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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-08-05 · Heft 32 (5.8.1844) · p. Seite 456

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 32 (5.8.1844)
Date
1844-08-05
Page
Seite 456 (sequence 12)
Language
German
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456 Honorar kömmt auch hinzu, man verfallt auf neue Mittel. So z. B. um bei der allgemeinen Augsburgerin als Korrespondent ausgenommen zu werden, kann man nichts Besseres thun, als judenfeindlich schimpfen. Jetzt hört man, daß der Verfasser der europäischen Pentarchen — ebenfalls ein getaufter polnischer Jude — von der ruffischen Regierung 2000 Dukaten Ehrensold (?) bekomnren, und siehe! der Würfel ist gefallen. Den letzten Rest der Bedenklichkeit stößt ein menschenfreundlicher Buchhändler über den Haufen, der das Werk, wenn nur tüchtig darin geschimpft, oder durch irgend ein anderes Zwangsmittel Aufsehn damit erlangt wird, in Verlag zu nehmen und mit 5 bis 30 Thlr. pro Bogen zu honoriren verspricht, und — der Apostel und seine Mißgeburt sind fertig. Da nun Rußland erst in neuerer Zeit mit der germanischen Bildung sich auch die Bekehrungssucht angeeignet hat, so darf es nicht Wunder nehmen, daß solche Renegaten, ganz wie die deutschen Täuflinge im Mittelalter, als die ärgsten Judenfeinde austreten. Dieser erkünstelte Haß hat bei den deutschen getauften Juden zumeist schon aufgehört; er ist schon zu verbraucht, zu abgenützt; doch zeigt sich hin und wieder auch noch ein Katzenpfötchen. So z. B. erzählt der Charivari in No. 93 d. I., „daß die Rabbiner bei der Versammlung in Braunschweig, das Kol Nidre, eine Formel, welche alle Gelübde für's künftige Jahr im Voraus für nichtig erklärt, aufgehoben." — Wahrlich! auf's glimpflichste beurtheilt, eine, für den im Jünglings- oder gar Mannesakter getauften schlesischen Juden, zu krasse Ignoranz! Ohne hierbei im mindesten einen Mohren weiß waschen zu wollen, glaube ich denn doch dargethan zu haben, wie solche betrogene Betrüger eher zu bemitleiden, als zu verdammen sind. Freuen soll es mich, wenn ich Manchen zur Setbstschau und Prüfung hierdurch veranlasse. Jedenfalls dürfen diese Leute Sprüche Satemonis 6, 30 zu ihrer Beschuldigung anwenden. Anders aber verbalt es sich mit den Verführern. Auch das deutsche Sprichwort halt den Hehler ärger wie den Stehler. Deshalb kann ich nicht umhin, zum Schlüsse ein ernstes Wort an die Redakteure und Verleger deutscher Blätter zu richten. Wäret Ihr so ehrlich, ordentliche Korrespondenten zu halten und sie gehörig zu besolden, dann könnten solche Mißbrauche gar nicht vor- und aufkommen. So aber veranlaßt Ihr sogar dazu, da Ihr so manchem Artikel, der mit Euerem Wissen in Leipzig fabrizirt wurde, schamlos die Worte: von der Wolga — aus dem Innern Rußlands — aus Petersburg und dergleichen an die Stirne stellt. Schließlich will ich nur noch erwähnen, wie jetzt in den meisten Blättern, Witzeleien über den jüdischen Schacher, der mit dem „ewigen Juden" getrieben wird, Vorkommen. Dieser jüdische Schacher wird jedoch zumeist in dem Sitz des deutschen Buchhandels, in der weltberühmten Stadt Leipzig getrieben, die diesen lukrativen Handel noch immer, zum Besten deutscher Gemeinheit, noch immer von schmutzigen Judenhänden ferngehalten. — Wo Thatsachen so klar sprechen, da kann ich schweigen, und schließe daher für heute. Auf Wiederseh'n! —n. Korrespondenz. Wanderung durch Krakau, Galizien, Bukowina, Moldau und Wallachei. (Fortsetzung.) In einem gar nicht kleinen Orte auf dieser Tour erlebte ich ein Erergniß, das ich hier mitzutheilen nicht umhin kann. Als ich nämlich da ankam und in einem jüdischen Einfuhrhause zur Mittagszeit abstieg, war ich nicht wenig verwundert, mir ein, aus lauter Milchspeisen bereitetes Mittagmahl ferviren zu sehen. Ich erklärte dem Wirthe, daß ich Fleischspeisen zum Diner vorziehe, und daß ich solche bereitet zu haben wünsche, er hingegen erklärte mir, daß er mir unmöglich jetzt damit dienen könne. — Es sind doch heute aber nicht die neun Tage? (die Tage vom I. bis zum 9. 2sr, wo keine Fleischspeisen genossen werden) srug ich.- — Ja Herr, erwiederte mein Wirth, wir haben jetzt statt der 9, vielmehr bereits 14 Tage, wo kein Loth Fleisch in unserer Gemeinde verzehrt wurde und diese Fleischfasten können noch gar lange anhalten, denn wir haben jetzt einen strengen Cheirem (vyn). Sie scheinen darüber verwundert, fügte er hinzu, besonders ist es das verhängnißvolle Wort Cheirem (Bannfluch), das Sie frappirt, ich will Ihnen dieses Rathsel aber gleich lösen. Unsere

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