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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-08-26 · Heft 35 (26.8.1844) · p. Seite 496

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 35 (26.8.1844)
Date
1844-08-26
Page
Seite 496 (sequence 8)
Language
German
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496 so viel religiöses Gefühl, und wenn auch schwärmerische, doch glaubensfcste Zuversicht, verbunden mit der liebenswürdigsten Humanität angetroffen zu haben. Er I'ieß ursprünglich Neunziger, ist der Sohn eines angesehenen memeler Bürgers evangelischen Glaubens und hat noch Aeltern, Geschwister und eine geschiedene Gattin mit ihrem und seinem Kinde. Die Stadt Memel, die neben vieler Matrosenrvhheit auch Baptistenschwärmerei aufzuweisen hat, konnte doch wol dem rohen Judenhaffe auch einmal eine fanatische Judenliebe entgegensetzten. Schon vor mehren Jahren kam er hierher und ging den Rabbiner M. mit der Bitte an, ihn in den alten Bund ausnehmen zu wollen, da, wie er sagte, die Juden allein Gort im Herzen hatten und seine wahren Verehrer seien. Lheils auf die bestehenden Staatsgesetze hinweisend, die den Uebertritt zu einer andern alS der christlichen Religion aus das strengste untersagen, machte der Geistliche ihn auch darauf aufmerksam, daß die Frommen aller Nationen des ewigen Lebens theilhaftig werden, daß der allgemein gültige Theil der jüdischen Religion, die Gottes- und Menschenliebe, ein integrirender Ttzcil des Christenthums sei, daß er überdies Ritualgesetze und namentlich die gefährliche Operation der Beschneidung übernehme, an die nur geborene Israeliten pflichimäßig gebunden wären. Neunziger ließ sich indcß nicht abschrecken, reiste über Amsterdam nach Jerusalem, wo er unter dem Namen Jakob Immanuel förmlich zum Judenthum übertrat. Er weilte einige Wochen in unserer Mitte, wo er täglich Morgens und Abends die Synagoge besucht haben soll, und ging über Memel, wo er den Seiuigen das letzte Lebewohl sagte, wieder in das gelobte Land zurück. Daß ihn der memeler Straßenpöbel verfolgte, ist eben so wenig zu verwundern, als daß im vorigen Jahre der dortige Wolkshaufe zu ungestümen Ausbrüchen gegen die Baptistensekte veranlaßt wurde. Man mag den Mann in vieler Hinsicht bedauern, man muß ihn aber bei näherer Bekanntschaft jedenfalls liebgewinnen und die Kühnbeit bewundern, die einer Idee Alles: Vermögen, Ehre, Aeltern, Verwandte, Bürgerrechte , mit wahrer Freudigkeit aufzuopfern im Stand ist. Oesterreich. Papa, im August. (Privatmitth.) Eine, Monate lang hier obgewaltere Parteiung, wobei die aus 400 Familien bestehende hiesige Gemeinde in zwei Halsten getheilt, der eine intelligentere Theil auf der inncrn Synagogeneinrichtung nach neuerer, besserer Art — auf eine bessere Schulordnung drang — und dagegen protestirte daß der hiesige Rabbiner einen unumschränkten Einfluß bei Gastpredigten ic. haben soll; — entschied unsere hochverehrte Grundherrschaft dahin, daß erstens der Synagogenbau lau! Plan in der neuen Form fortgesetzt werden müsse; daß Rabbiner und Gemeindevorsteher bei etwaigen Meinungsverschiedenheiten, ihre Ansichten und Gründe der hohen Herrschaft zu unterbreiten haben, welche darüber entscheiden wird; — übrigens wurde bekannt gemacht, daß der hiesige, höchst wissenschaftliche und äußerst hochsinnige H. Fiscal v. Papy von nun an das hiesige israelitische Schulwesen als erster Direktor zu leiten ernannt wurde. — Bacs, Talnauer Komitat, im August. (Privatmitld.) Am 20. August l. I. wird hier eine Versammlung ungarischer Rabbiner statt finden. Die betreffenden Anführer haben, wahrscheinlich aus Mangel nöthiger Schreibkenntnisse, über ihr Vorhaben nichts veröffentlicht. Vor Allem beabsichtigen dieselben, zehn Rabbiner zu ernennen, welchen allein das Recht zustehen soll, für in Ungarn anzustellende Rabbiner eine mnn zu crtheilen. Sie wollen der Ueberhandnahme wissenschaftlicher Rabbiner steuern! — Die Rabbiner Schwab und Löw sollen ebenfalls geladen worden sein, ob sie kommen werden und wie sich benehmen — üTnnr; v3 n:Bivv. — —. In Schlaining, Elsenburger Komitat, entging der Rabbiner nur durch die schnellste Flucht, den rohesten Mißhandlungen einer gegen denselben in Wulh erglimmten Partei. Die Ursache: ein aus Prag heimgckehrtcr Jüngling wollte eine Predig! abhalten. — Kvrmend, im August. (Privatmitth.) Der hiesige Rabbiner ließ in der Synagoge veröffentlichen, daß der hiesige Privatlehrer M. K, (ein vieljähriges Gemcindeglied und Familienvater) nrinvr k>wo siibybi u. sei. Derselbe hat sich nämlich in einem Schreiben an unfern Rabbiner, darüber mißbilligend geäußert, daß letzterer in seiner letzten nuw einen sehr geachteten israelitischen Prediger mit dem

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