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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-08-05 · Heft 32 (5.8.1844) · p. Seite 449

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 32 (5.8.1844)
Date
1844-08-05
Page
Seite 449 (sequence 5)
Language
German
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449 ist eine zu edle Natur, als daß er nicht den Schmerz über diese Abirrung würdigen sollte, den wir, die wir mitten in dir lebendigsten Anschauung des ZudenthnmS unsre Freude und unsre Existenz finden, empfinden. Indeß verkündet Rießer seine Ansichten durchaus nicht als abgeschlossen, als zur völligen, entschiedenen Gestaltung gekommen, er stellt nur Alles noch als Frage hin. Und so kann unS auch hier ein recht gesegneter Ausgang bevorstehen. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Aus der baierschen Pfalz, 10. Juli. Wir haben zwar den Gegenstand des Folgenden bereits in vor. No. berichtet, können uns aber nicht enthalten diesen ausführlichen Artikel dem „Landauer Eilboten" zu entlehnen: „In gen heim., im Juni 1844. Bei der im verflossenen Monate stattgehabten Umreise des Herrn Bischofs von Speyer war kaum die Kunde von dessen bevorstehender Ankunft in Jngenheim erschollen, als schon Alle sich bereit hielten, den würdigen Prälaten auf würdige Weise zu empfangen. Der Gemeinderath, bestehend aus Bürgern evangelisch-protestantischer, katholischer und israelitischer Konfession, hatte sich am Eingänge des Ortes, den Bürgermeister an der Spitze, versammelt, und beim Einzuge schon äußerte sich der Herr Bischof, wie wohl es seinem Herzen thue, alle Konfessionen so friedlich mit und nebeneinander leben zu sehen. Nach abgehaltenem Gottesdienste äußerte der Herr Bischof den Wunsch, auch die Synagoge zu sehen, welche, als kaum dieser Wunsch laut geworden, wie durch einen Zauberschlag prachtvoll erleuchtet dastand. Bald darauf begab sich der Herr Bischof, in Begleitung des Herrn Distriktsschulinspektors, des Herrn Lokalinspektors, vieler anderer Herren Geistlichen und der Ortsbehörde, in das israelitische Gotteshaus, in welchem sich an 2VW Menschen aller Konfessionen, Alle festlich gekleidet, versammelt hatten. In der Vorhalle empfing den Erwarteten der Vorstand, dessen Präsident, Herr B. Roos, eine kurze paffende Anrede hielt, welche von dem Herrn Bischof auf eben so kurze als herzliche Weise erwiedert wurde. Bei dem Eintritte in den Tempel wurde von dem, durch den sehr thatigen Kantor, Herrn Stern, der auch das gebührende Lob für seine Leistungen erntete, neu eingerichteten Sängerchor und der Schuljugend der 26. Vers des 118. Psalmes: „Gesegnet, wer da kommt im Namen Gottes, wir segnen euch aus dem Hause Gottes!" mit vieler Präzision abgesungen. Der Eindruck, welchen dies aus alle Anwesenden, besonders aber auf den gefeierten Gast und die Herren Geistlichen,' welche den Sinn dieses, in hebräischer Sprache abgesungenen Verses und die Absicht der Wahl erfaßten, hervorbrachte, war sichtbar. Hierauf sprach der Herr Bischof in kräftigen Worten sich über den Geist der hebräischen Poesie aus, deren Höhepunkt von keiner andern Sprache noch erreicht worden, über das in den hebräischen Gebeten liegende tiefe Gefühl, das durch keine Uebersetzung wieder gegeben werden könne, und über den Werth der heiligen Sprache im Allgemeinen, woraus der Schluß auf deren göttlichen Ursprung gezogen werden müsse. Nachdem nun von dem Chor und der Schuljugend der 133ste Psalm, und zwar auf ausdrückliches Verlangen, in hebräischer Sprache abgesungen worden, und der Herr Bischof die Jugend besonders deshalb belobt, daß sie den Sinn der hebräischen Gebete und Gesänge so richtig auffaßte, sprach der Gefeierte wiederholt sein Wohlgefallen an dem Geiste des Friedens aus, der hier die Bekenner so verschiedener Konfessionen, gleich Kindern eines Vaters, belebt. Er ermahnte die Anwesenden zu fernerer Eintracht und brüderlicher Liebe, indem man nur dadurch Gott gefällig leben könne; sodann, sich an die Schuljugend wendend, legte er ihr an's Herz, wie sie durch Befolgung der göttlichen Lehre glücklich werden könne, und wie sie ja festhalten möge an der Religion der Väter u. s. w. Zum Schluffe wurde ein Schul- und Synagogenlied abgesungen, was auf die Versammlung so ergreifend wirkte, daß wenige Augen nur thränenleer waren; und so endete diese Feier, welche der zahlreichen israelitischen Einwohnerschaft JngenheimS um so unvergeßlicher sein wird, als der Impuls dazu durch einen hochstehenden Geistlichen anderer Konfession gegeben ward, dessen schönes Beispiel alle Intoleranz, wenn sie je auftauchen wollte, im Keim ersticken und das Streben der Proselytenmacher lähmen muß. — Der Herr sei mit dem Würdigen auf allen seinen Wegen!" D.

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