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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-07-29 · Heft 31 (29.7.1844) · p. Seite 439

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 31 (29.7.1844)
Date
1844-07-29
Page
Seite 439 (sequence 11)
Language
German
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439 Diese blinde Furcht kann aber nicht ausbleiben, wenn man Artikel, wie etwa in einer der letzten No. des Ptaudecstübchens vom Monat Juni der Dorfzeitung „über Juden-Emanzipation" zu lesen bekommt; besonders wenn er von einer gläubigen Heerde gelesen wird, die ihrem Leithammel, ohne Wahl und Prüfung, durch dick und dünn folgt. Unter Anderen heißt es darin, „daß da wo der Jude wohne und lebe, eben so gut ein Christ wohnen und leben könnte." Doch hierin liegt noch immer Sinn, wenn auch gemeiner, engherziger Krämersi'nn! vollständig unsinnig aber ist der Schluß dieses Schandaufsatzes, wo auf das Glück der Lander, die keine Juden ausgenommen haben, hingewiesen wird. Es wäre völlig unbegreiflich, wie ein Mensch von nur einigem. Menschenverstände dergleichen schreiben und ein anderer es abdrucken lassen kann; wenn nicht eben die Erfahrung uns schon belehrt hatte, wie in Sachen des Judenhasses der Deutsche, namentlich der deutsche Gelehrte blind, und ganz be- und gesinnungslos zufährt. Ich will nur die Namen: Ghylany, Bauerund Konsorten zum Beweise nennen. Doch zurück zu dem Artikel: über (d. h. gegen) Juden-Emanzipation. Wir wollen die glücklichen Staaten, die nicht von Juden verpestet werden, kennen lernen. No. I. prasentirt .sich Spanien. So gern wir auch solchen Judenvertreibungshetzern auch die Absicht, einen Bürgerkrieg zu erwecken, zugestehen wollen, kann ich doch wieder nicht glauben, daß die protestantisch fromme Dorfzeitungs-Redaktion einen katholischen Staat zum Beispiel aufstellen will, wie sehr sich dieser auch dem Muster der Volksbeglückung nährt. Was uns in dieser Annahme bestärkt, sind die in der Dorszeitung eben so oft vorkommenden hämischen Ausfälle gegen die katholische Kirche. Wir müssen also zu No. II. zu dem lutherisch fromme Norwegen uns wenden. Glückliches Land, das dem an seinen Ufern strandenden Juden, seine Gefängnisse gastfreundlich öffnet! Welch hoher Grad der Zivilisation! Nicht einmal gebraten wird der Jude! Ja, da darfst du in der gerechten Freude ob deines Glückes dich der allgemein bei dir herrschenden Trunksucht hingeben, die in Schlesien, Polen und Rußland von den gottvergessenen Juden verbreitet wird! Ja, wozu erst das von den Juden lernen, was eigne Kraft und eigner Geist schon genugsam eingiebt? Es scheint überhaupt eine eigenthümliche Richtung bei den Judenfressern, ihren giftigen Spaß duxch Spirituosa anzufeuchten und zu unterhalten. — Um jedoch nach allen Seiten unfern guten Willen zu bekunden, wollen wir es gar nicht in Abrede stellen, wie in der That mancher — sogenannte — jüdische Literat, — wie eben auch viele christliche — ihre feite Feder Jedem andreren. Ohne diese Ehrlosigkeit irgendwie entschuldigen zu wollen, noch zu können, halte ich es doch für nöthig einige Mittheilungen über den gewöhnlichen — Miß- — Bildungsgang dergleichen Subjekte zu machen. Zumeist sind es junge Leute, die aus Polen oder Galizien einwandern. So sehr ich auch die Geistesanlagen und den Durst nach Wissen, der diese Leute auszeichnet, anerkenne; so kann ich doch ihrem Charakter und ihrem moralischen Werthe nicht ein ähnliches Lob spenden. — Nicht etwa als ob unsere polnischen Glaubensgenossen, an und für sich moralisch tiefer stünden, als die Juden in anderen Staaten; aber das Leben unter vielerlei Druck und Elend verwischt manche feine Linie, und namentlich tritt oft bei dem polnischen Juden Neid, pöbelhafte Gemeinheit, maßlose Arroganz und Charakterlosigkeit schmerzlich berührend hervor. — Diese jungen Leute, die, nach vielfachen Kämpfen mit ihren unglücklichen Verhältnissen, es endlich ermöglicht haben, eine deutsche Hochschule zu besuchen, wenden sich zumeist, schon des, durch die Messe ihnen erleichterten, Verkehrs mit der Heimath wegen, nach Leipzig. (Schluß folgt.) Korrespondenz. Wanderung durch Krakau, Galizien, Bukowina, Moldau und Wallachei. (Fortsetzung.) Im. Schulgebäude findet sich ein eignes Bethaus, vorzüglich bestimmt für die Eleven der Schule, indessen wird es auch von vielen auswärtigen Kindern und Erwachsenen besucht. Es ist nach dem Prinzipe des Fort-

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