Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 32 (5.8.1844)
- Date
- 1844-08-05
- Page
- Seite 452 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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452 weit besser thun, wenn sie den weisen Spruch unse, rer Alten: „mcran «b« »ip*1» onan erb" beherzigend, allgemein anerkannte Mißbräuche abschafften, einen geregelten, würdigen Gottesdienst einführten, und das Gefühl ihrer Gemeinden für Israels Glauben, für feine Zeitinteressen lebhaft anregten; sie würden weit besser thun, wenn sie Schulen errichteten, worin die zarten Sprößlinge künftiger Generationen aufmerksam gemacht würden, daß ihre Religion nicht nur im Fleischaussalzen, sondern auch, und zwar vorzüglich, in dem Erkennen eines einzigen Gottes, in der Liebe zu allen Menschen, und in anderen Geist und Herz ansprechenden Glaubenssätzen, an denen unsere Religion so reich ist, bestehe; sie würden weit besser thun, wenn sie dafür sorgten, daß ächte Religiosität, wahre Gottesfurcht in das für alle Eindrücke so sehr empfängliche Kindesherz gepflanzt werde, und daß die jüdische Jugend beiderlei Geschlechtes ihre Gebete verstehen, die Geschichte ihres Volkes kennen, und dies selbst frühzeitig lieben lerne.— Oesterreich. Lemberg, 10. Juli. (Privatmitth.) Im kommenden Herbste wird eine, von des Kaisers Majestät bereits genehmigte israelitische Hauptschule — deren Fonds freilich eine neue Fleischsteuer — eröffnet werden. Preß bürg, im Juli. (Privatmitth.) Es gilt dieses Mal, die Meinung des deutschen Publikums über die unselige Petition der preßburger Gemeinde, Namens der orthodoxen Partei, das zugedachte Geschenk bürgerlicher Gleichstellung abzulehnen, ja den Wunsch nach demselben als sündhaft und mit Israels Hoffnungen und Ansprüchen an die Zukunft unverträglich zu bezeichnen, in der Hauptsache zu berichtigen. Wäre es schon freventliche Usurpation, wenn die preßburger Gemeinde für sammtliche Judengemeinden Ungarns einen solchen Ausspruch wagte (und sie wagt noch weit mehr, denn sie maßt sich an, für die ganze Juden heit Einsprache zu thun) so muß es gewiß überraschen, wenn es Jemanden gelungen, dem Getriebe dieser dem Scheine nach, wenn auch fanatischen, doch konfessionellen Reaktion in die geheime Werkstätte zu folgen und thatsächlich nachzuweisen, daß jener Preisgebung des Rechtes und der guten Sache nicht nur die orthodoxe Partei des Königreichs, sondern auch die der Gemeinde Preßburg selbst ferne gestanden und — bis das Unerhörte bereits geschehen war, so gut als fremd geblieben ist. —> Folgende Daten, die dabei betheiligten Personen betreffend, dürften zur gehörigen Würdigung dieses „Mißgriffs" etwas beitragen. Das Signalement der Hauptfigur (denn mehr ist die in Rede stehende Notabilität durchaus nicht) so wie der übrigen „Häupter" der Reaktion wird hinreichen, die schlechten Motive der eigentlichen Urheber und das leichte Spiel, welches sie bei solchen Führern gehabt, mehr als crrathen zu lassen. Das preßburger Rabbinat besteht aus folgenden Gliedern: Benjamin Wolf Svpher, Oberrabbiner (dem Leser der Allg. Zeit, des Judenthums wird es noch erinnerlich sein, wie er Dieß geworden —) erzogen in der Studierstube seines Vaters und Ämtsvorfahrs Moses Sopher in einer Unwissenheit, von der deutsche Juden keinen Begriff haben, seit seinem Amtsantritte das willenlose Werkzeug in den Händen einer Partei; in weltlichen Dingen gänzlich unerfahren (der Mann zahlt 29 bis 30 Jahre) im Talmud selbst kleinlich bornirt und durchaus keines freien Ueberblickes mächtig. Bezeichnend dürfte folgende Probe homiletischer Hermeneutik sein, mit welcher er kurz nach seines Vaters Tode die Richtung andeutete, weiche er auch seitdem verfolgt hat. Als nämlich im Frühling 1842 ein Kasino-Verein sich bildete und unter so bescheidenem Namen die löblichsten Absichten an den Tag legte, vor Allem aber eine friedliche Verständigung der Parteien und wo möglich deren Einigung mit wahrhaft edlem Eifer betrieb, wieS dieser ächte Sohn seines Vaters in einem kirchlichen Vortrage, auf den V. 1» Ps. 34 sich stützend ,,Knbro Kronos" mit der scharfsinnigen Wendung „iriE-m mb© ©pn" „W e i l sie den Frieden suchen, verfolge ihn!" mit lächerlichem Pathos von sich. Das Ansehen dieses Menschen steht selbst bei den Anhängern sopherischen Dynastie ("ok ©Tr p,, nicht wahr?) auf so schwachen Füßen, daß sie dessen Beruf zu einem so wichtigen Posten und die dazu erforderliche Autorität nicht anders retten zu können vermeinen, als durch Annahme der unter dem „Volke"