Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 37 (9.9.1844)
- Date
- 1844-09-09
- Page
- Seite 519 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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519 ist ein großer Theil desselben eingenommen, und das, nur einige Stationen von hicrAiegcnde Pesth, der Aentralpunkt des Ungar. Handels leihet dem regen Eifer unserer Brüder immer hohem Aufschwung. Der, jedem heilsamen Streben auf die Ferse folgende Segen zeigt sich hier auch auf das deutlichste, indem es hier Reiche, sehr viele Bemittelte, und verhältnißmäßig nur wenige Arme giebt. Wer also die Hände nichr in die Tasche stecken will, um durch den ganzen Tag die Psalmen herzubeten, der findet hier aus der ergiebigen Quelle der Beschäftigung reichliche Nahrung. Unter den andern israelit. Gemeinden dieses Komitats zeichnet sich besonders die bonyharder aus. Sie zählte, ehe uns noch die freie Uebersiedelung im vorigen Reichstage zu Theil ward, bei 450 Familien. Nun hat sie sich fast um den fünften Theil vermindert; ihr Wohlstand ist jedoch um nichts desto weniger in die Augen fallend. Der Umstand, daß die israelit. Bewohner Bonyhards größtentheils ihre eigenen schönen Häuser bewohnen, daß sie ihre Waaren im Großen aus Wien beziehen, und eine Gegend um sich haben, solche schnell absetzen zu können; daß ihr zahlreicher Handwerksstand, das thätige Leben in vieler Beziehung gemeinnütziger macht, berechtigt uns zu glauben, wenn die Hoffnung, indem gegenwärtigen Reichstage erweiterte Rechte, oder gar Gleichstellung zu erlangen verwirklicht würde, daß diese Gemeinde unter die vorzüglichsten Ungarns gezählt werden könnte. Ich sage, sie könnte gezahlt werden. Aber so lange ihre innere Verfassung noch auf gegenwärtigem Fuße stehet, verdient sie es nicht. Hier ist der gordische Knoten, den die Bessergesinnten unmöglich aufzulösen im Stande sind, es müßte denn ein Alexander kommen, um ihn mit einem Schwertstreich entzwei zu hauen. Und ist es auch dem aufgeklartern Theil einstweilen gelungen, besseren und zeilgemäßern Unterricht für ihre Jugend einzuführen, und mit Hilfe und bedeutender Geldunterstützung von Seite der humanen Komitatsstände eine Schule zu kreiren, wo nebst der hebräischen und deutschen, auch die ungarische Sprache gelehrt werden sollte, so stemmt dieser Neuerung ihr streng orthodoxer Rabbiner sich mit geballter Faust entgegen, und seine fanatischen Anhänger, leider den einflußreichsten Theil der Gemeinde bildend, suchen nicht nur diese für die künftige Generation heilbringende Anstalt zu hintertreiben, sondern auch alle, von Seite des Vorstandes zum Wohle, oder zur zeitgemäßer» Organisirung der Gemeinde getroffene Anstalten zu vereiteln"), und es gelang ihnen auch, denn schon sehen wir diese schöne Anstalt ein trauriges Opfer des Fanatismus dahinsinken. Die zweite Gemeinde in diesem Komitate bildet der angenehme, an der Donau gelegene Markt Paks. Sie zählt heute, nachdem der vierte Theil ausgewandert ist, beiläufig 200 Familien. Dieser Ort ist sowol für den innern Handel, als für den äußern weit gelegener als der vonge, da die Donauschiffahrt ihn sehr befördert. Seine fleißigen israelit. Bewohner sind reich und größtenthells wohlhabend. Beinahe der vierte Theil derselben, aus Schneidern, Schustern, Kürschnern, Gerbern, Goldschmieden, Schlossern, Blechnern rc. bestehend, bilden unter sich eigene Innungen, und der übrige Theil lebt ganz für den Handel. Alles wetteifert mit einander die Häuser zu verschönern, das Innere derselben auf das Prachtvollste zu möbliren, und die Waarenlager in höhern Schwung zu bringen. Aber für höhere Bildung des Geistes, für zeitgemäßen Unterricht, was wird hier gethan? leider gar Nichts. — Hat doch der jetzige neutraer, hier durch viele Jahre im Amte gestandene Rabbiner, bei seinem Abzüge der Gemeinde das heilige Versprechen abgenöthigt, nie eine Normalschule in ihrer Mitte zu dulden, oder ihrer Jugend je die mendelssohnische Uebersetzung beibringen zu lassen; und wie sollte man das einem solchen Manne gegebne Versprechen, dessen Worte als Orakelsprüche gelten, zu brechen wagen? — Hat doch der jetzige papaer Rabbine, als er durch sechs *) Herr H. Singer vor zwei Jahren erster Vorsteher, den sein ausgebrcitetes Waarengeschast sehr oft nach Wien führte, und dem seine bedeutende Stellung oft Gelegenheit gab, die Welt von der schönern Seite kennen zu lernen, schaffte auch unter anderen Mißbrauchen das sogenannte Schulklopen ab, und ließ das regelmäßige Schulgehen durch eine stabile Uhr im Tempel ordnen. Welche Aufregung gab's nicht da! — Herr Herschfeld, einer der Vornehmsten und Aeltesten der Gemeinde, unterzog sich Freitag Abends diesem Amte, und so ging es durch mehre Freitag Abende, durch ähnliche Individuen fort, weil— die Religion angetastet wurde. Korresp.