Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 32 (5.8.1844)
- Date
- 1844-08-05
- Page
- Seite 450 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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450 Luxemburg, 19. Juli. Der König der Niederlande empfing bei seiner jüngsten Anwesenheit daselbst unter anderen Deputationen auch den Vorstand der israelitischen Gemeinde, deren Repräsentant, der Oberrabbiner ür. Samuel Hirsch, ihn folgendermaßen anredete: „Die Verwaltung der israelitischen Gemeinde wagt es, Ew. Majestät ihren tiefgesühlren Dank zu Füßen zu legen für die vielen Wohlthaten, die Ew. Maj. Regierung uns in neuester Zeit wieder erwiesen. Es ist von Seiten des Staats für uns, für unfern Kultus und unser Schulwesen nunmehr Alles geschehen, was wir wünschen können. An uns liegt es nun, uns dieser Wohlthaten würdig zu erweisen, und es wird unser ernstes Bestreben bleiben, uns als treue Unterthanen und tüchtige Staatsbürger zu bewahren. Majestät! Ich komme soeben von einer Versammlung deutscher Rabbiner zurück; dort wurde die Frage ausgeworfen: inwiefern der Jude sein Geburtsland als sein Vaterland zu betrachten habe. Und es wurde nachgewiesen, daß der Jude selbst dem Staate, der ihn als Stiefkind betrachtet, mit allen Kräften dienen müsse; denn das Judenthum verlange Wirklichkeit des Rechts und des Gesetzes auf Erden, was nur im Staatsleben zu erreichen sei. Wie viel mehr müssen wir für einen Staat begeistert sein, der uns nicht als Stiefkinder, sondern als achte Kinder betrachtet; für einen König, der unsere Religion gleich jeder andern schätzt und liebt; für ein Königliches Haus, das in den finstersten Zeiten dem Juden Zuflucht und Schutz gewährte. Gott erhalte Ew. Majestät!" Der König erwiderte hierauf: „Sie wissen, daß nicht blos hier, daß auch in meinen Niederlanden viele Juden im Staatsdienste sind, und ich kann mich deshalb nur freuen. Sie haben sich immer als treue und bewährte Unterthanen und von je her als die besten Freunde meines Hauses gezeigt. Meine Staaten waren ihnen immer eine offene Zufluchtsstätte, und sie haben sich auf's Rühmlichste dieser Wohlthat dankbar erwiesen." Preußen. Aachen, 22. Juli. Die hiesige Zeitung enthält folgenden Artikel „von der Ruhr." „Man wundert sich, daß in der letzten Zeit bei Volkserzessen wieder die Juden so viel haben leiden müssen. Es wäre eher wunderbar, wenn cs nicht der Fall wäre, obgleich es nicht an Leuten fehlen wird, die daraus schließen werden, daß Deutschland für eine Emanzipation noch nicht reif genug sei. Möchten doch die Regierungen bedenken, daß der Zustand der Juden jene Exzesse erleichtere und schon darum sich die Emanzipation mehr zu Herzen nehmen. Die Juden haben keine politischen Rechte; nichts ist begreiflicher, als daß das Volk den Glauben gewinnt, sie verdienten keine Rechte. Für das Volk aber ist die Vermischung von politischem Recht und bürgerlichem Rechte sehr leicht und daher die Ansicht immer natürlich, daß die Exzesse gegen die Rechtlosen kein Unrecht seien. So bildet man sich häufig ein, daß die Schuld allen Uebels an den Juden .liege und daß die Rache an denselben nickt strafbar sei. Dieser falschen Ansicht ist nur durch eine Emanzipation zu begegnen; sie ist um der Menschheit und des Gesetzes selbst willen nöthig." Magdeburg, 2d. Juli. (Privatmitth.) Die Nachricht, daß ein Meuchelmörder einen Anschlag auf des Königs und der Königin Majestäten verübt, hatte sich hier kaum verbreitet, als die Gemeinde beschloß, am folgenden Tage einen besondern Dankgottesdienst zu halten, damit zu derselben Zeit, wo in den christlichen Gotteshäusern daS Dankgebet zum Herrn hinaufsteigt, in denen Jsrael's der Ausspruch der Vaterlandsliebe nicht mangele. Nach einer einleitenden Musik ward mit 'Posaunenbegleitung der 34ste Psalm von der Gemeinde hebräisch gesungen, dann der 91 |ie Psalm deutsch vom Rabbinen 9r. Philippson vorgetragen, eine kurze, kräftige Rede darüber: wie klein die Ursache"), wie groß die Gefahr, wie schnell die Hülfe, wie unermeßlich die Folgen — gehalten, mit der Tora im Arme ein inniges Dankgebet gesprochen, dann von der Gemeinde hebräisch der 2iste Psalm gesungen, worauf eine passende Schlußmusik. — Wenn wir die Art und Weise betrachten, wie sich die Israeliten bei allen Staats - und vaterländischen Ereignissen ätsßern: so ®) Bekanntlich war der Thäter ein entlassener Beamter. Red.