Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-08-05 · Heft 32 (5.8.1844) · p. Seite 454

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 32 (5.8.1844)
Date
1844-08-05
Page
Seite 454 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3224737-3225335-3225368--06230-3315033
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

454 gute, alte Zeit und die alte Disziplin (wenn man ein vernunftloses, durch und durch unpraktisches Treiben der Willkür in Auslegung und Ausübung so nennen mag) mit starren Händen sestzuhalten, da sie sich doch selbst gestehen müßten, für die Gegenwart und deren Aufgabe ganz und gar nicht zu passen. Diese schlechte Absicht fand jedoch an dein gesunden Sinne so mancher streng-konservativen Gemeinden eine nicht geahnte Klippe: Eisenstadt z. SB. das sonst Reformbestrebungen nichts weniger als geneigt ist, konnte bei dieser Gelegenheit nicht umhin, ein solches Unterfangen höchlichst zu mißbilligen. Wir glauben, an dieses Zeichen einer richtigen Würdigung der Zeit und deren Bedürfnisse die Hoffnung zu knüpfen, die dortige Gemeinde werde bei der bevorstehenden Wahl eines Rabbinen wohl bedenken, wie sie selbst im Interesse der „altgläubigen Partei einen Mann berufen müsse, ber. diese letztere würdig zu vertreten und die sich lossagenden Einzelnen, welche einmal durch starres Festhalten verjährter Vorurtheile allein nicht zu überzeugen sind, durch das eigene edle Beispiel mit achter Frömmigkeit wieder zu versöhnen wüßte. (Schluß folgt.) Frankreich. Mühlhausen, im Juli. (Privatmitth.) Die israelitische philantropische Gesellschaft des Oberrheins hat ihren Bericht veröffentlicht. Es ist wirklich merkwürdig, wie gegenwärtig Alles nach Vereinen und Vereinigung strebt. Wol kann man darin oft nur eine Erschlaffung des Einzelwillens und der Einzelkraft, die sich zu großen Werken nicht mehr groß genug fühlen, finden: indeß liegt doch in jeder solchen Vereinigung eine Beansprechung des Interesses Vieler, die wohlthätiger wirkt durch sich selbst, als der Ein- ' zelne bei allem Heroismus vermag. Der Bericht sagt: zu der Versammlung am 17. April beeilte sich von den beiden Enden des Departements, von der' Schweizergrenze bis zum Fuße der Vogesen eine große Zahl Mitglieder sich zu begeben. Im verflossenen Jahre hat die Gesellschaft 83 neue Mitglieder gewonnen) von Januar bis April 1844 sind bereits 37 neue eingetreten; der Minister des Innern hat der Gesellschaft 200 Fr. überwiesen, das Generalkonsul des Departements abermals 300 Fr. Die wirkliche Einnahme von 1843 belief sich auf 6797*/2 Fr. Ueber die Rede des Präsid. Werth, die Prüfung der Schüler, das Fest ist bereits in No. 21 berichtet. Der Rabb. Dreyfuß, der den Schülern Religionsunterricht ertheilt, ermahnte sie in einer beredten Rede zum treuen Festhalten an den religiösen Grundsätzen, die er ihnen gelehrt. Schwede«. Stockholm, 4. Juli. (Privatmitth.) Die materiellen wie die geistigen Verhältnisse des kleinen Häufleins Juden in Schweden, sind gegenwärtig eben so schwankend wie sie allenthalben zu sein scheinen; auch hier findet ein jedes Streben mehr und weniger Widerstand; man fängt auch hier an darüber ernst nachzudenken: was unsrer Zeit Noch thuet! will verbessern das religiöse wie das bürgerliche Leben und bemühet sich durch Schule und Gotteshaus besonders die Jugend für das jüdische Interesse zu erziehen und zu gewinnen; und dabei ist Ihr geschätztes Blatt, auf unsrer, von der ganzen Judenheit abgeschlossenen Insel, gar oft ein guter Leiter und Rathgeber. Den 8. Mai wurde ein feierlicher Trauergottesdienst wegen des Ablebens Karls XIV. Johann gehalten, wobei unser Rabbine, l)r. Seligmann, eine treffliche Predigt hielt, die der Gemeindevorstand in den Druck gegeben. Der verstorbene König hat bekanntlich die Juden 1838 durch ein Gesetz emanzipiren wollen, wurde aber durch die Opposition gezwungen, seine Wirkungen größtentheils wieder zu suspendiren. (S. diese Zeitung 1838 No. 104—142). Der ehrwürdige Redner sprach sich hierüber offen aus; mögen die Hoffnungen, die er für die Zukunft anregt, in Erfüllung gehen! Marokko. Madrid, 9. Juli. Folgender, einer Korrespondenz der Allg. Preuß. Zeit, entlehnte Bericht wirft manches Licht auf die Verhältnisse unsrer Glaubensgenossen in Marokko. — Die (spanische) Regierung hat den bei ihr beglaubigten Vertretern fremder Mächte eine amtliche Darstellung der zwischen Spanien und Marokko obwaltenden Mißverhältnisse

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.