Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 33 (12.8.1844)
- Date
- 1844-08-12
- Page
- Seite 465 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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465 den Zweck der von mir so eben zurückgelegten Reise mir zu Theil geworden sind. Ich war.auf der Rabbinerversammlung in Braunschweig, wo dasjenige, was uns Allen' das Heiligste ist — die uralte Religion unserer Väter, in mehrfacher Beziehung Gegenstand von Berathungen und Diskussionen war, und mir wurde der alle Opfer einer solchen Reise weit überwiegende Genuß zu Theil, inmitten einer auserwählten Schaar von Amtsbrüdern und vor einer intelligenten Zuhörerschaft dasjenige frei auszusprechen, was meinem Herzen Heiligkeit und meiner Seele' Begeisterung giebt, dasjenige auszusprechen, was ich für des Menschen Heil und für seipes Schöpfers Verehrung als das Richtige anerkannt habe; und der Beifall und die Anerkennung von mancher achtbaren Seite wurde mir deßhalb zu Theil. Aber, m. §.! wer weiß nicht, wie diese Rabbinerversammlung schon von vornen herein mannigfach verdächtigt wurde? wer weiß nicht, daß es daher gewissermaßen gefährlich schien, sich derselben anzuschließen? und hätte ich dieses wagen können, wenn ich nicht in den freundschaftlichen Gesinnungen und in dem unschätzbaren Zutrauen meiner hiesigen verehrten Gemeinde einen festen Stützpunkt, erkannt hätte? O gewiß, noch mancher Amtsbruder würde sich gerne zur Rabbinerversammlung begeben haben, aber er fürchtete das Mißtrauen und die falsche Beurtheilung, denen der strebsame Mensch höchst selten entgeht. Und darum, Heil mir, daß ich mich, v. F.! Ihres unerschütterlichen Zutrauens schon im Voraus versichert halten konnte; Heil mir aber auch darum, daß ich mir bewußt bin, Ihr Zutrauen auch bei der Rabbinerversammlung nicht getäuscht zu haben; ich habe Fortschritte, die von der Humanität und der Sittlichkeit erheischt werden, im Sinne unserer heiligen Religion gefördert, ich habe aber Eilschritte, die mir nicht heilsam schienen, so viel an mir lag, bekämpft; ich sage endlich: Heil mir! daß Sie, m. F.! Ihre Freundschaft und Ihr Zutrauen mir auch heute so stark beweisen, wodurch ich mich ermuthigt fühle, dasjenige zu verwirklichen, was ich für rathsam erkannt habe, und in der von mir bisher eingehaltenen Richtung weiter zu schreiten. Und darum lassen Sie uns jetzt den freundschaftlichen Gesinnungen und dem heilsamen Zutrauen, welche uns bisher wechselseitig durchdrungen und vereinigt haben, ein feierlich freudevolles Lebehoch ausbringen; sie mögen sortbestehen ohne Hemmung und Störung, sie mögen fortwirken zu Heil und Segen, sie sollen hoch leben, dreimal hoch!" Frankfurt am Main, 6. August. Wie hier die Sachen stehen, kann man aus folgenden, im hiesigen Journal enthaltenen Artikeln ersehen. Der erste in No. 212 lautet: „Frankfurt am Main, 30. Juli. In verschiedenen öffentlichen Maltern, unter anderen in der Rhein- und Moselzeitung und in der Bremer Zeitung, sind Nachrichten über die Statthaftigkeit der Wechselakzeptirung an jüdischen Sabbat- und Feiertagen zu Frankfurt am Main mitgetheilt worden, die theils entstellt, theils falsch sind. Wir können dieselben nach sicheren Angaben berichtigen. Von christlichen Kaufleuten beschwerdeführend angeregt, war allerdings eine große Anzahl hiesiger Israeliten bereit, die fragliche Statthaftigkeit von hohem Senate zu erwirken. Ein Theil der Gemeinde, welcher sich indessen durch das Unternehmen gewissensbeschwert fühlte, erbat sich von Herrn Rabbiner Dr. Stein ein Gutachten aus, um an Händen desselben der Sabbatstörung entgegenzuwirken. Herr vr. Stein wünschte jedoch zuvor von Hohem Senat selber dazu aufgcfordert zu sein, und gab dasselbe nur erst dann an die letztere Partei ab, als dieselbe ihm versichert hatte, daß der Vorstand ihre Sache zu der seinigen gemacht habe. So liegt nun dermalen das Gutachten und die Sache noch bei diesem, und ist dessen offizieller Schritt zu erwarten. So wünschenswert!) für beide Theile, Christen und Israeliten eines Vaterlandes, es uns erscheint, daß die Israeliten ihren Sabbat auf den Sonntag, den Sabbat des bei weitem größten Theils, verlegten, so dürfte doch die Obrigkeit, so lange die Majorität der Israeliten nicht dazu geneigt ist und die Wechselakzeptirung für eine Verletzung ihres Sabbats, mithin ihres Gewissens hält, ein solches Recht zu schützen wissen, ohne der Freiheit der Einzelnen Schranken setzen zu wollen." Hierauf heißt es in No. 213: Frankfurt, 2. August. Der Artikel in No. 212 dieses Journals über die Zahlungs - und Akzeptionsverbindlichkeit der Israeliten am Samstage enthält eine unrichtige Behauptung, wenn derselbe versichert, der Vorstand der israelitischen Gemeinde habe die Beschwerde mehrerer israelitischen Handelsleute zu seiner eigenen gemacht. Es kann im Gegentheil auf das bestimmteste ver-