Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 34 (19.8.1844)
- Date
- 1844-08-19
- Page
- Seite 481 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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481 worin der Wirkungskreis höchst schwankend und kleinlich gezeichnet worden, zu liegen. Red. d. A. Z. d. 3ut>.] Frankreich. Paris, im Juli. (Arch. isr. de Fr.) Der Minister des Innern hat ein Zirkulär an die Präfekten des Königreichs gesendet, um ihnen zu empfehlen: J) in jedes Gefängniß zu Gunsten der gefangenen Israeliten den nächsten Rabbinen zu berufen, 2) sorgfältig in ihren Monatsberichten die Verurtheilten israelitischen Glaubens beiderlei Geschlechts zu verzeichnen, um sie nach den Zentralgefangenhäusern zu leiten, bei welchen durch den Staat besoldete Rabbinen sind. —. Eine königl. Ordonnanz, welche die Kollegen der Notabeln berufen soll, wird nächstens erscheinen; die Listen werden im September veröffentlicht und zwei Monate ausgelegt werden. Der Gegenstand der Zusammenberufung wird die Wahl zweier Delegirten für jeden Bezirk sein, die mit dem Zentralkonsistorium zur Wahl eines Großrabbinen des lctztern schreiten sollen. Paris, 19.Juli. (l’Univ. isr.”)) Die Israeliten Frankreichs haben so eben einen großen Verlust erlitten durch den Tod des Sekretärs der Zentral- und Pariser Konsist., Polack, verst. 48 Jahre alt am 17. d. M. — Der Name Polack ist auf's engste mit Allem, was Gutes und Nützliches im französischen Judenthum seit 25 Jahren geschehen ist, verbunden. Auch an dem neuen organischen Gesetze hat er einen großen Antheil gehabt. —. Der Univ. isr. wie die Arch. isr. de Fr. zahlen die Israeliten auf, die zu der großen Industrieausstellung zu Paris werthvolle Gegenstände geliefert hatten. —. Die beiden französischen Zeitblätter geben sehr kurze, fehlerhafte und unvollständige Berichte über die Braunschweiger Rabdinerversammlung. Bemer- *) Eine neue Monatsschrift betitelt l’Univers israelite, die sich nicht in den engen Schranken der Arch. israel. de Fr. und deren Prinziplosigkeit halten will. Redakt. kenswerth ist es überhaupt, daß die deutschen Juden einen neuen Feind ganz unerwarteter Weise in — den beiden französischen Monatsschriften für Judenthum erhalten haben. Man lese einen Artikel im Augustheft der Arch. isr. de Fr. „un Mot a M. Geiger.“ Wir wollen dergleichen nicht verfolgen, denn.es scheint uns mehr als lächerlich, auf das Gebiet des Judenthums, wo es sich lediglich um jüdisch-religiöse Fragen handelt, die Rheingränzstreitigkeiten zu verpflanzen. Sonst könnten wir den Herren einige Wahrheiten sagen, die sie schwer verdauen sollten.-Hierbei noch eine Bemerkung; Herr Cahen kann sich auf recht kindische Weise noch immer nicht zufrieden.gcben, daß wir Originalkorrespondenzen aus Frankreich erhalten. Um ihm mit einem Male die Sorge zu nehmen, wollen wir ihm sagen, daß die von ihm so sehr in Frage gestellte und ihn so sehr beunruhigende Chiffre L. ß. keine fingirte ist, sondern Herr L. Bloch in Ribcauville. Und nun leben Sie wohl, Herr Cahen, in dieser Sache. Italien. Rom, 15. Juli. Jedesmal, wenn ein Mitglied der Rothschild'schen Familie die alte Siebenhügelstadt berührt, verbreiten die Zeitungen Gerüchte von Verbesserungen der bürgerlichen Verhältnisse der Juden, die dadurch bewirkt wären. Die D. A. Z. will dieses diesmal auf eine ganz eigene Weise uns ausreden, indem sie uns versichert, die Juden brauchen in Rom gar keine Verbesserung, sie sind fürtrefflich da gestellt!!! Sie sagt: „andererseits leben die Juden in Rom nicht eben in unangenehmeren Zivilverhaltnissen als anderswo in Italien, Frankreich und in manchen katholischen Ähcilen Deutschlands. Davon zeugt der alljährliche Wachsthum ihrer Gemeinde, deren Seelsorge durch fünf Synagogen gehandhabt wird. Allerdings wohnen auch hier die Juden in einem besondcrn Quartiere, dem Ghetto, gegenüber Trastevere, und dieser Ghetto ist zur Nachtzeit verschlossen. Auch sind sammtliche Gemeindeglieder zu wiederholten Malen jährlich eingeladen, in der kath. Kirche St. Angelo in Pescheria der Predigt eines gelehrten Dominikaners beizuwohnen. Doch ist auch da dem freien Willen kein Zwangsgesetz vorgeschrieben." 34»