwimmen, und den Keim der Hyperorthodoxie aus dem Herzen seiner Untergebenen zu ziehen, den seine Vorgänger mit solcher Kunst eingepflanzt haben. Und diese Gemeinde verdankt die Ehre, eine Rabbiner-Synode in ihrer Mitte abgehalten zu sehen, dem papaer, ihrem ehemaligen Rabbiner, Herrn P. Horowitz, als dem Veranlasser derselben. Schon ist die Erwartung unsers Ungarns auf das Höchste gespannt, was die, durch den papaer Rabbiner hierher zitirten Rabbinen beginnen werden, was der Gegenstand ihrer Berathung, und was das Resultat derselben sein wird. Ist es Nachahmungssucht, weil auch in Deutschland die Rabbinen sich versammelten; ist es Eifer für die immer mehr in Verfall kommenden Zeremonien unserer Religion; ist es Streben, unfern Kodex aufrecht zu erhalten, und jede einzutretende Neuerung aus unserer Mitte zu bannen; ist es Orthodoxiesucht der immer weiter, um sich greifenden Predigerschaar Gränzen zu setzen; oder was sonst die Absicht des Herrn Horowitz sein mag, ein Rabbiner- Konzilium hierher zu bestimmen, weiß vorläufig noch Niemand zu errathen, und aus dem Rundschreiben zu schließen *) wissen es die Herren Rabbinen selbst nicht. *) Es enthielt unter andern auch die Worte: nirs Schon ffromenjgfe Rabbinen aus der Nähe und weitesten Ferne zrHÄmren, bereits sind deren fünfzehn eingetroffen, und wir beschließen hiermit unser» Bericht, um solchen nach Endigung des Konziliums fortzusetzen. V. Nachtrag. Eben heute, am 19tcn dieses, als der Bericht geschloffen wurde, trafen noch fünfzehn Rabbinen, worunter zwei aus Oberungarn, mit Vollmachten von 25 Rabbinen versehen, ein. Aber auch zwei Perlen von entschiedenem Werthe, schmücken diese Versammlung, der temeswarer Rabbi, Herr H. Oppenheim, ein Mann von außergewöhnlichem Scharfsinne und schönstem Rednertalente, und der gefeierte, über Alles Lob erhabene pesther Rabbi, Herr L. Schwab. Daß Alles zum Empfange dieses außerordentlichen Mannes hinströmte, ist natürlich. Er nahm sein Absteigequartier bei dem ersten Gemeindevorsteher Herrn jAbr. Herrmann, wo ihn auch der papaer Rabbi erwartete. Dieser wurde sogleich von Herrn Schwab mit den drei kurzen und bündigen Worten gefragt: „Was wollen Sie?" und die Antwort war', daß in den vier Distrikten Ungarns zwölf, d. h. in jeden drei Oberrabbinen gewählt werden sollten, deren Aufsicht sich über die anderen Rabbinen ihres Distriktes erstrecke, damit diesen die Macht aus Händen genommen werde, einem jeden Kandidaten, wie bis heute geschah, die Rabbknatswürde geben zu können. Dieses also soll der Hauptgegenstand der Verhandlung sein.— Man sichet auch unter der Versammlung siebzig bis achtzigjährige Greise, die ihr Augenmerk auf Herrn P. Horowitz richten, als wollten sie fragen: w:b?— Pesth, 22. August. (Privatmitth.) Ich beeile mich Ihnen die höchst wichtige Nachricht zu bringen, daß, nachdem lange viel Ungewisses im Publikum über den Gegenstand gesprochen wurde, sich plötzlich bei uns eine ungarische Rabbinerversammlung konstituirthat. Essindda an fünfzig Männer anwesend, die meist, fast alle, der streng orthodoxen Partei angehören, und was da an den Tag kommen wird, läßt sich durchaus nicht bestimmen. Weil aber soviel gewiß ist, daß diese Rabbinerversammlung nicht im Entferntesten als eine Nacheiferung oder Nachahmung der jüngst in Deutschland stattgehabten angesehen werden kann, so muß, nachdem man ein sonderbares Spiel des Zufalls in die-