Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-08-26 · Heft 35 (26.8.1844) · p. Seite 494

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 35 (26.8.1844)
Date
1844-08-26
Page
Seite 494 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3225335-3225371--06273-3315079
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

494 len •). Sind sie aber nur eine Fortbildung des Menschengeisies im Judenthum, dann kann auch die fortgebildetste Fortbildung nur auf diesen Menschengeist einwirken, und dem Judenthum bleibt immerhin das Reckt, sein llrtheil über die Wahrheit, oder Falschheit dieser Fortbildung auszusprcchen. Je mehr ich aber eine Fortbildung der historischen Formen des Judenthums mit Ihnen, Herr Red., nicht nur für möglich, sondern sogar für nothwendig erachte; je mehr ich es mit Ihnen als unerläßliche Pflicht der Rabbiner erkenne, dieser unabweislicheu Fortbildung die rechte Richtung zu geben: desto mehr muß ich bedauern, daß die erste Rabbineroersammlung diese Aufgabe nicht nur nicht gelöst, sondern vielmehr den Knäuel noch mehr, als es bisher geschehen, verwirrt hat"). Außer Ihrem in No. 28 dieser Zeitung niedergelegten gewichtigen, unparteiischen Urtheile hierüber kann ich nur das einzige Weck der Herstellung einer guten Synagogenorduung als ein Werk der Fortbildung Ln meinem Sinne erkennen. In der Abschaffung des * **)^12 jedoch, das doch allerdings einigen, wenn auch nicht umfassenden rituellen Werth hat, oder doch wenigstens etwas ganz Unschuldiges ist, sehe ich nichts weniger als eine Fortbildung. Es wird vielmehr durch diesen Beschluß eine falsche Anschuldigung auf fast ganz Israel, welches dasselbe bisher in seiner Liturgie hatte, gewälzt und mit einem Scheine von Wahrheit belegt. Noch mehr werden diejenigen Gemeinden verdächtiget, die zur Entfernung des br> — vielleicht nicht ohne Grund — sich nicht entschließen. Darum hätte ich die Diskussion über ■»‘-n: br; lieber unter der Rubrik der Zurückweisung falscher Ansichten, als unter jener der Entfernungen gesehen, was doch gewiß genügt hätte. In der Zurückweisung falscher Ansichten ffdoch, z. B. Erlaubniß des Wuchers, kann ebenfalls keine Fortb. d. I. gefunden werden; das Judcuthum hat zu keiner Zeit den Wucher erlaubt. Aber am Allerwenigsten kann in der Erlaubniß gemischter Ehen eine Fortbildung gesehen werden; ich glaube sogar, eine Verbildung, einen Rückschritt *) O ja, ich behaupte es. Ist das Institut des Leviteruhums noch da? Wie viel vom Ä kommt noch in Anwendung? Allerdings ist Vieles vermöge der Fortbildung wieder beseitigt. Wie viel von den vier Folianten der -p Rambanr's ist nicht antiquirt? Red. **) Es bat wol Niemand geglaubt, daß die erste Rabbinerversammlung mit einem Male den ganzen „Knäuel^ losen wird. Reo. darin zu sehen, in welcher Beziehung ich mich hier nicht aussprechen, sondern auf meine Menorah lehorah ©. i27ff, verweisen will *). Aus diesen und ähnlichen Gründen kann ich mich mit den Bestrebungen der ersten Rabbiner- und Prediger- Versammlung, und gewiß noch Mancher mit mir, durchaus nicht befreunden. Gailingen, 7. August 1844. Löwenstein, B^zirksrabbiner. # -8- « Johann Gottfried von Herder. * * «- # S- Zu Herder's Gedächtnis. Aufforderung. ÄKünchen, 4. August. Am 25. August 1744 wurde Joh. Gottfried von Herder geboren. Aus Mittheilungen in öffentlichen Blättern ist bekannt, daß das Andenken an diesen Tag an vielen Orten Deutschlands festlich begangen werden wird. An diese Feier, zu welcher auch hier eine Anzahl Freunde sich verbunden, schließt sich gegegenwärtige Aufforderung an. Herder gehört zu den Genien der neuern Zeit, denen die deutsche Literatur ihren Ruhm, die Deutschen selbst die Höhe der Bildung verdanken, auf welche ihr Glück und ihr moralischer Einfluß über ihre Gränzen hinaus gegründet ist. Deutschland hat begonnen, das Andenken an die Wirksamkeit dieser Männer dem öffentlichen Leben durch die Kunst stets gegenwärtig zu erhalten: für Schiller, Göthe, Jean Paul u. A. sind an verschiedenen Orten Ehrenbildsäulen aufgerichtet worden. Ihnen folge nun Herder! Und die Feier seines hundertjährigen Geburtstages werde die Veranlassung zu Vereinigungen für diesen Zweck! Die Verehrer Herder's, welche in München seinen Geburtstag begehen werden, sind vorläufig dahin übereingekommen: zur Errichtung eines Ehrendenkmals für Gottfried von Herder gemeinschaftlich zu wirken und nach eingeholter obrigkeitlicher Bewilligung freiwillige Beiträge dafür zu sammeln. Da der größte und bedeutendste Theil von Herder's literarischer Thätigkeit in seinen Aufenthalt in Weimar fällt, wo auch seine sterblichen Ueberreste °) Ucbcr diesen Punkt werden wir baldigst weitläufig sprechen. Red.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.