Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 34 (19.8.1844)
- Date
- 1844-08-19
- Page
- Seite 479 (sequence 7)
- Language
- German
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479 Die neue Ordnung wird alsdann mit dem I. Oktober d. I. in der großen Synagoge ins Leben treten. — Die neugegründeten Institute erfreuen sich alle des besten Gedeihens. Der Handwerksverein spendet II Lehrlingen seine Wohlthaten, unterstützt die angehenden Meister beim Bürgerwerden, und sucht den Armen unter ihnen durch Vorschüsse aufzuhelfen. Die Gründung dieses Vereins geschah aber weniger im Interesse unserer Gemeinde — der Vorstand bestimmte ohnehin jährlich eine bedeutende Summe zu diesem Zwecke — als in dem der Provinz. Das Könnt« des Vereins forderte daher bald nach der Gründung desselben sämmtliche Gemeinden Schlesiens um Beiträge auf: Oppeln versprach nun beizutragen, Brieg und Leobschitz haben ihre Beiträge auch wirklich geleistet, die übrigen Gemeinden aber haben nicht einmal geantwortet. — Die Bibliothek des Lehr- und Lesevereins vergrößert sich tagtäglich, sie wird von den Mitgliedern fleißig benutzt, und bietet namentlich den jungen Theologen die beste Gelegenheit zu Selbststudien. Auch der jüdische Literat Herr Mauksch aus Ungarn, der sich gegenwärtig hier aufhält, findet da die nolhigen Hilfsmittel für seine Forschungen im Gebiete des Talmuds. — Die Religionsschule wurde auch zu diesem Semester mit vielen Zöglingen vergrößert, und selbst Leute, die man zu den eifrigsten Opponenten zählt, schicken ihre Kinder in den Unterricht. Geiger widmet der Anstalt viel Zeit und wird von dem Rabbinatskandidaten Dr. Löwi (Verfasser der gelehrten Arbeit über den Ankelos), der als Lehrer an der Schule fungirt, auf's Beste unterstützt. — So genießen wir schon jetzt die Früchte jener Saaten, die in den Zeiten der Mühen und Anstrengungen ausgestreut, von der im Innern der Gemeinde wirksamen Wärme rasch in Schuß gebracht und zur frühen Reife gezeitigt wurden. Mögen aber auch diese Früchte ihre Urheber erquicken, die an die Wahrheiten der Neuzeit Ungläubigen überzeugen, den Geist der Zwietracht aus den Gemüthern bannen, und die Unzufriedenen in den Schooß der Gemeinde zurückführen. — Privatbriefe aus Kalisch melden hier, daß die Aushebungen unter den dortigen Juden noch immer statt finden, wobei die Rekruten den auffallenden Schwur leisten müssen, daß falls der Messias während ihrer Dienstzeit kommen sollte, sie dennoch in dem kaiserlichen Dienste und Gehorsam verharren würden. Welche Albernheit und Gesinnungslosigkeit wird hier dem Unterthanen zugemuthet? Ja zu welcher Unsittlichkeit und Gleichgiltigkeit gegen den Eid wird er gewissermaßen gezwungen? Setzt man einmal bei dem polnischen Juden einen solchen Messias- Glauben voraus; nun, was vermöchte dann eine eidliche Verpflichtung gegen die göttliche Verheißung und den großen Tag des Herrn? Ware ein solches Ansinnen in Deutschland möglich, so würden gewiß sämmtliche Rabbinen mit aller Kraft dagegen protestiren. Aber polnische Rabbinen unter russischer Regierung, was wollen, und was können diese thun? Aus Oberschlesien erfahren wir, daß der Feindseligkeit gegen die Juden, die dort neben der Mäßigkeit gepredigt wurde, bereits von Seiten der Behörde kräftig entgegengewirkt wird. Es zirkulirt hier die von dem wackern Herrn Muhr aus Pleß zu diesem Zwecke gerichtete Eingabe an de» Regierungspräsidenten zu Oppeln. Herr M. hat bereits ein dankendes Antwortsschreiben erhalten, mit der Versicherung daß Maßregeln getroffen sind, und der Bitte der Behörde ferner mit Rathschlagen beizustehen. — In den letzten Tag feierte auch hier die Liberalität einen erfreulichen Sieg. Vor mehreren Monaten projektirten nämlich einige christliche Familienväter ein Hospital für unschuldig verarmte und altersschwache christliche Bürger. Als sich aber spater die Stadtverordneten dessen annahmen, und das Unternehmen öffentlich protegirten, so protestirte Geiger in der hiesigen Zeitung gegen das Ausschließungsverfahren dieses städtischen Unternehmens. Die liberalen Stadtverordneten erklärten darauf das Projekt als ein privates, so wie ihre Protektion auch nur eine private sei. Geiger debattirte abermals und man glaubte bereits das Unternehmen sei, da man lange nichts davon hörte, an dieser Kollision gescheitert, als vor wenige» Tagen die Stadtverordneten die Statuten dieses städtischen Bürger-Hospitals für unschuldig verarmte Bürger ohne Unterschied der Religion in den Zeitungen bekannt machten. Den jüdischen Bürgern, denen wegen der Speisen die Aufnahme unmöglich ist, wird sogar ein Aequivalent an Geld geleistet. — Schlesien, im August. In einer Bekannt-