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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-08-05 · Heft 32 (5.8.1844) · p. Seite 453

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 32 (5.8.1844)
Date
1844-08-05
Page
Seite 453 (sequence 9)
Language
German
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453 verbreiteten Sage, der Geist des Vaters .gehe allnächtlich um und komme zuweilen in des geistesarmen Sohnes „Studierzimmer," um — vielleicht manches rückständige Pensum dieses letztem nachzuholen: so unglaublich ein solches Mährchen dem nüchternen Publikum Vorkommen muß, so wahrscheinlich werden diese Visionen durch jene merkwürdige Exegese, und Justinus Kerner sammt Anhang können sich zu einer solchen Eroberung im Bereiche der „Seelenkunde" nur Glück wünschen. Daniel Prosnitzer, erster Rabbinatsassessor, ein Greis von 80 Jahren, tüchtiger Talmudist, nicht ganz ohne Takt für das Praktische, galt auch seiner Zeit für einen gebildeten Rabbinen, weil er — — eine hübsche Hand schreibt. Das Gerücht nennt diesen als den unschuldig-schuldigen Vater des preßburger Kultus-Reform-Versuchs; die Sache verhält sich aber so: schon früher gab sich unter den jüdischen Studierenden der k. Akademie das Streben kund dem gänzlichen Verfalle der öffentlichen Andacht einigermaßen durch etwas mehr äußere Würde des Gottesdienstes vorzubeugen, vielleicht auch so zu künftigen Besserungsschritten das erste Samenkörnlcin auszustreucn. In dieser Absicht wandten sich dieselben an den würdigen Rektor des Protest. Lyzeums Schrör, der ihnen rieth, einen der Assessoren für diesen Plan zu gewinnen und überhaupt behutsam zu Werke zu gehen. Man wußte de» schwachen Greis herumzubekommen, der anfangs polternd, am Ende aber, da er nichts auszustellen fand, gutmüthig nachgebend, nur mit einigem Mißtrauen gegen Abänderung der üblichen Gebetordnung für jetzt und für die Folge sich verwahrte. Was nun diesem guten Alten durchaus nicht anstößig erschien, wurde doch vom Oberrabbiner auf Betrieb gewisser Leute verketzert und verfolgt. Natürlich desavouirte nun der gar zu abhängige Rabbinatsassessor die ganze Sache und zwang die jungen Leute, auf eigene Faust das Begonnene weiter zu fristen und jedenfalls den letzten Gedanken an ein gutwilliges Zugeständnis von Seiten des Rabbinates für immer fahren zu lassen. Simon Oppenheim, zweiter Rabbinatsassessor, ein unbedeutender, aber bigotter Mann der keinen Einfluß hat. Diese Charakteristik des preßburger Rabbinats zeigt zur Genüge, daß dieses selbstständiger Schritte nach keiner Seite hin fähig ist. Die Reaktion geht vom Gemeindevorstand aus, welcher wiederum seinerseits sich mit dem Titel begnügt und es nicht unter seiner Würde hält, sich dem Einflüsse Einer Familie unterzuordnen, die sich zeither der Gemeindeangelegenheiten bemächtigt und diese auf ihre Weise ausgebeutet hat. Wenn man es wob erklärlich findet, daß der betreffende Korrespondent Scheu trug, den Namen einer gewissen Familie offen zu nennen, die sich allerdings durch angestammte Tugenden, durch Wohlthatigkeit und hohe Bildung auszeichnet, und immerhin einige Rücksicht verdient, so sieht man doch nicht ein, warum man Menschen, die weder Bildung, noch Wohlthätigkeit, noch sonst eine Lugend auszeichnet, die vor eigenem Wohlleben und unbegrenztem Uebermuth gar nicht zur Theilnahme an Wohl und Weh der eigenen Glaubensbrüder kommen mögen-schonen solle? Ehre dem, dem Ehre gebührt! Der durch Ignoranz und Frechheit allerdings ausgezeichnete Kalman Pappenheim nennt sich offen und ohne Scheu den Verfasser des Gesuchs vom 3. Dezember 1843, vas von dem preßburger Vorstande (M. H Singer und Hirsch Schlesinger sJophej sind die würdigen Vertreter, welche sich dem Einfluß der Pappenheini hingebend, die theucrsten Interessen ihrer Kommittenten verrathend Tias •'3“iaa EPpoiy) an die hochlöbl. königl. ungarische Statthalterei gerichtet, so viel cian bi'vn verursacht hat, daß im ganzen Lande über diesen bübischen Streich nur Eine Meinung herrscht: yüv Ja die gebildeten Israeliten Preßburgs desavouiren laut und mit unverhehlter Entrüstung das rücksichtslose Verfahren des Vorstandes und gestehen frei, daß sie sich schämen einer solchen Gemeinde anzugehören. Als die königl. Statthalterei über diese monströse Eingabe von den bekanntesten Rabbinen in und außerhalb Ungarn Gutachten verlangte, unter welchen jenes des Oberrabbinen Löw zu Groß-Kanischa in Ungar. Sprache abgefaßt gewesen, boten die preßburger „Führer" durch Rundschreiben andere Rabbinen Ungarns auf, auch ihrerseits unaufgefordert Gutachten abzugeben, nicht etwa die zunächst angestrebten Meliorationen in Kultus und Volksunterricht, sondern jeden Fortschritt, kirchlich wie politisch, als irreligiös „unjüdisch, gottlos" zu verdächtigen, mit einem Worte den letzten Versuch zu machen, die 32*

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