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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-09-02 · Heft 36 (2.9.1844) · p. Seite 502

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 36 (2.9.1844)
Date
1844-09-02
Page
Seite 502 (sequence 2)
Language
German
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502 sondern es Jedem überlassen, die Randglossen selbst zu machen. — Der Schulinspektor erklärte, er werde es nie zugeben, daß die jüdischen Kinder bloß die christliche Schule besuchten, ebensowenig, als wenn katholische Kinder in die evangelische oder umgekehrt ausgenommen sein wollten. Alsbald ergriff die bisher etwas lässige Gemeinde Rekurs und die hohe Regierung wird wol zu ihren Gunsten entscheiden. Wie die Regierung eine andre Bitte der Gemeinde um Entfernung des Rabb. Fürst von hiesiger Stadt berücksichtigen wird, steht ebenfalls noch in Schwebe.— Welche Aussichten nun aber jenes Versprechen des Herrn Fürst den jüdischen Theologen bietet, möge außer seiner eignen Unwiffenschaftlichkeit noch folgender Vorfall beweisen. Der steul. tliool. Salomon Friedländer, ein Enkel des berühmten Landrabbiners Friedländer in Brilon, hatte endlich vom Rabbiner Fürst die Erlaubniß erhalten, am pn rirnrr in hiesiger Synagoge zu predigen, und seine Arbeit dem Rabbiner einige Tage zuvor vorgelegt. Was erfolgte nun? Statt der Absprache gemäß die Arbeit mündlich zu besprechen und Einzelnes zu streichen oder zu bessern, sendet er die Predigt mit dem Bemerken zurück, es sei eine Tendenzpredigt und dürfe nicht gehalten werden. Mehrfache Bitten des Herrn Friedländer um Begründung des Verbots blieben unbeachtet. Auf solch' perfide, wider alle Hodegetik sich sträubende Manier zurückgestoßen, wendet sich nunmehr der Kandidat an den Synagogenrath, der ihm als die zustehcnde Behörde die Erlaubniß, den Vortrag zu halten, gerne ertheilte, da man von allen Seiten es sehr wünschte. Am Sabbat den 20sten d. M. predigte nun Herr Friedländer nach vollendetem Gottesdienst vor der in ungewöhnlicher Menge versammelten Gemeinde, wobei auch mehre Christen zugegen waren. Und sie hat uns gefallen, diese Tendenzpredigt! Das waren kräftige, anregende Worte, wie wir sie von den Lippen eines jeden israelitischen Geistlichen hören möchten, aus denen der frische, belebende Hauch jugendlicher Begeisterung so recht wohlthuend entgegenwchete. Die Predigt, durch elegante Diktion, wie durch Gedankenfülle gleich vortheilhaft ausgezeichnet, behandelte das Thema: „Jsrael's Kämpfe in der Gegenwart," über Text Jerem. 46,3, was in zwei Theilen (Kämpfe nach Außen und nach Innen) tüchtig und frei durchgeführt war und worin der Redner auch auf die Rabbinerversammlung kn Braunschweig hinwies. Die Aufgabe, welche sich Herr Friedländer stellte, war keine kleine; da er fremd vor einer fremden Gemeinde was er in der Einleitung auch andeutete, ganz ex abrupto auftreten mußte, ohne einen geeigneten Standpunkt zu haben, da die hiesige Synagoge einer Kanzel entbehrt. Und dennoch hat er seine Aufgabe tüchtig gelöst, seine treffliche Rede mit seltner Gewandtheit und Kraft vorgetragen, so daß die Versammlung, vom Indifferenten bis zum Allerorthodoxesten, im höchsten Grade befriedigt das Gotteshaus verließ. Einige Tage darauf wird nun Herr Friedländer vor das Universitätsamt ^geladen, angeklagt vom Rabbiner Fürst, weil er „unbefugt" predige und eine Predigt, die politi sch und religiös verwerfliche Tendenzen enthielte, wirklich gehalten habe. Gleichzeitig verklagte Herr Fürst auch den Synagogenrath beim Oberamt, wurde aber, weil dessen Kompetenz, Jemandem das Predigen zu erlauben, unbestritten, abgewiesen; dasselbe wird nun auch das UniversilätSamt thun, das bisher an eine vom Rabbiner beizebrachte, veraltete Verordnung vom Jahre 1824 sich haltend, Anstand genommen, Herrn Friedländer ferneres Halten gottesdienstlicher Vorträge ohne Autorisation des Rabb. zu gestatten, und die gehässige Anklage wird wol unbeachtet bleiben. Eines nur ist mir unklar oder auch zu klar, was nämlich Herr Rabbiner Fürst mit den Worten: „politisch verwerfliche Tendenzen" wollte, auf welche offenbar böswillige Insinuation die Behörde gar nicht einging? Ist Herr Fürst, der Seelsorger, zugleich als Denunziant besoldet? das war eine kleinliche, verfehlte Rache, wahrscheinlich aus Aerger, weil Herr Friedländer von so vielen Zuhörern so reichlichen Beifall erndtete, während, wenn Herr Fürst predigt, Alles die Synagoge verläßt und kaum pa bleibt. Die hiesigen Israeliten haben Herrn Friedländer im hiesigen Journal öffentlich gedankt und zur Wiederholung seiner Vorträge dringendst aufgefordert. Auch wir bitten denselben, uns öfter so in anziehender und kräftiger Weise zu erbauen und sprechen damit zugleich den innigen Wunsch aus, Herr Friedländer, dessen Rednertalent zu den schönsten Hoffnungen berechtigt, möge auf dem betretenen Wege zu einem großen, herrlichen Ziele muthig fortwandeln, trotz der vielen Schwierigkeiten, die der Stu»

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