Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 35 (26.8.1844)
- Date
- 1844-08-26
- Page
- Seite 490 (sequence 2)
- Language
- German
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490 Theil des bestehendem Judenthums ein durch Offenbarung eingesetzter? Allerdings hat er geoffenbarte Formen in sich ausgenommen, aber diese machen den geringsten Theil aus. Nein! Das bestehende Judenthum ist die Offenbarungslehre mit dem historischen Leibe, wie dieser sich bis heute fertgebildet hat, und so ist das Judenthum in seiner Totalität nicht gleichbedeutend mit Offcnbarungslehre, und so ist eine Fortbildung des Judenthums wirklich vorhanden. — Uebrigens haben wir schon in einer Anmerkung in No. 30 dagegen protestirt, daß Fortbildung und Vervollkommnung mit einander verwechselt werden, und Herr Rabb. L. zeigt wenig Aufmerksamkeit, wenn er mit uns übereinstiunnen will, und doch Fortbildung mit Vervollkommnung für gleich hält. Es hat im Judenthume, wie in allen historischen Erscheinungen oft Fortbildungen gegeben, die durchaus keine Vervollkommnungen waren, die Rückschritte, die Abwege waren. Die Kabbala z. B. war eine sehr bedeutende Fortbildung des Judenthums, und doch ein Abweg. Weil nun Herr Rabb. L. in seiner Entgegnung auch die erste Rabbinerversammlung bespricht, so erlauben wir uns noch einige offene Erklärungen. Wenn die erste Rabbinerversammlung nicht die Resultate gebracht, welche wünschenswerth waren: an wem lag die Schuld? Nicht an den Männern, die gekommen sind: diese haben ihre Meinungen frei ausgesprochen, sie haben deren Vertretung übernommen, sie haben Geld-, Zeit- und Kraftopfer gebracht. Sondern: an denen liegt die Schuld, die nicht gekommen sind, und diesen werfe ich hiermit die Schuld in ihr Angesicht! Die Rabbinerversammlung sollte eineVereiniguug aller Meinungen, aller Parteien sein, um eine Vermittelung auzustreben, eine Ausgleichung. Anstatt dessen ist die stabile Partei gar nicht erschienen, von der orthodox-reformistischen nur sehr wenige, von der kritisch-logischen die überwiegende Mehrzahl. Wer darf sich nun beklagen? und wer muß schweigen? Diejenigen, die jetzt den meisten Lärmen schlagen! Die Männer waren höchst ehrmwerth, die gekommen waren. Die eine Partei hat die andre in die Kommissionen immerfort gewählt. Kann man ehrlicher, friedliebender sein? Wenn das Judenihum jetzt Rechenschaft fordert über den Verlauf der ersten Rabbinerversammlung, wen muß es verurtheilen? Die nicht gekommen sind, aus feiger Furcht, aus Achselzucken, aus Hohn! Der Eine hatte eine Trauung, der Andre wollte erst zusehen, dem Dritten war es zu weit, der Vierte mußte in's Bad — nun aber haben sie Alle Zeit und Kraft zu — schreien. Die erste Rabbinerversammluug wird immer als Erscheinung das eminenteste sein, was das neuere Judcnthum hervorgebracht hat. Ist es der Glanz, den dieselbe nach außen auf das Judenthum geworfen, der den Unwillen so Vieler anregt, die nicht zugegen waren? Ich gestehe es offen: es ist ein widerwärtiger Anblick, ein mitleiderregendes Schauspiel! Ich gestehe es offen: man wird dieses Misere's überdrüßig, und oft ist man in Versuchung, die Feder weit wegzuwerfen — wenn nicht der Gottesglaube dahinterstünde, der mehr gilt als alle Erbärmlichkeiten der Menschen, wenn nicht die Tausende von Glaubensgenossen dahinterstünden, die mehr verlangen, wenn nicht die Lebensaufgabe dahinterstüude, die da Ruhe, Besonnenheit, Ausdauer von dem erheischt, der es ernst und heilig mit ihr meint. Und was ist das Resultat? Die erste Rabbinerversammlung war eben nur Anfang. Das Institut muß bleiben, muß fortgeführt ‘xtnb ausgedehnt werden! Doch hiervon ein ander Mal. Jetzt zu der Entgegnung des Herrn Rabb. Löwenstein zu Gailingen. Entgegnung, die Fortbildung des Judenthums betreffend. Obgleich Sie, hochverehrter Herr Redakteur, Ihre Erklärung auf meine in No. 30 des von Ihnen redigirten fruchtbringenden Blattes an die Mitglieder der ersten Rabbinerversammlung (i. e. die Personen, welche diese Versammlung gebildet) gestellte Auffoderung weder im Aufträge, noch im Dienste dieser Versammlung abgegeben, so haben Sie doch wahrlich die Spalten dieses Blattes nicht einem geringfügigen Gegenstände geöffnet. Nicht im Aufträge, nicht im Dienste der ersten Rabbiner- und Predigerversammlung haben Sie gehandelt —; rvol aber im hohen Aufträge Ihres heiligen Berufes, im treuen Dienste unsrer göttlichen Religion. Sie haben offen und frei erklärt — wie es einem treuen Anhänger und Lehrer des Judenthums zusteht—daß die Anlage, das Element, die Organisation des Judenthums keiner Fortbildung, keiner Umgestaltung unterworfen werden können. Man müßte noch keinen Einblick Ln Ihre literarischen